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Radioaktiver Präzisionsangriff: Wie Radioligand-Therapie Krebs gezielt zerstört

Radioaktiver Präzisionsangriff: Wie Radioligand-Therapie Krebs gezielt zerstört

Radioligand-Therapie verbindet radioaktive Substanzen mit zielgenauen Trägermolekülen, die Krebszellen erkennen und zerstören. Zwei FDA-zugelassene Therapien zeigen bereits beeindruckende Ergebnisse.

13. April 2026, 6:11 Uhr 566 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Klassische Strahlentherapie bestrahlt einen Tumor von außen und nimmt dabei zwangsläufig auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft. Radioligand-Therapie funktioniert nach einem anderen Prinzip: Ein Trägermolekül, das gezielt an Krebszellen bindet, transportiert ein radioaktives Isotop direkt zum Tumor. Das gesunde Gewebe ringsum bleibt weitgehend unberührt. Zwei Therapien sind in den USA bereits zugelassen, Hunderte klinischer Studien wollen das Prinzip auf weitere Krebsarten ausweiten.

Das Prinzip der Theranostatik

Der Begriff Theranostik beschreibt eine Technologie, die Diagnose und Therapie in einem vereint. Dieselben Trägermoleküle, die zur Bildgebung eingesetzt werden, können mit leicht unterschiedlichen Isotopen auch zur Behandlung genutzt werden. Onkologen können so zunächst prüfen, ob ein Tumor das jeweilige Zielmolekül trägt und dann mit demselben Liganden therapieren.

Das bekannteste Zielmolekül im Bereich Radioligand-Therapie ist PSMA, ein Protein auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen. Pluvicto (Wirkstoff: 177Lu-PSMA-617) bindet daran und gibt am Tumor gezielt Strahlung ab. Die pivotale VISION-Studie zeigte bei metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom ein medianes Gesamtüberleben von 15,3 Monaten gegenüber 11,3 Monaten bei alleiniger Standardtherapie. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA erteilte 2022 die Zulassung.

Bereits 2018 war Lutathera (177Lu-DOTA-TATE) für gaströnteropankreatische neuröndokrine Tumoren zugelassen worden. Dieser Wirkstoff zielt auf Somatostatin-Rezeptoren, die von vielen neuröndokrinen Tumoren in hoher Dichte getragen werden. Beide Therapien werden von Novartis vermarktet, das Unternehmen eröffnete Ende 2025 eine zweite US-amerikanische Produktionsstätte in Carlsbad, Kalifornien.

Was in der Pipeline ist

Die Forschungsaktivität in diesem Bereich ist außergewöhnlich hoch. Auf ClinicalTrials.gov sind Studien zu einer Vielzahl neuer Zielmoleküle registriert, darunter FAP (Fibroblasten-Aktivierungsprotein), GRPR (Gastrin-Releasing Peptide Receptor) und CAIX. Diese Moleküle sind auf Oberflächen von Brust-, Lungen- und Nierenkarzinomen nachweisbar.

Besonderes Interesse gilt 177Lu-rosopatamab (TLX591) von Telix Pharmaceuticals, einem weiteren PSMA-gerichteten Kandidaten in Phase 3. Ergebnisse werden noch für 2026 erwartet. Parallel dazu erkunden Forscher alternative Radionuklide jenseits von Lutetium-177: Blei-212 und Thorium-227 haben in frühen klinischen Studien bei neuröndokrinen Tumoren Aktivität gezeigt und erlauben je nach Zerfallscharakter unterschiedlich tiefe Gewebepenetration.

Grenzen und Herausforderungen

Radioligand-Therapie ist kein Allheilmittel. Sie wirkt nur bei Tumoren, die das jeweilige Zielmolekül in ausreichender Dichte tragen, was bei jedem Patienten individuell geprüft werden muss. Die Herstellung von Radiopharmazeutika erfordert spezialisierte Infrastruktur und kurze Transportwege wegen der begrenzten Halbwertszeit der Isotope. Das schränkt die globale Verfügbarkeit erheblich ein.

Dazu kommt der Preis: Eine Behandlung mit Pluvicto kostet in den USA rund 42.000 Dollar pro Zyklus, üblicherweise werden bis zu sechs Zyklen verabreicht. Der Zugang in einkommensschwachen Ländern ist damit faktisch ausgeschlossen.

Was als Nächstes kommt

Die Dana-Farber Cancer Institution und das National Cancer Institute zählen Radioligand-Therapie zu den bedeutendsten Krebsdurchbrüchen der laufenden Dekade. Mit den Phase-3-Ergebnissen zu TLX591 und den ersten Daten zu FAP-gerichteten Kandidaten werden 2026 entscheidende Weichen gestellt, welche Krebsarten als nächstes von diesem Ansatz profitieren werden.

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