AfD führt CDU/CSU um sechs Punkte: Merz bei 15 Prozent
Ein Jahr nach Regierungsantritt bescheinigen nur noch 26 Prozent der Deutschen der Bundesregierung gute Arbeit. Zur Zeit des Koalitionsstarts Ende Mai 2025 waren es noch 51 Prozent. Drei aktuelle Meinungsforschungserhebungen zeigen, dass dieser Einbruch kein vorübergehender Schwankungswert ist, sondern ein stabiles Muster.
Was drei Umfragen übereinstimmend zeigen
Die Datenlage ist ungewöhnlich konsistent. Das ZDF-Politbarometer, erhoben vom 5. bis 7. Mai unter 1.240 Wahlberechtigten, gibt 69 Prozent an, die der Regierung schlechte Arbeit bescheinigen. YouGov misst in seiner Sonntagsfrage vom 8. bis 11. Mai unter 2.179 Personen 81 Prozent Unzufriedene, drei Prozentpunkte mehr als noch im April. Ein INSA-Blitztest kommt auf ähnliche Werte. Drei methodisch unterschiedliche Erhebungen zeigen in dieselbe Richtung.
Bei der persönlichen Bewertung des Kanzlers ist der Einbruch noch schärfer. Friedrich Merz erhält im ZDF-Politbarometer eine Sympathie- und Leistungsbewertung von minus 1,3 auf einer Skala von plus 5 bis minus 5, dem schlechtesten je für ihn gemessenen Wert. Vor einem Jahr, kurz nach dem Koalitionsstart, standen 47 Prozent der Deutschen hinter Merz. Heute geben ihm laut ZDF noch 28 Prozent ein gutes Zeugnis. YouGov, das eine andere Frage stellt, kommt auf 15 Prozent, die Merz für einen guten Kanzler halten, einen Rückgang von fünf Prozentpunkten allein im letzten Monat. Bei Union-eigenen Wählern liegt die Zustimmung zu Merz nach YouGov bei 38 Prozent, acht Punkte weniger als im April.
Zur Frage, ob die Koalition ihr reguläres Ende 2029 erreicht, zeigen ZDF (48 Prozent erwarten vorzeitiges Ende) und INSA (49 Prozent wünschen sich vorzeitiges Ende) übereinstimmend: Beinahe jeder zweite Deutsche geht davon aus, dass Schwarz-Rot nicht hält. Im Osten Deutschlands liegt dieser Anteil laut INSA bei 57 Prozent, im Westen bei 47 Prozent.
Die AfD als größte Gewinnerin
In der YouGov-Sonntagsfrage vom Mai 2026 liegt die AfD mit 28 Prozent sechs Prozentpunkte vor CDU/CSU mit 22 Prozent. Das ZDF-Politbarometer misst einen knapperen, aber ebenfalls eindeutigen Abstand: AfD bei 27, CDU/CSU bei 25 Prozent. SPD und Grüne kommen in der YouGov-Messung auf je 13 Prozent, die Linke auf 11 Prozent. Die FDP scheitert in beiden Erhebungen an der Fünfprozenthürde.
Für die Union ist dabei nicht nur der Abstand zur AfD relevant, sondern die Entwicklung der gesellschaftlichen Akzeptanz für die Brandmauer. Im Februar 2025, kurz nach der Bundestagswahl, hielten 54 Prozent der Deutschen das Prinzip für richtig, der AfD keine Regierungsbeteiligung einzuräumen. Im Mai 2026 sind es noch 46 Prozent, während 41 Prozent die Brandmauer inzwischen für falsch halten. Dieser Meinungsumschwung fand binnen eines Jahres statt, parallel zum Absturz der Koalitionswerte.
Die Koalitionszusammenarbeit selbst wird von YouGov-Befragten vernichtend bewertet: Nur 10 Prozent halten sie für gut, 67 Prozent für schlecht. Das ist die Stimmungslage nach dem Koalitionsausschuss vom Dienstag, der sechs Stunden tagte und keine einzige der drei strittigen Reformfragen löste.
Gesundheitsreform: 80 Prozent zweifeln
Dass das gesunkene Vertrauen sich an konkreten Politikvorhaben festmacht, zeigt die ZDF-Frage zur geplanten Gesundheitsreform. Nur 15 Prozent glauben, die Reform werde die Finanzprobleme des Gesundheitssystems lösen. 80 Prozent verneinen das. Ebenfalls 80 Prozent halten die Lastenverteilung innerhalb der Reform für ungerecht.
SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas hatte beim DGB-Bundeskongress Anfang Mai bekräftigt, der Sozialstaat solle nicht kleiner, sondern klüger werden. Für Versicherte bedeutet die politische Blockade bei der Gesundheitsreform, dass Entscheidungen über Zuzahlungen, Kassenbeiträge und Krankenhausfinanzierung weiter auf Eis liegen. Die von der Regierung angepeilten Strukturänderungen sind noch nicht parlamentarisch beschlossen.
Die SPD, deren Wähler besonders auf sozialstaatliche Zusagen angewiesen sind, steht im ZDF-Politbarometer bei 12 Prozent auf einem historischen Tief. Auch die Koalitionsführung unter Merz profitiert von der SPD-Schwäche nicht: Die Union verliert laut YouGov ebenfalls einen Prozentpunkt gegenüber dem April.
Bis Ende Juni muss die Koalition liefern
Die Rentenkommission hat bis Ende Juni 2026 Zeit, konkrete Reformvorschläge vorzulegen. Vizekanzler Lars Klingbeil hat angekündigt, in den nächsten Wochen einen Entwurf zur Einkommensteuerreform vorzulegen, der zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Merz selbst setzte der SPD nach dem gescheiterten Koalitionsausschuss öffentlich vier Wochen, bis Mitte Juni, um vom Konfrontationskurs abzurücken.
Alle drei Fristen laufen parallel. Wenn die Rentenkommission im Juni ohne Konsens endet, der Einkommensteuerentwurf strittig bleibt und die Vier-Wochen-Frist ohne greifbares Ergebnis verstreicht, steht die Koalition im Sommer mit keiner einzigen abgeschlossenen Kernreform da. Die Umfragen signalisieren, dass die Bevölkerung dann noch weniger Geduld haben wird als jetzt.
Aktualisierungen
Update 16. Mai, 19:00 Uhr: Die INSA-Sonntagsfrage für Bild am Sonntag, erhoben vom 10. bis 14. Mai unter 1.203 Befragten, liefert einen neuen Höchstwert: Die AfD erreicht 29 Prozent, den besten je in dieser Umfrage gemessenen Bundeswert der Partei. CDU/CSU verlieren einen Punkt auf 22 Prozent, ihr schlechtestes INSA-Ergebnis seit über vier Jahren. Die SPD sank ebenfalls um einen Punkt auf 12 Prozent. Die Grünen gewannen leicht auf 14 Prozent, ihren besten Wert seit zweieinhalb Jahren. FDP und BSW verharren mit je 3 Prozent deutlich unter der Fünfprozenthürde. In der INSA-Messung liegt der Abstand zwischen AfD und Union nun bei sieben Punkten, einem mehr als in den YouGov- und ZDF-Politbarometer-Erhebungen vom Wochenbeginn.
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