Nach dem Lava Fire: 1,47 Millionen Sämlinge wachsen
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Nach dem Lava Fire: 1,47 Millionen Sämlinge wachsen

Fünf Jahre nach dem Lava Fire am Mount Shasta in Nordkalifornien wachsen 1,47 Millionen junge Bäume auf der Brandfläche. Der US Forest Service zeigt, wie Wälder nach katastrophalen Bränden wieder entstehen können.

7. Juni 2026, 16:42 Uhr 689 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Im Frühjahr 2025 suchten Pflanzkolonnen im Shasta-Trinity National Forest gezielt nach Stellen, an denen liegende Baumstämme oder Felsblöcke etwas Schatten werfen: Auf verbrannten Berghängen überleben frisch gesetzte Baumsämlinge ohne diesen Mikroklimaschutz kaum die ersten kritischen Sommer. Mehr als eine Million solcher Standorte haben die Teams am Nordhang des Mount Shasta seit 2024 bepflanzt, inzwischen sind es 1,47 Millionen junge Kiefern auf 2.769 Acres verkohlter Erde. Das Lava Fire hatte hier 2021 über 10.000 Hektar Wald verwüstet. Was seitdem im Shasta-Trinity National Forest entstand, ist das größte Wiederaufforstungsprojekt dieser Region und ein Testfall dafür, ob gezielte Aufforstung nach Megabränden funktionieren kann.

Juni 2021: Das Feuer frisst die Nordhänge des Mount Shasta

Am 25. Juni 2021 brach nahe der Stadt Weed in Nordkalifornien der Lava Fire aus. Innerhalb von Wochen fraß er sich durch 26.409 Acres (rund 10.700 Hektar) des Shasta-Trinity National Forest entlang der Nordhänge des Mount Shasta. 23 Gebäude wurden zerstört, darunter 14 Wohnhäuser. Am 3. September 2021 galt das Feuer als vollständig eingedämmt.

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Die eigentliche Herausforderung begann danach. Hochintensive Brände hinterlassen nicht einfach freie Flächen, die sich erholen. Wo das Feuer besonders heiß war, überlebten kaum Bäume, die Samen verstreuen und natürliche Regeneration anstoßen könnten. Weite Teile des Brandgebiets hatten schlicht nicht genug überlebende Bäume, um sich von allein zu erholen.

Salvage-Einschlag und Maschineneinsatz bereiten den Boden vor

Bevor überhaupt gepflanzt werden konnte, musste das Terrain vorbereitet werden. Forstbetriebe entfernten abgestorbene und geschwächte Bäume durch Salvage-Einschlag. Anschließend zerkleinerten schwere Maschinen, sogenannte Masticatoren, nachwachsendes Gestrüpp und kleine Totholzstücke. Erst dieser zweistufige Eingriff schuf die Bedingungen, unter denen Pflanzkolonnen arbeiten und Sämlinge überleben können.

Drei Pflanzsaisons, 1,47 Millionen Bäume

Seit 2024 pflanzen Trupps von 10 bis 15 Personen in der Frühjahrssaison (März bis Mai) über die Brandfläche verteilt Sämlinge. Auf 2.769 Acres wurden in drei Pflanzsaisons 1,47 Millionen Bäume gesetzt, berichtet der TV-Sender KDRV aus Medford, Oregon, der das Projekt vor Ort begleitet. Die gewählten Baumarten sind Ponderosa-Kiefer und Jeffrey-Kiefer, beide auf trockene Berglagen ausgelegt und widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und Schädlingen.

Die Pflanzteams nutzen die sogenannte Microsite-Pflanzung: Statt Sämlinge gleichmäßig zu verteilen, suchen die Pflanzer gezielt Stellen, an denen liegende Baumstämme, Felsblöcke oder Geländefalten natürlichen Schutz bieten. Dort ist die Erde feuchter, die direkte Sonneneinstrahlung schwächer und der Wind gedämpfter. Dieser Unterschied entscheidet laut dem US Forest Service darüber, ob ein Sämling die ersten kritischen Jahre überlebt. Viele der Bäume sind inzwischen bereits rund 30 Zentimeter hoch und bieten Wildtieren Lebensraum, schützen Wassereinzugsgebiete und speichern Kohlenstoff.

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Im Vergleich: Die Dimensionen des Wiederaufforstungsrückstands in den USA

Das Lava Fire-Projekt steht nicht allein. Im Jahr 2025 hat der US Forest Service landesweit 285.000 Acres wiederbewaldet, den höchsten Wert in 25 Jahren, dokumentieren die Erfolgsmeldungen der Behörde. Zum Vergleich: Der Camp Fire von 2018 im Paradies-Gebiet nördlich von Sacramento verbrannte 153.000 Acres. Die Wiederaufforstung dieses Gebiets läuft ebenfalls, aber der Rückstand ist enorm.

Denn landesweit harren auf Forest Service-Flächen mehr als vier Millionen Acres auf aktive Wiederbewaldung. In den vergangenen zehn Jahren wurde laut eigenen Angaben der Behörde lediglich sechs Prozent des Bedarfs nach Waldbränden tatsächlich angegangen. Ursache ist unter anderem die Kapazitätsgrenze bei der Saatgutproduktion: Die Lucky Peak Nursery in Boise, Idaho, eine von nur sechs Baumschulen des Forest Service, produziert zwischen zwei und sechs Millionen Bäume auf 60 Acres. Um die Nachfrage zu decken, müssten die Baumschulen ihre Produktion mehr als verdoppeln.

Die offene Rechnung: Vier Millionen Acres warten auf Bäume

Der Fortschritt am Mount Shasta ist real. Und er macht die Lücke zwischen Anspruch und Realität sichtbarer. Der REPLANT Act von 2021 (Repairing Existing Public Land by Adding Necessary Trees) schuf die gesetzliche Grundlage für ein schnelleres Aufforstungstempo. Doch Gesetze allein füllen keine Baumschulen.

Erschwerend kommt der Klimawandel hinzu: Höhere Temperaturen und längere Dürreperioden senken die Überlebenschancen frisch gepflanzter Sämlinge. Am Mount Shasta wählten die Pflanztrupps 2024 und 2025 gezielt Sorten der Ponderosa-Kiefer und Jeffrey-Kiefer, die für wärmere und trockenere Standorte geeignet sind. Diese Sortenauswahl ist Teil eines Ansatzes namens proaktiver Klimaanpassung, bei dem Baumarten nicht für das Klima von heute, sondern für das Klima in 50 bis 80 Jahren gepflanzt werden. Ob dieser Ansatz trägt, wird der Forest Service durch Langzeitmonitoring an Standorten wie dem Mount Shasta systematisch auswerten.

Quellen (8)

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