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Wirtschaft
Lufthansa schließt CityLine wegen Kerosin und Streik

Lufthansa schließt CityLine wegen Kerosin und Streik

Lufthansa hat seine Regionaltochter CityLine mit sofortiger Wirkung eingestellt: 27 Flugzeuge am Boden, rund 1.300 Beschäftigte freigestellt. Als Hauptursache nennt der Konzern die durch den Irankrieg verdoppelten Kerosinpreise. Die Streikwelle der vergangenen Woche hat den Zeitpunkt erzwungen.

17. April 2026, 6:31 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Lufthansa hat seiner Regionaltochter CityLine gestern den Betrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. 27 Canadair-Regionaljets bleiben ab sofort am Boden, rund 1.300 Beschäftigte wurden freigestellt. Zwei Ursachen treffen hier zusammen: Die Kerosinkosten haben sich durch den Irankrieg mehr als verdoppelt und die wochenlangen Streiks machen das ohnehin verlustbringende Unternehmen endgültig nicht mehr tragfähig. Es ist das erste Mal, dass eine europäische Linienfluggesellschaft den Betrieb als direkte Folge der Hormuzblockade einstellt.

Geplant auf 2027, jetzt sofort

CityLine war Lufthansas Regionalbrand für Zubringerflüge innerhalb Europas. Die 27 Canadair-Jets verbanden Städte abseits der großen Hubs mit Frankfurt und München. Intern war CityLine bereits als Auslaufmodell eingeplant: Lufthansa wollte das Unternehmen bis 2027 schrittweise schließen und durch Lufthansa City Airlines ersetzen, eine neu aufgebaute Regionalmarke mit moderneren Maschinen. Finanzvorstand Till Streichert erklärte, die "aktuelle Krise" zwinge den Konzern, diese Maßnahme jetzt früher umzusetzen.

Die Krise hat zwei Dimensionen. Kerosin, das wichtigste Kostenelement der Luftfahrt, ist seit Beginn des Irankriegs und der Hormuzblockade auf mehr als das Doppelte gestiegen. CityLine mit seinen älteren Canadair-Modellen verbraucht je Sitzkilometer mehr Treibstoff als modernere Langstreckenflugzeuge. Das macht jeden Flug teurer, gerade auf kurzen Strecken, wo die Auslastung strukturell schwächer ist und die Treibstoffkosten einen überproportionalen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. Hinzu kommen die Streikmaßnahmen: Seit dem 13. April legt entweder die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, die Kabinengewerkschaft UFO oder beide gleichzeitig die Arbeit nieder. Am Donnerstag legten Piloten und Kabinenbesatzungen zum ersten Mal in der Geschichte des Konzerns gemeinsam die Arbeit nieder.

Gewerkschaften: Offener Krieg und Schlichtungsangebot

Die Reaktionen der Gewerkschaften fallen unterschiedlich aus. UFO-Tarifexperte Harry Jäger bezeichnete die Schließung als "offenen Krieg gegen die eigenen Leute". Die Flugbegleitergewerkschaft hatte im Tarifstreit einen verbindlichen Sozialtarifplan für die rund 800 CityLine-Kabinenbeschäftigten gefordert und genau das als Begründung für ihre Streikmaßnahmen angeführt. Die sofortige Schließung ohne abgeschlossenen Sozialplan ist für UFO ein Vertrauensbruch, keine Folgekonsequenz.

Die Vereinigung Cockpit hat einen anderen Weg gewählt: Sie schlug ein förmliches Schlichtungsverfahren vor. Lufthansa hat darauf bislang nicht reagiert. Der Vorschlag der Pilotengewerkschaft signalisiert, dass sie einen geregelten Ausweg sucht, ohne die Streikmaßnahmen sofort einzustellen. Für heute, Freitag den 17. April, haben beide Gewerkschaften weitere Streikmaßnahmen angekündigt.

Die Lufthansa-Aktie verlor am Donnerstag 2,88 Prozent. Der Markt bewertet die CityLine-Schließung nicht als Katastrophe, sondern als überfälligen Schnitt. Analysten hatten CityLine seit Längerem als verlustbringendes Segment identifiziert, das den Konzern strukturell belastete. Lufthansa ist nicht allein: KLM Royal Dutch Airlines strich am Donnerstag 160 Flüge und nannte steigende Kerosinpreise als Hauptursache. Die Hormuzblockade trifft den gesamten europäischen Kurzstreckenmarkt.

Was die Hormuzblockade für die Luftfahrt bedeutet

Die Schließung von CityLine macht greifbar, was die Hormuzblockade in der Praxis bedeutet. Kerosin in Nordwesteuropa kostete zwischenzeitlich 239 Dollar pro Barrel, dreimal so viel wie vor dem Irankrieg. Für Fluggesellschaften ohne eigene langfristige Absicherungsgeschäfte ist das existenzgefährdend, besonders auf Kurzstrecken, wo der Treibstoffanteil besonders hoch ist.

CityLine hatte eine strukturelle Schwäche, die den Kostendruck noch verstärkte: Als Zubringerairline für den Konzern hatte sie keine eigenständige Preismacht gegenüber Passagieren. Wer Tickets über den Hub Frankfurt bucht, bucht Lufthansa, nicht CityLine. Die Submarke konnte keine eigenen Zuschläge durchsetzen. Kostensteigerungen wurden vollständig absorbiert statt weitergegeben. Dass die Schließung ausgerechnet in eine aktive Streikwoche fiel, verschärft das politische Signal: UFO und Vereinigung Cockpit sehen sich in einer Situation, in der Arbeitgeber Forderungen nicht nur abweist, sondern den Betrieb schließt.

Sozialplan und offene Tarifgespräche

Für die rund 1.300 betroffenen Beschäftigten, davon etwa 500 Piloten und 800 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, stehen als nächstes Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan an. Lufthansa hat diese Gespräche angekündigt, ohne einen Zeitplan zu nennen. Genau dieser verbindliche Sozialtarifplan war das zentrale UFO-Ziel in den Tarifverhandlungen. Er liegt weiterhin nicht vor.

Die Vereinigung Cockpit wartet auf eine Antwort von Lufthansa auf den Schlichtungsvorschlag. Solange keine kommt, laufen die angekündigten Streikmaßnahmen weiter. Für Reisende auf betroffenen CityLine-Strecken gilt: Umbuchungen auf den nächsten verfügbaren Flug oder vollständige Ticketerstattung sind gesetzlich garantiert. Schadensersatzansprüche bestehen nicht, weil Streiks als außergewöhnliche Umstände im Sinne der EU-Fluggastrechteverordnung gelten.

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