Malariaimpfstoff rettet jedes achte Kind
Nach mehr als drei Jahrzehnten Entwicklungszeit hat die Welt einen Malariaschutz, der funktioniert. Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte am 8. Mai 2026 eine vierjährige Feldstudie aus Ghana, Kenia und Malawi: Der Impfstoff RTS,S rettete jedes achte Kind, das sonst an Malaria gestorben wäre. Schwere Malariaerkrankungen sanken um 58 Prozent, Malaria-Krankenhausaufenthalte um 36 Prozent und die Gesamtkindersterblichkeit um 17 Prozent. Was jahrzehntelang nur in Laborstudien klappte, hält jetzt auch im Feldtest stand, mit regulärem Gesundheitspersonal, normalen Lieferketten und keinen Sonderbedingungen.
Dreißig Jahre für einen Impfstoff gegen den ältesten Killer
Malaria ist keine neue Krankheit und kein übersehenes Problem. Forscher haben seit den 1980er Jahren an Impfstoffen gearbeitet und die Liste der Fehlschläge ist lang. Der Plasmodium-Parasit verändert seine Oberfläche schnell genug, um dem Immunsystem zu entkommen. Die Entwicklung von RTS,S begann bei SmithKline Beecham, dem heutigen GlaxoSmithKline, 1987 und zog sich durch fünf klinische Phasen über vier Jahrzehnte.

2021 empfahl die WHO RTS,S erstmals für den breiten Einsatz in Hochübertragungsgebieten. Damals beruhte die Empfehlung auf klinischen Daten. Die jetzt im Fachjournal Lancet Global Health publizierten Ergebnisse zeigen das reale Bild aus vier Jahren Routinebetrieb in staatlichen Impfprogrammen. 2024 starben weltweit 438.000 Kinder an Malaria, fast alle in Subsahara-Afrika. Kein anderes Land verliert so viele Kinder unter fünf Jahren an eine einzelne Krankheit.
Was die Studie misst und warum die Zahlen zählen
Die Studie umfasste vier Jahre Daten aus staatlichen Impfprogrammen in Ghana, Kenia und Malawi, wo RTS,S seit 2019 im Pilotbetrieb eingesetzt wird. Das Ergebnis überrascht: In klinischen Studien hatte RTS,S 30 Prozent aller Malariafälle verhindert. Im Feldtest wurde dieselbe Rate erreicht. Das klingt niedrig im Vergleich zu Masernimpfstoffen mit über 95 Prozent Schutzwirkung. Aber 30 Prozent von 438.000 Kindertoten bedeuten rechnerisch über 130.000 vermeidbare Tode pro Jahr, wenn alle anspruchsberechtigten Kinder geimpft würden.
Das Impfschema umfasst vier Dosen, beginnend ab dem fünften Lebensmonat. RTS,S ist kein Allheilmittel, aber der erste wirksame Impfschutz, der nicht von Mückennetzen oder Medikamentenverfügbarkeit abhängt. Der zweite zugelassene Impfstoff, R21 der University of Oxford, zeigte in Studien sogar eine höhere Schutzrate und ist seit 2023 in sieben Ländern im Einsatz.

Im Vergleich: Was andere Impfkampagnen in Afrika zeigten
Der wirkungsvollste Vergleich stammt aus dem afrikanischen Meningitisgürtel. Als 2010 der MenAfriVac-Impfstoff eingeführt wurde, den WHO und PATH gemeinsam entwickelt hatten, trafen die Teams auf ähnliche Bedingungen: ländliche Infrastruktur, unterfinanzierte Gesundheitssysteme, politische Widerstände. Bis 2015 waren über 235 Millionen Menschen im Gürtel von Senegal bis Äthiopien geimpft worden. Ausbrüche epidemischer Meningitis A, die vorher in aktiven Jahren bis zu 250.000 Fälle pro Saison erreichten, verschwanden in den geimpften Regionen nahezu vollständig.
Ein zweiter Maßstab: Der Polioimpfstoff hat seit 1988 die weltweiten Fallzahlen von über 350.000 auf unter 100 reduziert. Beide Fälle zeigen, dass Impfstoffe Infektionskrankheiten auch in Regionen mit eingeschränkter Gesundheitsinfrastruktur dauerhaft zurückdrängen können, wenn sie günstig, wirksam und langfristig verfügbar sind. Die globale Impfstoffinitiative Gavi finanziert RTS,S für die ärmsten Länder zu subventionierten Preisen.
Bis 2035: Bis zu 500.000 Kinder weniger
Die WHO schätzt, dass ein vollständiger Rollout des Malariaimpfstoffs in allen Hochrisikogebieten Subsahara-Afrikas bis 2035 bis zu 500.000 Kinderleben retten könnte. Derzeit bieten 24 bis 25 Länder RTS,S oder R21 in nationalen Impfprogrammen an, mit dem Ziel von 10 Millionen geimpften Kindern jährlich. Die größte verbleibende Hürde ist die Logistik: kühlpflichtige Impfstoffe zu ländlichen Gesundheitsstationen zu bringen, die oft weder Strom noch verlässliche Straßenverbindungen haben.
Gavi und die Bill and Melinda Gates Foundation haben sich verpflichtet, die Beschaffungskosten für die ärmsten Länder zu übernehmen. Bei Impfquoten über 80 Prozent entstehen auch Herdenimmunität-Effekte, die ungeimpfte Kinder mitschützen. Das Ziel einer Halbierung der Malaria-Kindersterblichkeit bis 2030 war vor fünf Jahren noch utopisch. Es ist es vielleicht immer noch. Aber 2026 ist es weniger weit weg als 2020.
Kommentare