Malariaimpfstoff verhindert jeden achten Todesfall
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Malariaimpfstoff verhindert jeden achten Todesfall

In Ghana, Kenia und Malawi verhinderte der erste WHO-empfohlene Malariaimpfstoff RTS,S über vier Jahre jeden achten Todesfall bei geimpfbaren Kindern. Die Gesamtkindersterblichkeit sank um 13 Prozent. Mit der Ausweitung auf mehr als 20 afrikanische Länder könnten bis zu 80.000 Kinderleben pro Jahr gerettet werden.

30. Mai 2026, 9:11 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Vier Jahre nach dem Start des ersten großangelegten Malariaimpfprogramms weltweit liegt die Bilanz vor: In Ghana, Kenia und Malawi verhinderte der erste WHO-empfohlene Malariaimpfstoff RTS,S jeden achten Todesfall bei Kindern im geimpfbaren Alter. Die Gesamtkindersterblichkeit dieser Gruppe sank um 13 Prozent. Eine im Fachblatt The Lancet veröffentlichte Auswertung belegt damit erstmals, dass Malariaimpfung unter realen Alltagsbedingungen in Afrika schützt, nicht nur unter Studienbedingungen.

438.000 Kinder sterben jährlich an Malaria in Afrika

Malaria tötet. Laut WHO starben 2024 etwa 438.000 Kinder unter fünf Jahren in Afrika südlich der Sahara an der Krankheit, die von Anophelesmücken übertragen wird. Weltweit zählt die WHO mehr als 600.000 Malariatote pro Jahr, darunter überwiegend Kleinkinder. Malaria gehört damit zu den größten Einzelursachen für Kindersterblichkeit weltweit.

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Den ersten Malariaimpfstoff entwickelten GlaxoSmithKline und die PATH Malaria Vaccine Initiative über mehr als dreißig Jahre, mitfinanziert durch die Gates-Stiftung. 2021 empfahl die WHO den Impfstoff RTS,S zur breiten Anwendung in Afrika. Dem voraus ging das Malaria Vaccine Implementation Programme (MVIP), das 2019 in Ghana, Kenia und Malawi startete. Bis 2023 wurden mehr als eine Million Kinder geimpft. Das Besondere an dieser Phase: Es war kein Laborumfeld. Das Programm testete unter den realen Bedingungen lokaler Gesundheitssysteme mit begrenzten Ressourcen und wechselnden Impfquoten.

13 Prozent weniger Todesfälle trotz unvollständiger Impfabdeckung

Die Lancetauswertung analysiert Daten von 2019 bis 2023. Das Kernresultat: In Regionen mit RTS,S-Programm sank die Gesamtmortalität bei impfberechtigten Kindern um 13 Prozent. Einer von acht Todesfällen wurde verhindert. Schwere Malariaerkrankungen gingen um 22 Prozent zurück.

Besonders bemerkenswert: Diese Ergebnisse wurden trotz unvollständiger Impfquoten erreicht. Laut WHO erhielten 71 Prozent der Kinder alle drei Grunddosen. Die vierte Boosterdosis bekamen weniger als die Hälfte der Kinder. Dennoch zeigte sich ein deutlicher Schutzeffekt. Dr. Kate O'Brien, Direktorin für Immunisierung bei der WHO, nannte das Ergebnis ein historisches Ergebnis: Es belege, dass der Impfstoff auch unter Realbedingungen wirke.

Forscherinnen und Forscher der London School of Hygiene and Tropical Medicine betonten, das Ergebnis übertreffe die Erwartungen aus früheren randomisierten Studien. Als mögliche Erklärung gilt Herdenimmunität: Wenn ein erheblicher Teil der Kinder geimpft ist, sinkt die Malariaübertragung in der Gemeinschaft insgesamt, auch bei ungeimpften Kindern.

Was frühere Impfstofferfolge zeigten

Der Erfolg von RTS,S reiht sich in eine Geschichte transformativer Impfstofferfolge ein. 1988 registrierte die WHO weltweit noch rund 350.000 Polioerkrankungen pro Jahr. 2024 galten nur noch Pakistan und Afghanistan als endemische Länder. Die nahezu vollständige Ausrottung der Kinderlähmung ist das Resultat konsequenter Impfkampagnen über Jahrzehnte in Regionen mit teils schwacher Gesundheitsinfrastruktur.

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Bei Hepatitis B zeigt sich ein ähnliches Muster. Die WHO gibt die Schutzwirkung des Impfstoffs mit 95 Prozent an. Taiwan führte 1984 als erstes Land weltweit eine universelle Säuglingsimpfung gegen Hepatitis B ein. Innerhalb von zehn Jahren sank die Infektionsrate durch Hepatitis B bei Kindern von 9,8 Prozent auf unter 1 Prozent. Leberkrebs durch chronische Hepatitis B ist in Taiwan heute eine weitgehend vermeidbare Krankheit.

Diese Beispiele belegen: Selbst bei Krankheiten, die in tropischen Regionen als unvermeidlich gelten, kann systematische Impfung transformative Wirkung entfalten. Malaria gilt dabei als schwieriger zu bekämpfen als Viren, weil der Plasmodiumparasit mehrere Entwicklungsstufen durchläuft. Der Lancetbefund zeigt, dass dieser Komplexität mit einem Impfstoff zu begegnen ist.

Von drei Pilotländern auf den Kontinent

Die WHO begann nach Abschluss der MVIP-Bewertung 2021 mit der Empfehlung einer breiten Implementierung in ganz Afrika. Seit 2023 läuft eine von GAVI, dem Weltimpfstoffbündnis, mitfinanzierte Ausweitung auf mehr als zwanzig afrikanische Länder. Parallel steht ein zweiter Impfstoff bereit: R21/Matrix-M, entwickelt von der Universität Oxford und dem Serum Institute of India, wurde 2023 von der WHO empfohlen und hat einen einfacheren Kühlbedarf.

Die WHO schätzt, dass ein flächendeckender Einsatz beider Impfstoffe 40.000 bis 80.000 Kinderleben pro Jahr retten könnte. Drei praktische Herausforderungen bleiben: ausreichende Impfstoffmengen zu beschaffen, funktionierende Kühlketten in ländlichen Gebieten sicherzustellen und die Einhaltung des Impfschemas mit vier Dosen zu verbessern. Gerade die Boosterdosis ist eine organisatorische Hürde, die viele Gesundheitssysteme noch nicht zuverlässig meistern.

Der Lancetbefund gibt dabei Anlass zur Zuversicht: Selbst bei unvollständiger Abdeckung wirkt der Impfstoff messbar. Das bedeutet, dass Gesundheitssysteme, die noch nicht perfekt funktionieren, bereits heute von RTS,S profitieren können.

Quellen (10)

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