Von 121 auf 355: Nepal verdreifacht seine Tiger
Nepal hat in zwölf Jahren seine Bengal-Tigerpopulation von 121 auf 355 Tiere verdreifacht und ist das einzige der 13 TX2-Länder, das seinen Bestand mehr als verdreifachte. Das Bemerkenswerteste daran: Obwohl heute dreimal mehr Tiger in Nepals Nationalparks leben als 2010, sank die Zahl tödlicher Konflikte zwischen Mensch und Tier zuletzt deutlich. Im Dezember 2025 startete die fünfte nationale Tigerzählung mit mehr als 1.100 Kamerafallen. Am 29. Juli 2026, dem Internationalen Tigertag, sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden.
Das TX2-Versprechen von 2010
Beim ersten globalen Tigergipfel in St. Petersburg verpflichteten sich Nepal und zwölf weitere Tigerstaaten im November 2010, ihre Populationen bis 2022 zu verdoppeln. Das sogenannte TX2-Ziel steht für "Tigers Times Two" und war die Reaktion auf eine dramatische Entwicklung: Der weltweite Tigerbestand war von schätzungsweise 100.000 Tieren zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf rund 3.200 gesunken. Wilderei und Lebensraumverlust hatten die Art an den Rand des Aussterbens gebracht.

Nepals Ausgangslage war schwierig. Das Land ist klein, dicht besiedelt und arm. Die Pufferzonen der fünf Nationalparks grenzten direkt an Felder und Dörfer. Im Jahr 2010 lebten nach WWF-Angaben 121 Bengal-Tiger frei in Chitwan, Bardia, Parsa, Shuklaphanta und Banke. Auf diesen Bestand bezog sich das TX2-Versprechen: bis 2022 auf mindestens 250 Tiere zu kommen.
Die Methoden hinter dem Erfolg
Der Aufschwung beruht auf einem Ansatz, der Strafverfolgung und Gemeinschaftseinbindung miteinander verknüpft. Nepals Armee und Rangerteams führen gemeinsam mit sogenannten Community Based Anti-Poaching Units (CBAPUs) Patrouillen durch. Die CBAPUs wurden 2009 in Bardia eingeführt: Lokale Jugendliche aus den Dörfern am Rand der Schutzgebiete werden ausgebildet und besoldet, um gemeinsam mit Armeeangehörigen und Parkpersonal Wilderei zu verhindern. Nach Behördenangaben wurde in den zehn Jahren nach Programmstart kein einziger Tiger gewildert.
Wirtschaftliche Anreize flankierten die Schutzmaßnahmen. Bauern, die durch Tiger Ernte oder Vieh verloren, erhielten staatliche Entschädigungen. Biogasanlagen und alternative Einkommensquellen sollten die Abhängigkeit der Dorfbevölkerung vom Holzeinschlag innerhalb der Nationalparks verringern. Tigertourismus, der Devisen in die Region bringt, beteiligt die anliegenden Gemeinden direkt an den Einnahmen. Wildtierkorridore zwischen Nepals Nationalparks und der benachbarten Region Bihar in Indien erweiterten zudem den verfügbaren Lebensraum.
Die Zählungen bestätigten den Kurs schrittweise: 198 Tiger im Jahr 2013, 235 im Jahr 2018 und schließlich 355 im Jahr 2022. Nach Angaben des Kathmandu Post verteilten sich die Tiger auf alle fünf Schutzgebiete: Chitwan führt mit 128 Tieren, gefolgt von Bardia mit 125, Parsa mit 41, Shuklaphanta mit 36 und Banke mit 25. Nepal war das einzige der 13 TX2-Länder, das seinen Bestand gleich verdreifachte statt ihn nur zu verdoppeln.

Mehr Tiger, weniger Konflikte
Dass mehr Tiger nicht automatisch mehr Opfer bedeuten, zeigen aktuelle Daten aus Chitwan. In der Pufferzone Kumroj, einem besonders dicht besiedelten Grenzbereich zwischen Nationalpark und Dörfern, sank die Zahl tödlicher Angriffe von 14 Todesfällen im Fiskaljahr 2021/22 auf einen einzigen im Fiskaljahr 2024/25, berichtete der Kathmandu Post im Juli 2025. Verhaltenstraining für die Bevölkerung, dichtere Zäune entlang der Parkgrenzen und bessere Frühwarnsysteme haben dazu beigetragen. Naturschutzbehörden und Forscher schätzen, dass Nepals Schutzgebiete und Wildtierkorridore bis zu 500 Tiger nachhaltig tragen könnten.
Artenschutz mit Vorbildcharakter
Nepal steht nicht allein. Indien, das rund 75 Prozent aller wildlebenden Tiger beherbergt, steigerte seine Tigerpopulation von etwa 1.706 Tieren im Jahr 2010 auf 3.682 im Jahr 2022, wie das National Tiger Conservation Authority nach der fünften nationalen Tigerzählung mitteilte. Weltweit zählte das Global Tiger Forum 2023 insgesamt 5.574 wildlebende Tiger, fast doppelt so viele wie der historische Tiefstand von rund 3.200 um das Jahr 2010.
Das Muster ähnelt anderen Großkatzen-Comebacks. Der Iberische Luchs galt 2002 mit nur 94 Individuen in zwei Restpopulationen in Andalusien als am stärksten bedrohte Katze Europas. Spanische und portugiesische Schutzprogramme haben seinen Bestand bis 2024 auf 2.401 Tiere angehoben. Die IUCN stufte die Art im Juni 2024 von "gefährdet" auf "verletzlich" hoch, was im Naturschutz einem Meilenstein entspricht: Die Rote Liste kennt kaum Fälle, in denen eine Katzenart tatsächlich zurückgestuft wird.
Am 29. Juli: Neue Zahlen zum Internationalen Tigertag
Die fünfte nationale Tigerzählung startete im Dezember 2025. Mehr als 1.100 Kamerafallen auf rund 8.400 Quadratkilometer Schutzgebiet sollen die aktuelle Population dokumentieren. Die Erhebung lief bis Mitte März 2026. Naturschutzorganisationen und Regierung rechnen damit, dass die Zahlen erneut gestiegen sind: Bisher war jede Erhebung ein Rekord. Sollte sich die Wachstumsrate der letzten Jahre fortgesetzt haben, könnten erstmals mehr als 400 Tiger in Nepal leben. Wissen werden es alle am 29. Juli 2026, dem Internationalen Tigertag.
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