Von null auf 380: Die Rückkehr der Takhi
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Von null auf 380: Die Rückkehr der Takhi

1969 wurde der letzte wilde Takhi in der Mongolei gesichtet. Heute leben 380 dieser Pferde allein im Hustai-Nationalpark. Ihr Comeback zeigt, was Artenschutzprogramme leisten können, wenn sie Jahrzehnte durchhalten.

6. Juni 2026, 9:08 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Als im Juni 1992 sechzehn Przewalski-Pferde aus niederländischer Zucht auf dem Flughafen Ulaanbaatar landeten, stand der wichtigste Beschluss bereits fest: kein Staatsgeld, keine Förderanträge. Der Hustai-Nationalpark sollte sich durch Ökotourismus selbst finanzieren oder nicht existieren. Drei Jahrzehnte und 34 Auswilderungsjahre später hat dieser Entschluss 380 lebende Takhi hervorgebracht. Die einzige echte Wildpferdeart der Welt lebt wieder in ihrem historischen Verbreitungsgebiet.

1969: Das Ende in der mongolischen Steppe

Die Takhi, wissenschaftlich als Przewalski-Pferde bekannt, verschwanden nicht plötzlich aus der Steppe. Es war ein schleichender Prozess über Generationen: Überjagung, Konkurrenz mit Nutztieren um Weidegründe und harte mongolische Winter hatten die Population seit dem 19. Jahrhundert immer weiter dezimiert. Als 1969 der letzte wilde Hengst gesichtet wurde, lebten weltweit noch etwa 200 Tiere, verstreut auf Zoos und private Reservate in Europa und Nordamerika. Ohne ein koordiniertes Zuchtprogramm, das in diesen Einrichtungen bereits lief, wäre die Art vollständig verschwunden. Mongolei selbst hatte kein einziges freilebendiges Tier mehr.

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Juni 1992: Sechzehn Pferde kehren heim

Am 5. Juni 1992 landeten 16 Przewalski-Pferde aus einem niederländischen Zuchtprogramm in der Mongolei und wurden im Gebiet Hustai Nuruu freigelassen. Es war der erste Schritt einer Wiederansiedlung, die bis heute anhält. 1993 erklärte das mongolische Parlament das Gebiet zur Naturreserve. 1998 folgte die Erhebung zum Nationalpark. Die Verwaltung übernahm von Beginn an eine unabhängige mongolische NGO, die sich ausschließlich durch Ökotourismus-Einnahmen finanziert, ohne Staatszuschüsse.

Die Entscheidung, kein staatlich geführtes Schutzgebiet zu schaffen, war bewusst. Die Gründer wollten beweisen, dass Artenschutz sich selbst tragen kann. Der Hustai-Nationalpark ist heute das Ergebnis dieses Experiments: selbstfinanziert, selbstverwaltet und mit der weltweit größten freilebenden Takhi-Population an einem einzigen Ort.

Von 16 auf 380: Drei Jahrzehnte Aufbauarbeit

Bis 2002 war die Hustai-Population auf 150 Tiere gewachsen, von ursprünglich 84 freigelassenen Pferden. Heute zählt der Park 380 freilebende Takhi in 34 Zuchtharems plus über 80 Junghengste. In der gesamten Mongolei verteilen sich insgesamt etwa 387 Takhi auf drei Wiederansiedlungsgebiete: Hustai, Takhin Tal und Khomiin Tal. Die genetische Vielfalt, die nach dem Engpass in der Zoogefangenschaft kritisch niedrig war, wird durch internationalen Austausch erhalten: Genetisch weit entfernte Hengste werden zwischen Zuchtprogrammen in China und der Mongolei getauscht, DNA-Profile von mehr als hundert Tieren dokumentieren die Verwandtschaftsverhältnisse.

Global leben derzeit rund 2.000 Przewalski-Pferde, wild und in Gefangenschaft zusammengerechnet. Die Mongolei bleibt das einzige Land der Welt, in dem die Art innerhalb ihres historischen Verbreitungsgebiets lebt.

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Im Vergleich: Zwei weitere Arten die zurückgekehrt sind

Der Europäische Wisent stand vor einem ähnlichen Schicksal. Als 1927 der letzte Wisent im Kaukasus geschossen wurde, lebten weltweit weniger als 60 Tiere in Zoohaltung. Ein koordiniertes europäisches Zuchtprogramm baute die Population über Jahrzehnte auf. Heute leben laut Rewilding Europe rund 7.000 Wisent frei in europäischen Wäldern. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die freilebende Population von etwa 2.500 auf rund 7.000 fast verdreifacht.

Der Iberische Luchs war 2002 mit weniger als 100 freilebenden Tieren auf der Iberischen Halbinsel vom Aussterben bedroht. Ein LIFE-gefördertes Wiederansiedlungsprogramm der EU brachte ihn zurück. 2024 zählte die IUCN 2.401 Luchse in Spanien und Portugal, ein Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Iberische Luchs ist damit die einzige Katzenart weltweit, die von der IUCN-Kategorie "Gefährdet" auf "Anfällig" hochgestuft wurde.

Kasachstan ist das nächste Kapitel

Im Juni 2024 kamen sieben Przewalski-Pferde aus europäischen Zoos in Kasachstan an. Im Juni 2025 folgte eine zweite Gruppe. Kasachstan liegt außerhalb der bisherigen mongolischen Wiederansiedlungsgebiete und bietet unberührte Steppenflächen, die für den Aufbau einer zweiten, genetisch ergänzenden Wildpopulation geeignet sind. Das Iberische-Luchs-Programm zeigte, wie wertvoll eine zweite Wildpopulation außerhalb des ursprünglichen Rückzugsgebiets ist: Portugal entwickelte sich von einem Puffer zu einem eigenständigen Zentrum der Art.

Die Entwicklung der letzten 34 Jahre zeigt, was die Rückkehr der Takhi von anderen Artenschutzerfolgen unterscheidet: Sie beruhte nicht auf einem einmaligen Förderungszyklus, sondern auf einer NGO-Struktur, die über Regierungswechsel und internationale Krisen hinaus stabil geblieben ist. Genau das ist die schwer kopierbare Bedingung für alle weiteren Programme.

Quellen (9)

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