SpaceX-Börsengang vollzogen: Aktie plus 19 Prozent
Wirtschaft

SpaceX-Börsengang vollzogen: Aktie plus 19 Prozent

Am Freitag, 12. Juni 2026, vollzog SpaceX den größten Börsengang der Geschichte und sammelte 75 Milliarden Dollar ein. Die Aktie eröffnete bei 150 Dollar und schloss bei rund 161 Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie Saudi Aramcos bisheriger IPO-Rekord.

12. Juni 2026, 20:45 Uhr 835 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Elon Musk ist seit Freitagabend Mehrheitseigentümer des wertvollsten Börsenneuzugangs der Geschichte. SpaceX schloss seinen ersten Handelstag an der Nasdaq mit einem Kurs von rund 161 Dollar und damit rund 19 Prozent über dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Das Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar übertrifft den bisherigen Rekord von Saudi Aramcos IPO aus dem Jahr 2019 um mehr als das Doppelte. Die Frage, die Analysten nun stellen: Rechtfertigt ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 15 Milliarden Dollar eine Bewertung von 2,1 Billionen Dollar?

Was am Freitag an der Nasdaq geschah

SpaceX eröffnete unter dem Ticker SPCX am Freitagmorgen zum Kurs von 150 Dollar, elf Prozent über dem Ausgabepreis. Die Aktie kletterte auf ein Tageshoch von rund 176 Dollar, bevor sie bei rund 161 Dollar schloss. Das Emissionsvolumen beläuft sich auf exakt 75 Milliarden Dollar: 555,6 Millionen Aktien der Klasse A zu je 135 Dollar. Der Handel war außergewöhnlich massiv: Bis zum frühen Nachmittag Ortszeit wurden mehr als 360 Millionen Aktien umgesetzt. Apple handelt an einem normalen Handelstag rund 80 bis 100 Millionen Aktien.

Musk hält nach Angaben aus dem Börsenprospekt rund 42 Prozent des Kapitals, kontrolliert aber über Klasse-B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht rund 82 Prozent der Stimmrechte. Er ist damit unangreifbarer Mehrheitsinhaber, auch wenn SpaceX nun offiziell ein börsennotiertes Unternehmen mit Berichtspflichten gegenüber der Wertpapieraufsicht SEC ist.

Größter Börsengang der Geschichte

Saudi Aramcos IPO von 2019 war bisher der weltgrößte. SpaceX übertrifft diesen Wert um mehr als das Doppelte. Zum Vergleich: Alibabas Börsengang 2014 brachte 21,8 Milliarden Dollar, Facebook 2012 rund 16 Milliarden Dollar. Selbst Anthropic, das die SEC-Unterlagen für seinen Börsengang in der vergangenen Woche eingereicht hat, zielt auf eine Bewertung von rund 965 Milliarden Dollar, also weniger als die Hälfte des SpaceX-Wertes.

Die Marktkapitalisierung von 2,1 Billionen Dollar entspricht dem rund 140-fachen des Jahresumsatzes 2025. Apple wird derzeit mit dem rund sieben- bis achtfachen Jahresumsatz bewertet, Tesla mit dem acht- bis neunfachen. SpaceX handelt damit wie ein Unternehmen, dem der Markt mehrere parallel laufende Exponentialwachstumskurven zutraut.

Drei Geschäftsfelder in einem Konzern

Was der Markt einpreist, ist eine Kombination aus drei Geschäften. Starlink, das Satelliteninternetsystem mit neun bis zehn Millionen Abonnenten in 150 Ländern, ist das profitabelste Segment. Die Raketenstarts via Falcon 9 und Starship treiben die Vertragsbeziehungen zur NASA und zum US-Verteidigungsministerium. xAI, das KI-Unternehmen, das Musk im Februar 2026 für rund 250 Milliarden Dollar in SpaceX integriert hat, ist das riskanteste Feld: Nach TechCrunch-Berichten haben seit der Fusion neun von elf xAI-Gründern und mehr als 50 Forscher das Unternehmen verlassen. Die Integration belastete das SpaceX-Ergebnis 2025 nach CoinDesk-Angaben mit rund 5 Milliarden Dollar.

Die politische Spannung einer Börsennotierung

SpaceX ist nun ein öffentliches Unternehmen, dessen Mehrheitseigentümer gleichzeitig das Department of Government Efficiency (DOGE) leitet und damit die Vergabe von Bundesaufträgen beeinflusst. SpaceX hält Milliardenverträge mit der NASA und dem Pentagon. Als private Gesellschaft musste SpaceX keine Interessenkonflikte offenlegen. Als börsennotiertes Unternehmen unterliegt es der Berichtspflicht gegenüber der SEC. Wie SpaceX diesen Widerspruch zwischen staatlichen Aufträgen, Musks politischer Rolle und Aktionärsinteressen handhabt, hat das Unternehmen im Prospekt nicht explizit dargelegt.

Starlink trägt ein strategisches Risiko eigener Art: Das Satellitennetz ist in die Militärkommunikation der Ukraine und mehrerer NATO-Staaten integriert. Regulatorische Eingriffe oder politische Einflussnahme könnten das profitabelste Segment unmittelbar treffen, während Aktionäre darüber erst über Quartalsberichte informiert werden.

Erster Earnings-Call als erster Test

Das erste Quartal, das SpaceX vollständig als öffentliches Unternehmen abdeckt, endet am 30. September. Der erste reguläre Earnings-Call ist für November 2026 zu erwarten. Er wird zeigen, ob die Wachstumserwartungen des ersten Handelstags mit den tatsächlichen Kurven bei Starlink-Abonnenten und Raketenstarts übereinstimmen.

Für eine Bewertung von 2,1 Billionen Dollar müsste SpaceX seinen Jahresumsatz in den nächsten Jahren auf rund 50 Milliarden Dollar steigern, was einer Verdreifachung in weniger als fünf Jahren entspräche. Selbst Amazon und Apple haben derartige Wachstumssprünge jeweils über längere Zeiträume vollzogen. Die Lock-up-Frist für bestehende Aktionäre endet nach 180 Tagen. Ab dann können Insider verkaufen. Falls Musk oder andere frühe Investoren zu diesem Zeitpunkt Anteile veräußern, dürfte das den Kurs unter Druck setzen. Der 12. Juni 2026 ist ein historischer Tag für die Kapitalmärkte, aber auch der Beginn einer Bewertungsgeschichte, die erst in zwölf bis achtzehn Monaten bewertet werden kann.

Quellen (9)

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