Spanien ist Weltmeister: Torres trifft in der Verlängerung
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Spanien ist Weltmeister: Torres trifft in der Verlängerung

Spanien krönt sich beim WM-Finale in New Jersey mit 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien zum Weltmeister 2026. Ferran Torres trifft in der 106. Minute und besiegelt ein Turnier, in dem Spanien in acht Spielen nur ein einziges Gegentor kassierte.

20. Juli 2026, 4:37 Uhr 830 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Ferran Torres war der Unwahrscheinlichste unter den möglichen Helden: nicht Lamine Yamal, nicht Álvaro Morata, sondern ein Stürmer der zweiten Reihe, der in der 106. Spielminute den Ball unter die Latte wuchtete und Spanien den zweiten Weltmeistertitel seiner Geschichte bescherte. 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien im MetLife Stadium von East Rutherford, New Jersey. Das Finale wiederholte in nahezu gespenstischer Weise das WM-Endspiel von 2010: auch damals 1:0 nach Verlängerung, auch damals ein Tor, das niemand erwartet hatte, auch damals ein Stürmer aus der zweiten Reihe als Torschütze des Entscheidungstreffens.

Acht Spiele, ein Gegentor

Die WM 2026 war von Beginn an ein Turnier der Überraschungen. Das neue 48-Teams-Format mit einer zusätzlichen Sechzehntelfinale-Runde schickte traditionelle Favoriten früh nach Hause. Alle drei Gastgebernationen, USA, Kanada und Mexiko, schieden vor dem Viertelfinale aus. Deutschland, das mit breiter Unterstützung angereist war, erlebte den nächsten WM-Schock: Im Sechzehntelfinale in Foxborough verlor das DFB-Team nach 1:1 nach Verlängerung im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah trafen nicht, Paraguays Torwart Orlando Gill hielt zweimal. 4:5 nach Elfmeterschießen, das dritte WM-Debakel in Folge für das DFB-Team nach dem Gruppenausscheiden 2018 und dem Aus in der Gruppenphase 2022.

Spanien unterlief keines dieser Dramen. Luis de la Fuentas Mannschaft spielte sich durch die K.-o.-Runden ohne erkennbare Schwächephase. Das Halbfinale gegen Frankreich am 14. Juli im AT&T Stadium bei Dallas endete 2:0, Treffer von Mikel Oyarzabal und Pedro Porro. Frankreich, vor dem Turnier als Mitfavorit gehandelt, blieb gegen Spaniens strukturierte Defensive ohne echte Torchance. Die Gesamtbilanz nach acht Spielen: ein einziges Gegentor in der gesamten Endrunde. Kein Team hatte in der modernen WM-Ära eine Kampagne mit weniger Gegentoren beendet.

Ein Finale, das niemand öffnen konnte

Das Endspiel am 19. Juli entwickelte sich nach dem Muster, das gesamte Turnier geprägt hatte: Spanien kontrollierte Ballbesitz und Tempo, Argentinien verteidigte tief und wartete auf den einen Moment der Unaufmerksamkeit. Lionel Messi, der Argentinien im Achtelfinale gegen Ägypten mit einer Vorlage und einem eigenen Tor aus einem 0:2-Rückstand gerettet hatte, blieb gegen Spaniens kompakte Defensive weitgehend ohne Raum. Yamal, auf der anderen Seite, kam mehrfach zum Abschluss, scheiterte aber an Emiliano Martínez. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit hätte Yamal mit einem Freistoß beinahe für die Entscheidung gesorgt, Martínez kratzte den Ball noch aus der Ecke.

Die entscheidende Szene fiel kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit: Enzo Fernández, Argentiniens zentraler Taktgeber, sah nach einem Foulspiel die Gelb-Rote Karte. Argentinien stand fortan zu zehnt. In der Verlängerung behielt Spanien die Initiative, aber erst die 106. Minute brachte die Entscheidung. Pedro Porro flankte von rechts, Nico Williams verlängerte per Kopf zurück und Torres schoss wuchtig unter die Latte. Argentiniens Keeper hatte keine Chance.

Bei der Siegerehrung sorgte US-Präsident Donald Trump für eine absurde Nebenszene: Wie bereits beim FIFA Klub-WM-Turnier 2025 drängte er sich in das Siegerfoto der spanischen Mannschaft. Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino wurden von großen Teilen des Publikums im MetLife Stadium lautstark ausgepfiffen.

Ein Déjà-vu und ein historischer Doppeltitel

Wer die Geschichte spanischer WM-Triumphe kennt, erlebt ein Déjà-vu mit präziser Mechanik. Im WM-Finale 2010 in Johannesburg traf Andrés Iniesta in der 116. Minute der Verlängerung gegen die Niederlande zum 1:0. 16 Jahre später reproduziert Spanien das Muster in fast identischer Form: dasselbe Ergebnis, dieselbe Phase des Spiels, derselbe Torjäger aus der zweiten Reihe. Beide Male schufen Spieler, die nicht als die größten Namen des Abends galten, den einzigen Treffer des Endspiels.

Die historische Dimension geht jedoch weit über das Déjà-vu hinaus. Die spanische Frauennationalmannschaft ist amtierender Weltmeister. Mit dem Sieg der Männer hält Spanien als erstes Land der Geschichte gleichzeitig beide WM-Pokale. Dass Spaniens Frauen und Männer im gleichen Zeitraum die dominanteste Kraft des Weltfußballs stellen, hat keinen Präzedenzfall. Hinzu kommt: 38 Partien in Folge ohne Niederlage, eine Serie, die mit dem Europameistertitel 2024 in Deutschland begann und nun mit dem zweiten WM-Titel endet.

Argentinien, als Titelverteidiger aus dem WM-Turnier 2022 in Katar mit Messi und Fernández ins Rennen gegangen, scheiterte an einem Spanien, das seine Generation mit Yamal, Pedri und Torres als dominierende Kraft des Weltfußballs etabliert hat. Das Scheitern entschied ein einziger Platzverweis und ein einzelnes Tor in der Verlängerung.

Yamal ist 19: Die nächsten Turniere finden in Europa und Spanien statt

Lamine Yamal, Barcelonas 19-jähriger Flügelspieler und Spaniens Schlüsselfigur dieses Turniers, feierte am 13. Juli, sechs Tage vor dem Finale, seinen 19. Geburtstag. Die Zeitachse der nächsten Turniere spricht für sich: Die Europameisterschaft 2028 findet in Großbritannien und Irland statt. Die Weltmeisterschaft 2030 wird in Spanien, Portugal und Marokko ausgetragen. Yamal wäre dann 23 Jahre alt.

Deutschland muss sich mit der entgegengesetzten Frage auseinandersetzen. Das frühe Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay war das dritte WM-Scheitern in Folge ohne Achtelfinaleinzug. Jürgen Klopp, der sich grundsätzlich mit dem DFB auf einen Bundestrainervertrag geeinigt hat, übernimmt ein Team, das seine letzten drei Weltmeisterschaften in der Vorrunde oder der ersten K.-o.-Runde beendet hat. Die Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland wird der erste ernsthafte Test für den Neuanfang unter Klopp sein und die nächste WM 2030 hat Spanien als Gastgeberland bereits reserviert.

Quellen (10)

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