Erste gezüchtete Speiseröhre besteht Großtierversuch
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Erste gezüchtete Speiseröhre besteht Großtierversuch

Forscher von GOSH und UCL haben erstmals eine funktionierende Speiseröhre aus körpereigenen Zellen und Spendergerüst hergestellt und erfolgreich transplantiert. Das Verfahren könnte Kindern helfen, die mit fehlenden Speiseröhrenabschnitten zur Welt kommen und bisher auf monatelange Dehnungsoperationen angewiesen sind.

9. Mai 2026, 8:38 Uhr 609 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Forscher des Great Ormond Street Hospital (GOSH) und des University College London haben erstmals eine funktionierende Speiseröhre aus Spendergerüst und körpereigenen Zellen hergestellt und erfolgreich transplantiert. Die im März 2026 in Nature Biotechnology publizierte Studie zeigt, dass das Transplantat ohne jede Immunsuppression vollständig in das Empfängergewebe integriert. Das Verfahren könnte die Behandlung von Kindern verändern, die mit fehlenden Speiseröhrenabschnitten zur Welt kommen.

Wenn die Speiseröhre nicht zusammenwächst

Long-gap oesophageal atresia (LGOA) ist eine seltene angeborene Fehlbildung: Das obere und untere Ende der Speiseröhre sind zu weit voneinander entfernt, um direkt verbunden zu werden. In Großbritannien sind rund 18 Neugeborene pro Jahr betroffen, etwa zehn Prozent aller Kinder mit Speiseröhrenfehlbildung. Die bisherige Standardbehandlung, das sogenannte Foker-Verfahren, ist für die betroffenen Familien eine monatelange Belastung: Die Speiseröhrenenden werden durch Nahtspannung schrittweise gedehnt und in mehreren Operationen angenähert, bis ein Anschluss möglich wird. Alternativ wird ein Stück Magen oder Dickdarm als Ersatz genutzt, mit lebenslangen Risiken wie Schluckproblemen und chronischem Rückfluss. Eine Speiseröhre aus dem eigenen Körper des Kindes würde diese Einschränkungen umgehen.

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Dezellularisierung und körpereigene Zellen

Das Londoner Team nutzte ein zweistufiges Verfahren: Zuerst wurden einer gespendeten Schweinespeiseröhre per Dezellularisierung alle lebenden Spenderzellen entzogen, bis nur das strukturelle Gerüst aus Kollagen und extrazellulärer Matrix übrig blieb. Dieses Gerüst ist biologisch inert und löst keine Immunreaktion aus. Im zweiten Schritt injizierten die Forscher körpereigene Zellen des Empfängers in das Gerüst: myogene Vorläuferzellen und Fibroblasten, die anschließend zwei Monate in einem Bioreaktor zu funktionalem Muskelgewebe heranreiften. Das fertige Implantat deckte einen 2,5 Zentimeter langen Speiseröhrenabschnitt ab, die typische Lückengröße bei schwerem LGOA.

Alle acht Tiere überlebten die kritische Phase

Professor Paolo De Coppi, NIHR-Professor für Kinderchirurgie am UCL Institute of Child Health und Konsultant an der Kinderchirurgie des GOSH, leitete das Forschungsteam. Erstautorin Dr. Natalie Durkin beschreibt in Nature Biotechnology die Ergebnisse der Tierstudie: Alle acht Schweine überlebten die kritischen ersten dreißig Tage nach Transplantation. Nach drei Monaten war das Transplantat vollständig integriert, die Tiere entwickelten funktionierende Schluckmuskeln ohne jede Immunsuppression. Kein Tier erhielt Mittel zur Immunhemmung, da die körpereigenen Zellen keine Abwehrreaktion auslösten. Bis zum Sechs-Monats-Endpunkt überlebten fünf der acht Tiere; bei den übrigen drei entstanden Stenosen am Übergang zum körpereigenen Gewebe. Das Team wertet das als für einen frühen Großtierversuch erwartbares Ergebnis.

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Im Vergleich: Harnblase und Hornhaut

Dezellularisierung und autologes Besiedeln als Transplantationsweg haben sich in anderen Organen bereits bewährt. 2006 publizierten Anthony Atala und sein Team vom Wake Forest Institute for Regenerative Medicine in The Lancet die erste erfolgreiche Transplantation gezüchteter Harnblasen bei sieben jungen Patienten mit Rückenmarksspaltung. Die Blasen, auf biologisch abbaubarem Gerüst aus körpereigenen Zellen aufgebaut, funktionierten bei den meisten Patienten noch nach fünf Jahren. 2022 zeigte eine Studie der Linköping-Universität in Nature Biotechnology, dass aus Schweinekollagen hergestellte Hornhäute bei 20 Patienten, darunter 14 vollständig erblindeten, die Sehfähigkeit wiederherstellten. Die Speiseröhre gilt als technisch anspruchsvoller als beide Organe: Sie muss Dehnungen von bis zu 175 Prozent ihrer Länge standhalten und koordinierte Muskelwellen für den Schluckreiz erzeugen. Das GOSH-UCL-Ergebnis zeigt, dass beides in einem lebenden Großtier über mehrere Monate möglich ist.

Drei Hürden vor dem ersten Kind

Professor De Coppi nennt eine Frist von fünf Jahren bis zum ersten klinischen Versuch am Menschen. Drei technische Fragen müssen bis dahin gelöst sein. Erstens muss das Verfahren auf längere Abschnitte skaliert werden: Die 2,5 Zentimeter der Tierstudie reichen für einen Teil der Fälle, schwerere LGOA-Formen erfordern vier bis sechs Zentimeter. Zweitens muss die Herstellungszeit von derzeit zwei Monaten sinken, da manche betroffenen Neugeborenen nicht so lange warten können. Drittens muss die Häufigkeit von Stenosen am Übergang zwischen Transplantat und körpereigenem Gewebe reduziert werden. Gelingt das, würde ein Implantat aus körpereigenen Zellen die langwierige Dehnungsbehandlung beim Foker-Verfahren für viele Familien überflüssig machen.

Quellen (7)

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