SunZia: Größtes Windprojekt der westlichen Hemisphäre am Netz
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SunZia: Größtes Windprojekt der westlichen Hemisphäre am Netz

Das SunZia-Windprojekt in New Mexico ist das größte Windkraftprojekt der westlichen Hemisphäre: 3.650 Megawatt, 916 Turbinen, 890 Kilometer Hochspannungsleitung. Nach zwanzig Jahren Planung versorgt es jetzt rund eine Million Haushalte in Arizona und Kalifornien.

13. Juli 2026, 8:44 Uhr 785 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Das SunZia-Windprojekt in New Mexico liefert seit dem 18. Juni 2026 Strom für rund eine Million Haushalte in Arizona und Kalifornien. Mit 3.650 Megawatt Nennleistung ist es das größte Windkraftprojekt der westlichen Hemisphäre, mehr als doppelt so groß wie der bisherige US-Rekordhalter. Dass das Projekt trotz der antierneuerbaren Energiepolitik der US-Bundesregierung ans Netz ging, hat einen simplen Grund: Die entscheidenden Bundesgenehmigungen lagen bereits vor dem Regierungswechsel vor.

Zwanzig Jahre von der Planung zur Steckdose

Die Anfänge des Projekts liegen in der Amtszeit von George W. Bush. Entwickler begannen ab 2006 mit Umweltverträglichkeitsprüfungen und Behördengesprächen in New Mexico und Arizona. Das Vorhaben wechselte mehrfach den Besitzer, bevor Pattern Energy, ein auf erneuerbare Energie spezialisiertes US-Unternehmen, 2022 die vollständige Kontrolle übernahm. Im September 2023 begann der eigentliche Bau.

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Das Projekt kostete insgesamt elf Milliarden Dollar und ist damit das größte private Infrastrukturprojekt für saubere Energie in der Geschichte der USA. Auf dem Höhepunkt der Bauphase waren mehr als 2.000 Menschen beschäftigt, rund 90 Prozent von ihnen aus New Mexico. In einem Bundesstaat, der für Großprojekte häufig Fachkräfte von außen importiert, war das eine bewusste Entscheidung. Nach Abschluss der Bauarbeiten entstanden mehr als 100 dauerhafte Betriebsstellen. Die 916 Windturbinen verteilen sich auf drei Countys im Zentrum und Süden New Mexicos: Lincoln, San Miguel und Torrance.

Der Strom fließt von dort über eine 890 Kilometer lange Hochspannungsgleichstromleitung (HVDC) nach Arizona und weiter nach Kalifornien. Gleichstromleitungen dieser Länge haben gegenüber Wechselstromtrassen entscheidende Vorteile: Sie verlieren auf weite Distanzen deutlich weniger Energie und lassen sich besser ins bestehende Netz einbinden.

Was 3.650 Megawatt in der Praxis bedeuten

Die Dimensionen werden im direkten Vergleich greifbar. Alta Wind in Kern County, lange Zeit der größte Windpark der USA, erreicht etwa 1.550 Megawatt. Great Prairie Wind in Texas folgt mit 1.027 Megawatt. SunZia übertrifft beide zusammen noch deutlich. Der Hoover-Staudamm am Colorado River, seit seiner Fertigstellung 1936 ein Sinnbild amerikanischer Infrastruktur, hat eine Nennleistung von 2.080 Megawatt, gut 43 Prozent weniger als SunZia.

Europäische Großprojekte geben ein weiteres Maß: Hornsea Two vor der englischen Ostküste, eines der größten Offshore-Windprojekte Europas, erzeugt 1.320 Megawatt, also nicht einmal 40 Prozent von SunZias Kapazität. Rund eine Million US-amerikanischer Haushalte können mit dem Strom des Projekts versorgt werden, was dem Strombedarf von etwa drei Millionen Menschen entspricht.

Der erste Effekt auf das Stromnetz zeigte sich bereits vor der vollständigen Inbetriebnahme: Als im Mai 2026 erste Kapazitäten zugeschaltet wurden, erreichte Kaliforniens Stromnetz nach Angaben von TechTimes einen neuen Windrekord von 7.122 Megawatt, rund 20 Prozent über dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2024.

erneuerbare-energie

Ein Projekt trotz antierneuerbarer Bundespolitik

Seit Januar 2025 bremst die US-Bundesregierung unter Präsident Donald Trump den Ausbau erneuerbarer Energien aktiv. Genehmigungsverfahren für neue Windprojekte und Solarprojekte wurden verlängert, Offshore-Windparks blockiert, Steuervorteile für Erneuerbare gekürzt. Im April 2026 untersagte ein US-Bundesgericht der Regierung mehrere dieser Maßnahmen als gesetzwidrig.

SunZia blieb von diesen Eingriffen unberührt, weil die entscheidenden Bundesgenehmigungen lange vor dem Regierungswechsel vorlagen. Das zeigt ein strukturelles Muster: Projekte mit langem Vorlauf und früh gesicherten Genehmigungen können politische Kurswechsel überstehen. Neue Windprojekte, die erst jetzt in die Planungsphase eintreten, sind dagegen stark von der jeweiligen Bundesregierung abhängig.

Worauf Kritiker hinweisen

Der Bau der 890 Kilometer langen Übertragungsleitung hat Spuren hinterlassen. Umweltgruppen dokumentierten, dass Zufahrtswege erhebliche Erosionsschäden verursachten, Rückhaltebecken für Sediment an mehreren Stellen versagten und Schlamm in den San Pedro River eingetragen wurde. Der San Pedro ist einer der letzten noch frei fließenden Flüsse Arizonas und ein bedeutendes Habitat für Zugvögel, Fische und Amphibien. Mehrere indigene Stämme erhoben zudem Einwände wegen Beeinträchtigungen kulturell bedeutsamer Stätten entlang der Trassenführung, wie Inside Climate News dokumentierte.

Pattern Energy hatte eigenen Angaben zufolge Schlammfangzäune und Rückhaltebecken angelegt. Umweltgruppen bestritten, dass diese Maßnahmen ausreichten. Über die langfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem des San Pedro liegen noch keine abschließenden Daten vor.

Was Europas Energiepolitik von SunZia lernen kann

Was fehlt, um ein vergleichbares Vorhaben in Europa zu realisieren, ist weniger die Technologie als die Infrastruktur für den Ferntransport. Deutschland diskutiert seit mehr als einem Jahrzehnt den Bau von SuedLink und SuedOstLink, Hochspannungsgleichstromleitungen, die Windstrom aus dem windreichen Norden in den stromhungrigen Süden transportieren sollen. Das Prinzip ist identisch mit SunZia: Erzeugung dort, wo der Wind weht, Verbrauch dort, wo Industrie und Bevölkerung sich konzentrieren. Der SuedLink ist nach aktuellem Stand für 2028 angekündigt und hat bereits mehr als fünfzehn Jahre Planungsvorlauf hinter sich.

Das eigentliche Hindernis ist nicht technischer Art. Es sind langwierige Genehmigungsverfahren, breit angelegte Klagemöglichkeiten und die politische Bereitschaft, Leitungsinfrastruktur konsequent zu priorisieren. SunZia brauchte zwanzig Jahre, weil auch in den USA all das erst zusammenkommen musste. Für Europa gilt das Gleiche: Wer jetzt mit der Planung ähnlicher Fernleitungen beginnt, sieht das Ergebnis in den 2040er Jahren.

Quellen (10)

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