Trump, Dell und ein 9,7-Milliarden-Auftrag
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Trump, Dell und ein 9,7-Milliarden-Auftrag

Vier Monate nach Trumps Dell-Aktienkauf vergab das Pentagon einen 9,7-Milliarden-Dollar-Vertrag an das Unternehmen. Ein US-Soldat wurde wegen Insiderwetten auf Polymarket angeklagt. Die Börsenbehörde SEC schweigt.

5. Juni 2026, 5:01 Uhr 789 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am 10. Februar 2026 kaufte Donald Trump Aktien von Dell Technologies für bis zu fünf Millionen Dollar. Am 17. Mai rief er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia dazu auf, Dell-Computer zu kaufen. Das Pentagon unterzeichnete zehn Tage später, am 27. Mai, einen Auftrag über 9,7 Milliarden Dollar an Dell Federal Systems. Die Aktie stieg seitdem um 255 Prozent. Das ist die bekannteste Episode in einem Muster von Finanzgeschäften, das nun Kongress und Strafverfolgung beschäftigt.

Vom Weißen Haus zur Wallstreet

Trump legte seine Dell-Käufe nach den Regeln des US Office of Government Ethics offen: Die erste Transaktion vom 10. Februar umfasste laut Pflichtangabe Aktien im Wert von einer bis fünf Millionen Dollar, Kurs damals 126 Dollar je Aktie. Drei weitere, kleinere Käufe folgten im März. Parallel dazu lobte Trump das Unternehmen ungewöhnlich häufig und öffentlich. Am 8. Mai würdigte er Dell-Gründer Michael Dell bei einem Event im Weißen Haus zum Muttertag. Bei der Wahlkampfveranstaltung in Georgia am 17. Mai war die Empfehlung, Dell-Computer zu kaufen, explizit an sein Publikum gerichtet.

Zwei Wochen später, am 27. Mai, unterzeichnete das Pentagon das sogenannte Core Enterprise Technology Agreement (CETA): ein Fünfjahresvertrag über 9,7 Milliarden Dollar für Microsoft-Softwarelizenzen und Cloud-Abonnements für das gesamte US-Militär, Geheimdienste und Küstenwache. Auftragnehmer: Dell Federal Systems. Pentagon-Informationstechnikchefin Kirsten Davies erklärte, Dell habe sich in einem Wettbewerbsverfahren gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzt und spare dem Steuerzahler jährlich 422 Millionen Dollar. Zum Vergabeprozess nannte sie keine weiteren Details.

Ein Hintergrunddetail, das mehrere US-Medien thematisierten: Michael Dell und seine Frau Susan hatten im Dezember 2025 bereits 6,25 Milliarden Dollar für Trumps Kindersparkontenprogramm zugesagt, das der Präsident als politisches Prestigeprojekt verfolgt. Die Kombination aus dieser Zusage, Trumps Aktionärsinteresse und der Auftragsvergabe beschreiben Kritiker als dreifachen Interessenkonflikt.

Wettplattformen und ein verhafteter Soldat

Parallel zur Dell-Geschichte untersucht die Staatsanwaltschaft ein zweites Muster: auffällige Gewinne auf politischen Wettplattformen kurz vor nicht-öffentlichen Regierungsentscheidungen. Donald Trump Jr. sitzt im Advisory Board von Polymarket und berät die Konkurrenzplattform Kalshi. Sein Risikokapitalfonds 1789 Capital hat zudem in Polymarket investiert. Ein Sprecher erklärte, Trump Jr. selbst setze auf keiner der Plattformen Wetten.

Ein konkreter Fall endete im April 2026 mit einer Anklage: Gannon Ken Van Dyke, Stabsfeldwebel der US Army Special Forces, hatte zwischen dem 27. Dezember 2025 und dem 2. Januar 2026 auf Polymarket auf den Sturz von Nicolás Maduro gewettet und einen Gewinn von rund 410.000 Dollar erzielt. Van Dyke war laut Anklageschrift des Justizministeriums an der Planung der Operation Absolute Resolve beteiligt, die Maduro Anfang Januar 2026 festnahm. Die Anklage lautet auf Nutzung von Verschlusssachen für private finanzielle Vorteile.

CNN berichtete über einen weiteren anonymen Trader, der seit 2024 durch Wetten auf iranisch-amerikanische Militäraktionen fast eine Million Dollar erzielt hatte, mit einer Trefferquote von 93 Prozent. Die Transaktionen erfolgten in entscheidenden Fällen Stunden vor öffentlichen Ankündigungen: vor israelischen Luftangriffen im Oktober 2024, vor US-Schlägen auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 und vor dem gemeinsamen Überraschungsangriff im Februar 2026. In den 15 Minuten vor Trumps Ankündigung eines Angriffsstopps auf iranische Zivilinfrastruktur am 23. März 2026 wurden zudem Rohöl-Futures im Wert von mehr als 500 Millionen Dollar gehandelt.

SEC-Chef schweigt, Senatoren fordern Untersuchung

Einen Tag nach dieser Ankündigung, am 24. März 2026, verschickte das White House Management Office eine E-Mail an alle Mitarbeiter: Die Nutzung nicht-öffentlicher Informationen für finanzielle Wetten sei eine Straftat. Das Schreiben wurde zeitgleich bekannt, als CNN über die auffälligen Rohöl-Futures berichtete.

Die US-Börsenaufsicht SEC, die solche Muster eigentlich untersuchen müsste, blieb untätig. SEC-Vorsitzender Paul Atkins, Trumps Nominierung, am 9. April 2025 vom Senat mit 52:44 Stimmen bestätigt, ist bekennend deregulierungsfreundlich. Sein früherer Durchsetzungschef verließ die Behörde nach internen Konflikten über den Kurs bei Trump-nahen Fällen. Auf Anfragen zu möglichem Insiderhandel im Umfeld des Weißen Hauses lehnte die SEC Stellungnahmen ab.

Die Senatoren Mark Warner aus Virginia und Adam Schiff aus Kalifornien forderten Anfang April 2026 von der SEC und dem Pentagon-Generalinspekteur zu untersuchen, ob Regierungsmitarbeiter nicht-öffentliche Informationen für Investments und Wetten genutzt haben. In ihrer Anforderung zogen sie auch einen Broker von Verteidigungsminister Pete Hegseth in die Kritik, der laut Berichten kurz vor dem Irankrieg in Defense-ETFs investieren wollte. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, Trump und andere Regierungsbeamte hätten keinerlei Insiderinformationen für Investments genutzt.

Midterms 2026: Nächste Kontrollinstanz

Das strukturelle Problem dieser Vorgänge liegt in der Kontrollarchitektur. Die SEC könnte ermitteln, wird aber von einer Trump-Nominierung geführt. Das Repräsentantenhaus liegt in republikanischer Hand und hat keine entsprechenden Ausschüsse eingesetzt. Die Demokraten kontrollieren den Senat nicht. Das Justizministerium untersteht dem Präsidenten.

Van Dyke wurde angeklagt, weil er als Militärangehöriger Verschlusssachen genutzt hatte, ein Straftatbestand, der außerhalb der normalen politischen Schutzmechanismen liegt. Ob die strukturelleren Vorwürfe rund um Dell und die Wettplattformen je juristisch aufgearbeitet werden, hängt davon ab, wer die Kontrolle über Kongress und Justizministerium erhält. Die nächste Möglichkeit dazu bieten die Midterm-Wahlen im November 2026, deren Vorwahlkämpfe derzeit laufen.

Quellen (12)

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