250 Jahre USA: Trump als Star seiner eigenen Feier
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250 Jahre USA: Trump als Star seiner eigenen Feier

Die USA feiern am 4. Juli ihr 250. Jubiläum mit einem Mammutprogramm auf der National Mall. Nachdem fünf bekannte Künstler abgesagt haben, vergleicht Präsident Trump sich selbst mit Elvis und deutet an, er könne das Konzertprogramm durch eine eigene Rede ersetzen.

31. Mai 2026, 11:03 Uhr 969 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Martina McBride sagte ab. Bret Michaels sagte ab. The Commodores sagten ab. Morris Day and the Time sagten ab. Young MC sagte ab. Was als überparteiliches Nationalfest zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit gedacht war, entwickelt sich zur personalisierten Trump-Show: Der Präsident vergleicht sich auf Truth Social mit Elvis und erklärt, er selbst sei die eigentliche Attraktion.

Freedom 250: Was geplant ist

Der 4. Juli 2026 markiert den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der USA. Das Weiße Haus hat ein Mammutprogramm angekündigt. Die zentrale Veranstaltung ist die "Great American State Fair" auf der National Mall in Washington, die vom 25. Juni bis 10. Juli 2026 läuft. Auf dem Gelände zwischen Capitol und Washington Monument sollen ein 34 Meter hohes Riesenrad, Pavillons aller 56 Bundesstaaten und Territorien sowie Militärkapellen auftreten. Am 4. Juli sind das nach Eigenangaben größte Feuerwerk der amerikanischen Geschichte und Ansprachen geplant. Trump eröffnet das Programm am 24. Juni mit einer Zeremonie.

Organisiert wird das Programm von der gemeinnützigen Organisation Freedom 250, deren CEO Keith Krach ist. Krach war unter Trump Under Secretary of State und davor CEO von DocuSign. Das Weiße Haus hat ihn für den Posten bestellt. Die Veranstaltung wird als öffentlich-private Partnerschaft finanziert, also mit einem Mix aus Bundesgeldern und privaten Spenden. Über die genauen Beträge gibt die Organisation keine Auskunft.

Der Künstlerexodus

Fünf Künstler haben ihre Zusagen zurückgezogen, seit das politische Profil der Veranstaltung deutlicher wurde. Die Country-Sängerin Martina McBride erklärte laut TIME Magazine, sie und viele der abgesagten Künstler seien über die politische Verbindung zu Trump getäuscht worden. Sie hätten geglaubt, es handele sich um eine unpolitische Jubiläumsfeier für alle Amerikaner. Bret Michaels, Frontsänger der Hardrock-Band Poison, zog seine Zusage kurz darauf zurück. The Commodores, Morris Day and the Time und Rapper Young MC folgten.

Die verbliebenen Headliner sind Vanilla Ice, der Rapper Flo Rida sowie Fab Morvan, ehemaliges Mitglied von Milli Vanilli. Das Lineup spiegelt eine gespaltene Kulturszene wider. Wer kommt, riskiert einen Reputationsschaden bei Teilen seines Publikums. Wer absagt, muss mit Gegenreaktionen aus dem Umfeld der Regierung rechnen. Mehrere Künstler nannten beide Faktoren explizit als Grund, sich zunächst gar nicht erst zu bewerben.

Trump als eigene Attraktion

Trumps Reaktion auf die Absagen fiel entsprechend aus. Auf Truth Social erklärte er, er selbst ziehe "much larger audiences than Elvis" in seiner Glanzzeit. Laut Hollywood Reporter deutete Trump an, er könne das Konzertprogramm durch eine eigene Rede ersetzen, da er als Präsident eine größere Attraktion sei als jede Musikgruppe, die man buchen könnte.

Die Selbsteinschätzung hat einen strukturellen Hintergrund. Trump hat das Weiße Haus seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 mit Goldvasen, Goldrahmen und Kronleuchtern neu ausstatten lassen. Sein eigenes Konterfei erscheint seit April 2026 auf einer Sonderserie von US-Reisepässen, offiziell zur Feier des Jubiläums. Freedom 250 reiht sich in dieses Muster ein: Ein nationales Symbol wird zur persönlichen Bühne.

Die Vereinnahmung eines Nationalfeiertags

Historisch waren 4.-Juli-Feiern in den USA überparteilich. Das Lincoln Memorial und die National Mall galten als geteilter nationaler Raum. Trump nutzte die Mall bereits 2020 für eine politisch aufgeladene Show. Die aktuelle Veranstaltung weitet diesen Ansatz aus. Freedom 250 ist nach Darstellung mehrerer Kritiker keine nationale Jubiläumsfeier mit Trumps Beteiligung, sondern eine Trump-Veranstaltung, die das nationale Jubiläum als Bühne nutzt.

Mehrere Kongressmitglieder haben nach Berichten von The Hill die Verwendung von Bundesgeldern für Freedom 250 kritisiert. Kontrollorganisationen prüfen die Finanzierungsstruktur, da die genaue Aufteilung zwischen Steuergeldern und privaten Mitteln nicht öffentlich ist. Kultureinrichtungen im Washingtonraum lehnten eine offizielle Beteiligung ab. Parallel entstehen in mehreren US-Städten alternative Jubiläumsprogramme, die bewusst ohne Regierungsbeteiligung organisiert werden.

Vom 24. Juni bis zum 4. Juli

Trump eröffnet die Great American State Fair am 24. Juni. Zwischen diesem Datum und dem Jubiläum am 4. Juli liegen zehn Tage Dauerveranstaltung auf der National Mall. Für Trump ist das eine seltene Kombination: ein nationales Datum, ein staatlich mitfinanzierter Rahmen und eine Millionenreichweite ohne Wahlkampfeinschränkungen. Die Kongresswahlen im November 2026 sind bereits im Kalender. Ob weitere Künstler absagen werden und ob das Lineup noch einmal umgebaut wird, dürften die nächsten Wochen zeigen.

Update 4. Juni, 21:05 Uhr: Auch Fab Morvan, der als einziges verbliebenes Mitglied von Milli Vanilli noch auf dem Lineup stand, hat seine Teilnahme abgesagt. Morvan erklärte gegenüber CNN, die Veranstaltung sei zu einem Zirkus geworden; er sei wie die anderen Künstler mit der Versicherung angeworben worden, es handele sich um ein unpolitisches Fest. Damit sind von den ursprünglich neun angekündigten Acts nur noch Vanilla Ice und Flo Rida verblieben. Als Reaktion auf den Massenboykott kündigten Bruce Springsteen und Tom Morello von Rage Against the Machine das Gegenfestival Power to the People an: Es findet am 3. Oktober 2026 im Merriweather Post Pavilion in Columbia, Maryland statt. Das Lineup umfasst unter anderem Foo Fighters, Dave Matthews, Joan Baez, Brittany Howard, Dropkick Murphys und Killer Mike. Teile der Erlöse fließen den Wählerrechtsorganisationen VoteRiders und HeadCount zu. Trump signalisierte unterdessen, den Musikteil der Great American State Fair möglicherweise durch politische Reden zu ersetzen.

Quellen (12)

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