Trump erklärt Hormus zum US-Gebiet. Berater: War Scherz
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Trump erklärt Hormus zum US-Gebiet. Berater: War Scherz

Trump sagte am Donnerstag, er werde die Straße von Hormus nach dem Sieg über Iran zum US-Territorium erklären. Das Weiße Haus dementierte prompt: Trump habe gescherzt. Iran antwortete trotzdem offiziell. Der Schaden an den stockenden Verhandlungen ist bereits angerichtet.

Quellen (18)
  1. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  2. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  3. Frankfurter Rundschaufr.de
  4. Handelsblatthandelsblatt.com
  5. n-tvn-tv.de
  6. Al Jazeera (Trumps Ankündigung)aljazeera.com
  7. The Hillthehill.com
  8. The Tribune (Gharibabadi-Zitat)tribuneindia.com
  9. PressTV (Weißes Haus Dementi)presstv.co.uk
  10. Washington Times (Trump jokte)washingtontimes.com
  11. Tagesspiegel (Ölpest 600 km²)tagesspiegel.de
  12. Euronews (Ölfleck Oman)euronews.com
  13. NBC News (Caroline Bezengi)nbcnews.com
  14. Insurance Journal (2.000 km² Ölfleck)insurancejournal.com
  15. Greenpeace Ölrisiko Persischer Golfpresseportal.greenpeace.de
  16. Logistik Heute: Iran begründet Gebühr mit Umweltschädenlogistik-heute.de
  17. Euronews: Iran meldet Billionenschädeneuronews.com
  18. Nau.ch: Iran verweist auf Umweltschäden für Hormus-Gebührnau.ch
15. August 2026, 9:40 Uhr903 Wörter · 5 Min. Lesezeit

13 Schiffe passieren die Straße von Hormus täglich. Vor dem Krieg waren es 110 bis 130. In diesen Zustand maximaler Fragilität platzte Donald Trump am Donnerstagabend mit einer Ankündigung, die das Weiße Haus Stunden später als Scherz zurückzog: Er werde die Meerenge nach dem Sieg über Iran zum US-Territorium erklären. Iran antwortete trotzdem offiziell. Das Dementi hat nichts rückgängig gemacht.

Der Satz und das sofortige Dementi

Der Auftritt war als Unterstützungsveranstaltung für den republikanischen Gouverneurskandidaten Bruce Blakeman geplant. Trump sprach über Kriminalitätsrückgänge, lobte New Yorks Strafverfolgungsbehörden und schlug dann ohne erkennbare Vorbereitung den Bogen zum Irankrieg. "Pretty soon", fügte er hinzu, solle die US-Marine die Kontrolle über die Meerenge formell besiegeln.

Der hochrangige Mitarbeiter des Weißen Hauses, der hinterher sprach, sagte ausdrücklich, Trump habe die Annexion mit niemandem im Nationalen Sicherheitsrat besprochen. Das ist bemerkenswert: Ein sitzender US-Präsident kündigt die Annexion einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt an und sein eigener Stab bestätigt, dass die Ankündigung nicht einmal intern koordiniert war.

Rechtlich ist die Ankündigung ohnehin ohne Fundament. Die Straße von Hormus liegt zwischen den Hoheitsgewässern des Iran und des Oman. Das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) schützt in solchen internationalen Durchfahrtstraßen das Recht auf freie Transitpassage für alle Schiffe. Die USA haben keine Küste an der Meerenge, keine Hoheitsgewässer, keinen Kontinentalschelf in der Region. Ein rechtlicher Mechanismus, durch den Washington Souveränität über fremde Gewässer erwerben könnte, existiert im Völkerrecht nicht.

Irans Antwort und die Verhandlungslogik

Kazem Gharibabadi, Irans stellvertretender Außenminister für rechtliche und internationale Angelegenheiten, antwortete auf X in scharfem Ton: "The Strait of Hormuz cannot be seized by tweet, nor by aircraft carrier, nor by issuing an order, nor by an election speech." Die Meerenge sei iranisch gewesen, sei iranisch und werde iranisch bleiben.

Gharibabadi reagierte damit auf eine Aussage, die das Weiße Haus zur gleichen Zeit als Scherz zurückzog. Das zeigt das strukturelle Problem: Iran muss jede Äußerung Trumps ernst nehmen, weil er Präsident ist und seine Worte Konsequenzen haben können. Der Unterschied zwischen Absicht und Improvisation ist aus Teheran nicht zu erkennen.

Die Straße von Hormus ist keine rein amerikanisch-iranische Angelegenheit. Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels verlaufen durch die Meerenge. Für China stammen mehr als vierzig Prozent der Ölimporte aus dieser Route, für Japan und Südkorea sind die Abhängigkeiten noch höher. Weder Peking noch Tokio haben sich zum Territorialanspruch geäußert. Das Schweigen ist beredter als jede Erklärung: Keiner dieser Staaten kann es sich leisten, Washington offen zu widersprechen. Gleichzeitig hat jeder von ihnen ein vitales Interesse daran, dass die Straße von keiner Macht kontrolliert wird.

Der Zeitpunkt trifft die Verhandlungen in einem bereits fragilen Zustand. Täglich passieren nur noch 13 Schiffe die Meerenge, verglichen mit 110 bis 130 vor Kriegsbeginn im Februar 2026. Irans Außenminister Abbas Araghchi hatte zuletzt eine Einigung mit Oman über eine Wiederöffnung als "sehr nah" bezeichnet. Trumps Annexionsankündigung, ob Scherz oder nicht, entwertet jeden Kompromiss, den Teheran aushandeln könnte: Warum sollte Iran die Meerenge freigeben, wenn Washington sie danach ohnehin zu beanspruchen droht? Das Rahmenabkommen des Versailler Memorandums läuft am 17. August aus. Was danach gilt, ist offen.

Die Ölkatastrophe, die im Hintergrund eskaliert

Während Trump die Meerenge rhetorisch vereinnahmt, kämpfen Oman und internationale Behörden mit der bislang schwersten Umweltkatastrophe in der Region seit Kriegsbeginn. Der Tanker Caroline Bezengi, Teil der russischen Schattenflotte und unter kamerunischer Flagge registriert, lief am 30. Juni vor den Hallanijat-Inseln auf Grund, einem Meeresschutzgebiet Omans. Das Schiff transportiert rund 800.000 Barrel russisches Rohöl für den asiatischen Markt.

Satellitendaten des europäischen Copernicus-Programms zeigen einen Ölfleck, der sich nach Einschätzung des Ölkatastrophenspezialisten John Amos, der die Bilder ausgewertet hat, auf mehr als 2.000 Quadratkilometer ausgedehnt hat. Oman selbst meldete offiziell 400 Quadratkilometer. Sicher ist: Das Öl hat Omans Küste erreicht, darunter Strände der Hallanijat-Inseln, die als Brutstätte der vom Aussterben bedrohten Unechten Karettschildkröte gelten.

Die Dimension erinnert an die Exxon-Valdez-Katastrophe von 1989, bei der rund 37.000 Tonnen Rohöl in den Prinz-William-Sund liefen. Die Caroline Bezengi trägt etwa 108.000 Tonnen an Bord. Sollte das Schiff weiter auseinanderbrechen, könnte die freigesetzte Ölmenge das Dreifache der Exxon-Valdez-Katastrophe erreichen, warnte Greenpeace auf Basis eigener Datenauswertungen. Hinzu kommen zwei weitere Ölflecken bei der iranischen Insel Qeschm und bei Sirri, die nach derzeitigen Erkenntnissen vom Frachter Minoan Pioneer stammen, der am 3. August von einem Geschoss getroffen wurde.

Das rechtliche Vakuum verschlimmert die Katastrophe: Die Caroline Bezengi wurde zuletzt von einer Scheinfirma in Shanghai verwaltet. Weder ein verantwortlicher Reeder noch eine belastbare Versicherung ist greifbar. Greenpeace warnte, Oman drohe die ökologischen und finanziellen Folgekosten allein zu tragen.

Was bis zum 17. August noch entschieden wird

Am Sonntag läuft das Versailler Memorandum aus. Die technischen Verhandlungsteams hatten zuletzt in der Schweiz auf Arbeitsebene kommuniziert. Ob die Gespräche nach Trumps Auftritt fortgesetzt werden, blieb am Freitag offen. US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich nicht zu den Territorialaussagen. Iran hat direkte Gespräche mit Washington zuletzt als nicht möglich bezeichnet, solange Washington das Übergangsabkommen verletze. Trumps Scherz hat diesem Argument neue Nahrung gegeben.

Update 16. August, 01:00 Uhr: Das iranische Außenministerium verknüpft die Ölkatastrophe jetzt explizit mit den geplanten Durchfahrtsgebühren für die Straße von Hormus. Sprecher Ismail Baghaei erklärte, der internationale Schiffsverkehr habe über Jahrzehnte Billionenschäden an den Meeresökosystemen der Region verursacht und die Nutznießer der Route hätten eine rechtliche und moralische Pflicht zur Kompensation. Neue Greenpeace-Satellitendaten zeigen drei separate Ölflecken: den Hauptfleck von rund 500 Quadratkilometern sowie zwei weitere Flecken von rund 100 und 20 Quadratkilometern. Irans Küstenschutzbehörden versuchen, das Öl von den Mangroven der Insel Qeschm fernzuhalten.

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