Zwei Patienten überleben dank Kunstherz die Wartezeit
Ein 37-Jähriger aus dem Central Valley Kaliforniens und ein Patient in seinen Zwanzigern standen vor dem gleichen Schicksal: biventrikuläres Herzversagen im Endstadium, für das Medikamente und herkömmliche Eingriffe keine Lösung mehr boten. Das UCSF Health in San Francisco überbrückte die Wartezeit beider Männer auf ein Spenderherz mit einem vollmechanischen künstlichen Herz. Beide Transplantationen verliefen erfolgreich, beide Patienten erholen sich gut.
Was ist ein totales künstliches Herz?
Das totale künstliche Herz, kurz TAH (Total Artificial Heart), ist kein Unterstützungssystem, sondern ein vollständiger mechanischer Ersatz beider Herzkammern. Es unterscheidet sich grundlegend von linksventrikulären Herzunterstützungssystemen (LVAD), die nur die linke Kammer entlasten und für biventrikuläres Versagen nicht ausreichen. Das TAH übernimmt sämtliche Pumpfunktionen des natürlichen Herzens und hält Blutfluss, Blutdruck und Organperfusion aufrecht, bis ein Spenderherz verfügbar ist.

Das Gerät der Marke SynCardia, hergestellt von Picard Medical aus Tucson, Arizona, arbeitet pneumatisch: Zwei externe Kompressoren pumpen Druckluft in das implantierte Kunststoffgehäuse und treiben so die zwei künstlichen Ventrikel an. Der Patient trägt einen kleinen Trolley oder Rucksack mit dem Antriebssystem. Das natürliche Herz wird vollständig entfernt und durch das Gerät ersetzt.
Die Herztransplantationskrise in Zahlen
In den USA standen laut dem Transplantationsnetzwerk OPTN im September 2024 rund 3.456 Patienten auf der Herztransplantationsliste. Die Nachfrage nach Spenderherzen übersteigt das Angebot erheblich. Insgesamt sterben in den USA täglich 13 Menschen beim Warten auf ein Organ jeder Art. Besonders kritisch ist die Lage für Patienten mit biventrikulärem Versagen, bei dem beide Herzkammern betroffen sind: Für diese Gruppe kommen LVAD-Systeme nicht infrage und ohne eine Überbrückungslösung enden solche Fälle häufig tödlich, bevor ein geeignetes Spenderherz vermittelt werden kann.
UCSF Health betreibt eines der größten Herztransplantationsprogramme der USA und ist das einzige aktive TAH-Programm in Nordkalifornien. Die Kompetenz für das seltene Verfahren ist damit regional konzentriert: Nicht jede Klinik kann diese Versorgung anbieten.
Die beiden UCSF-Fälle
Den 37-Jährigen aus dem Central Valley implantierten die Chirurgen im August 2025 mit dem SynCardia-TAH. Nach rund sechs Monaten stand ein geeignetes Spenderherz zur Verfügung: Im Februar 2026 wurde die Transplantation erfolgreich durchgeführt. Laut UCSF erholt sich der Patient gut nach dem Eingriff.

Beim zweiten Patienten, einem Mann in seinen Zwanzigern mit ebenfalls biventrikulärem Herzversagen, erfolgte die Implantation am 15. November 2025. Nach 119 Tagen Geräteunterstützung wurde er am 14. März 2026 transplantiert. Picard Medical, das Unternehmen hinter SynCardia, bestätigte beide Verläufe in Pressemitteilungen und bezeichnete das UCSF-Programm als Meilenstein für die Versorgung in Nordkalifornien.
Im Vergleich: 2.100 Operationen in 27 Ländern
Das SynCardia-TAH ist kein experimentelles Gerät: Es ist das weltweit erste und bislang einzige von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene totale künstliche Herz und wurde bisher mehr als 2.100 Mal in 27 Ländern implantiert. Die Ergebnisse variieren je nach Zentrum und Patientenprofil. Die häufigsten Komplikationen sind Infektionen, Schlaganfälle und Blutungsereignisse. Die FDA hatte in der Vergangenheit Warnhinweise zu einer bestimmten Steuereinheit (C2-Controller) wegen erhöhter Schlaganfall- und Sterblichkeitsrisiken herausgegeben.
Zum Vergleich: LVAD-Systeme, die ausschließlich die linke Herzkammer unterstützen, werden weltweit bei zehntausenden Patienten pro Jahr eingesetzt. Für biventrikuläres Versagen stellt das TAH jedoch die einzige mechanische Option dar. Ein Nachfolgeprodukt der Firma BiVACOR aus Huntington Beach, Kalifornien, ein vollständig implantierbares Titanherz das keine externe Antriebseinheit benötigt, erhielt 2025 von der FDA die Designierung als Breakthrough Device für die klinische Erprobung.
SynCardia als Brücke, BiVACOR als Horizont
Das SynCardia-System löst das zentrale Problem nicht vollständig: Der Patient bleibt bis zur Transplantation an ein externes Antriebsgerät gebunden, das die Mobilität einschränkt und Infektionsrisiken mitbringt. BiVACORs vollimplantierbares Titanherz könnte das ändern, indem es dauerhaft im Körper verbleibt und auf keine externen Schläuche angewiesen ist. Die klinischen Studien befinden sich noch in frühen Phasen; eine breite Zulassung ist Jahre entfernt.
Was die UCSF-Fälle zeigen: Die bestehende, pneumatische Technologie kann junge Menschen durch kritische Monate tragen, die ohne das Gerät keine Überlebenschance hätten. Wie viele Patienten von solchen Programmen profitieren könnten, hängt aber nicht nur von der Technologie ab, sondern auch von der Organspenderate. In Deutschland spenden pro Million Einwohner deutlich weniger Menschen als in Spanien, wo seit 1979 ein Widerspruchslösungsmodell gilt und die Spendenrate zu den höchsten weltweit gehört.
Kommentare