Trump will Tankerschäden mit Irans Geld begleichen
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Trump will Tankerschäden mit Irans Geld begleichen

Trump kündigte auf Truth Social an, sämtliche Schäden an Handelsschiffen durch den Irankrieg aus den mehr als zwei Milliarden Dollar zu begleichen, die USA an iranischen Vermögenswerten kontrollieren. Eine rechtliche Grundlage oder ein Entschädigungsverfahren nannte er nicht. Verteidigungsminister Hegseth bezifferte die bisherigen Kriegskosten für die USA auf 37,5 Milliarden Dollar.

24. Juli 2026, 4:45 Uhr 751 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Seit dem 11. Juli bombardiert das US-Zentralkommando Iran jede Nacht. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist in einer Woche um 66 Prozent eingebrochen. Am 23. Juli, dem Tag an dem Huthi-Rebellen erstmals direkt saudische Öltanker im Roten Meer beschossen, griff Trump zu einem in der Nachkriegsgeschichte beispiellosen Instrument: Alle Kriegsschäden an Handelsschiffen sollen aus iranischem Staatsvermögen bezahlt werden, das Washington eingefroren hält. Eine rechtliche Grundlage nannte er nicht.

Die Eskalation, die zu dieser Ankündigung führte

Um Trumps Ankündigung einzuordnen, muss man den Juli verstehen. Am 7. Juli wurden nach US-Angaben drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus von iranischen Geschossen getroffen. Washington hob daraufhin die Ausnahmegenehmigung für iranische Ölexporte auf und startete Schläge gegen mehr als 80 iranische Militärziele. Der Brentölpreis stieg an jenem Tag um fünf Prozent. Iran wertete die Sanktionsrücknahme als Bruch des im Juni 2026 geschlossenen Memorandum of Understanding, das zur De-Eskalation gedacht war.

Seit dem 11. Juli bombardiert das US-Zentralkommando CENTCOM Iran jede Nacht. Am 16. Juli griff die US-Navy einen Öltanker im Rahmen der wiederhergestellten Blockade an. Am 20. Juli erklärten die Huthis eine maritime Blockade gegen Saudi-Arabien und schlossen Bab al-Mandab, die zweite kritische Seeenge. In der Woche bis zum 20. Juli passierten laut Lloyd's List Intelligence nur noch 53 Schiffe die Straße von Hormus, ein Rückgang von 66 Prozent gegenüber der Vorwoche. Am 23. Juli beschossen Huthi-Rebellen erstmals gezielt zwei saudische Öltanker im Roten Meer. Brent kletterte auf über 100 Dollar pro Barrel, den ersten dreistelligen Wert seit Mai.

In diesen Kontext gehört Trumps Ankündigung. Verteidigungsminister Pete Hegseth bezifferte die bisherigen Kriegskosten des Iran-Konflikts für die USA auf 37,5 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 34 Milliarden Euro.

Zwei Milliarden Dollar und keine Rechtsgrundlage

Die Frage, wie Trump auf das eingefroren iranische Geld zugreifen will, bleibt offen. Trump selbst schrieb nur, er informiere Iran, dass Amerika beginnen werde, deren Geld zur Bezahlung von Schäden zu nutzen. Das Weiße Haus spezifizierte weder, ob ein förmliches Dekret geplant ist, noch ob der Kongress zustimmen muss, noch wie Ansprüche von Schiffseignern aus Deutschland, Griechenland oder Japan geltend gemacht werden könnten.

Die zwei Milliarden Dollar an iranischen Vermögenswerten, die USA kontrollieren, stammen größtenteils aus früheren Sanktionsrunden und wurden vor dem Iran-Krieg im Februar 2026 eingefroren. Ursprünglich sollte ein Teil davon im Rahmen des De-Eskalationsabkommens vom Juni 2026 freigegeben werden. Nach der Eskalation vom 7. Juli hob Washington diese Aussicht auf.

Es gibt Präzedenzfälle, aber keinen direkten. 2022 froren die USA sieben Milliarden Dollar an Zentralbankguthaben Afghanistans ein und überwiesen die Hälfte davon nach einem Exekutiverlass Bidens in einen Treuhandfonds für das afghanische Volk. Die andere Hälfte steht noch immer unter Beschlag, da US-Gerichte Klagen von Familien der Terroranschläge vom 11. September prüfen. Die EU verwendet Zinserträge russischer Staatsvermögen für die Ukraine, dies aber unter Beibehaltung des Eigentums und nach Konsultation der G7. Eine direkte Umwidmung staatlicher Gelder als Kriegsschadensfonds ohne UN-Mandat und ohne Zustimmung des Kongresses wäre in der Nachkriegsgeschichte ein Novum.

Wer tatsächlich Schäden hat und wer bezahlen soll

In der Straße von Hormus fahren Schiffe aus aller Welt, von deutschen Reedereien über griechische Tankerunternehmen bis zu japanischen und südkoreanischen Gasträgern. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hatte bereits im April 2026 Mitgliedsunternehmen aufgefordert, Ausweichrouten um das Kap der Guten Hoffnung zu prüfen, was Fahrten zwischen dem Persischen Golf und Nordeuropa um rund 12 Tage verlängert. Schäden an Schiffen, die Straße noch passieren, werden in der Regel über Kriegsrisiko-Versicherungen abgedeckt, deren Prämien seit Kriegsbeginn massiv gestiegen sind.

Für die Praxis bedeutet Trumps Ankündigung: Noch ist unklar, ob und wie ein Unternehmen einen Anspruch geltend machen könnte, wer diesen Anspruch prüfen würde und nach welchem Recht. Der Internationale Schifffahrtsverband BIMCO bezeichnete die Ankündigung als politisches Signal, nicht als operativen Entschädigungsmechanismus. Die internationale Schifffahrtsrechtsprechung sieht für Kriegsschäden in der Regel Klagen gegen den schadensverursachenden Staat vor, nicht gegen einen dritten Staat, der dessen Vermögen kontrolliert.

Bis die rechtliche Konstruktion klar ist

Was als nächstes passiert, hängt davon ab, ob das Weiße Haus einen Exekutiverlass nachreicht oder ob Trump die Ankündigung auf Truth Social als Signal an Teheran meinte, nicht als rechtsverbindliche Politik. Internationale Seerechtler erwarten, dass ein formales Programm, sofern es kommt, sofort vor US-Bundesgerichten angefochten wird: Kongress, Reeder und ausländische Regierungen könnten Einwände erheben.

Was bereits jetzt klar ist: Die 37,5 Milliarden Dollar Kriegskosten für die USA und ein Brentpreis über 100 Dollar erhöhen den Druck auf alle Beteiligten. Die Frage ist nicht mehr, ob dieser Konflikt wirtschaftlich eskaliert, sondern wie. Trumps Ankündigung ist ein weiteres Element dieses Drucks, ohne den Mechanismus zu erklären, der ihn einlösen soll.

Quellen (12)

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