Trumps Reflecting Pool: Von 1,8 auf 16 Millionen Dollar
Präsident Donald Trump ließ den Reflecting Pool am Lincoln Memorial in Washington für über 16 Millionen Dollar in einem neuen Blauton streichen. Wochen nach der Fertigstellung ist das Ergebnis: grünes Wasser von Algenblüten, abblätternde Farbe auf dem Poolboden und parlamentarische Untersuchungen wegen möglicher Interessenkonflikte bei der Vergabe. Sechs Tage vor dem 250-jährigen Jubiläum der Vereinigten Staaten steht das Vorzeigeprojekt der Trump-Administration vor dem öffentlichen Scheitern.
April: Schnelle Idee, knappe Schätzung
Der Reflecting Pool gehört zu den bekanntesten Denkmälern der Vereinigten Staaten. Das rund 600 Meter lange Spiegelbecken am Lincoln Memorial zieht jährlich Millionen Besucher an. Ende April 2026 kündigte Trump an, das Becken zu renovieren: Der Boden solle in einem Farbton neu gestrichen werden, den Trump persönlich als "amerikanisches Flaggenblau" bezeichnete. Hintergrund war das bevorstehende 250-jährige Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit am 4. Juli 2026. Die Kosten schätzte Trump auf 1,8 Millionen Dollar.
Das Innenministerium vergab die Aufträge ohne reguläre Ausschreibung. Als Begründung diente die "ungewöhnliche und zwingende Dringlichkeit" des Jubiläums. Zwei Firmen erhielten den Zuschlag: Atlantic Industrial Coatings aus Virginia für die Abdichtung und den Neuanstrich des Poolbodens sowie Green Water Solutions aus Ohio für ein Nano-Bubble-Filtersystem zur Wasserreinigung.
Die Auftragnehmer und ihre Verbindungen
Atlantic Industrial Coatings, die den Hauptauftrag über 14,7 Millionen Dollar erhielt, hatte nach Angaben von CBS News und CNN zuvor noch keinen Bundesauftrag ausgeführt. Es war ihr erster. Die Sika Corporation, die bei früheren Renovierungen des Pools mitgewirkt hatte, lehnte eine Beteiligung ab. Zwei Sika-Mitarbeiter bezeichneten das Projekt intern als "undurchführbar": Die Anforderungen seien mit dem vorgesehenen Zeitplan unvereinbar. Ihren Rückzug hatten sie einem Subunternehmen mitgeteilt, das sie für das Projekt anwerben wollte. Atlantic Industrial Coatings übernahm den Auftrag dennoch und scheiterte zunächst zweimal dabei, die Lücken im Poolbeton ordnungsgemäß abzudichten, bevor die eigentliche Beschichtung aufgebracht werden konnte.
Green Water Solutions, die für 1,74 Millionen Dollar ein Nano-Bubble-Wasserreinigungssystem installieren sollte, gehört John Cafaro. CBS News berichtete, Cafaro habe 2020 rund 250.000 Dollar an das Trump Victory Committee gespendet und 2024 weitere 100.000 Dollar an Trumps Wahlkampf. Er lebt in der Nähe von Trumps Privatclub Mar-a-Lago in Florida. Auch dieser Auftrag wurde ohne vollständiges Ausschreibungsverfahren vergeben. Die Gesamtkosten der beiden Verträge belaufen sich damit auf über 16 Millionen Dollar, mehr als das Achtfache von Trumps ursprünglicher Schätzung.
Juni: Algen, Farbe und Wasserstoffperoxid
Atlantic Industrial Coatings schloss die Renovierung Anfang Juni ab. Schon wenige Tage nach der Wiederbefüllung zeigte sich das erste Problem: Die Kombination aus sommerlicher Hitze und stehender Feuchtigkeit in Washington sorgte für eine Algenblüte. Das Wasser, das in amerikanischem Flaggenblau leuchten sollte, verfärbte sich grün. Gleichzeitig begann die blaue Beschichtung des Betonbodens abzublättern; Farbfetzen trieben auf der Wasseroberfläche. Seit dem 16. Juni gießen Mitarbeiter des National Park Service Wasserstoffperoxid in das Becken, um die Algen zu bekämpfen.
Eine Ursache für das schnelle Aufkeimen der Algen könnte laut einem Bericht der Philadelphia Inquirer im Abriss des ursprünglich vorgesehenen Nano-Bubble-Belüftungssystems liegen. Diese Anlage, die Algenblüten vorbeugen sollte, war vor dem Befüllen des Pools entfernt worden. Das grüne Wasser zog Schaulustige an, die Fotos und Videos in sozialen Netzwerken veröffentlichten. Das Interesse rückte das Prestigeprojekt ungewollt ins Rampenlicht.
Vandalismusvorwürfe ohne Belege
Als die Probleme öffentlich wurden, verschob sich die Darstellung der Trump-Administration. Trump sprach von Vandalismus und Sabotage. Tatsächlich registrierten Behörden einzelne Eingriffe: Das Justizministerium beschrieb in einer Gerichtsakte, dass der Pool-Liner mit einem "scharfen Messer oder einer Rasierklinge" eingeschnitten worden sei. Rund 70 Zaunpfosten wurden ins Becken geworfen. Sechs Personen wurden festgenommen, sieben weitere erhielten Verwarnungen.
Untersuchungen von PBS News, PolitiFact und ABC News ergaben jedoch, dass die grundlegenden Schäden an Farbe und Wasserqualität bereits aufgetreten waren, bevor Trump öffentlich von Sabotage sprach. PolitiFact prüfte die Behauptungen und stellte fest, dass Trump zentrale Defekte auf Vandalismus zurückführte, ohne dafür Belege vorzulegen. ABC News berichtete, Trump habe seine Vandalismusbehauptungen bekräftigt, ohne neue Nachweise zu präsentieren. Experten verweisen auf die strukturellen Mängel der Renovierung selbst: Ein Auftragnehmer ohne Erfahrung in Bundesaufträgen, der das Abdichten zweimal nachbessern musste und ein von Fachleuten als undurchführbar eingestuftes Projekt.
Sechs Tage bis zum 4. Juli
Senator Martin Heinrich aus New Mexico, der ranghöchste Demokrat im Senats-Ausschuss für Energie und natürliche Ressourcen, hat Innenminister Doug Burgum in einem Brief aufgefordert, eine vollständige Kostenaufstellung bereitzustellen, die Vergabedokumentation offenzulegen und Wasserqualitätsdaten zu liefern. Der ranghöchste Demokrat im Haushaltsüberwachungsausschuss richtete entsprechende Schreiben direkt an die beiden Auftragnehmer. Kernfrage in beiden Anfragen: Wie aus 1,8 Millionen Dollar über 16 Millionen wurden und warum Auftragnehmer mit erkennbarer Nähe zur Trump-Administration ohne Wettbewerb beauftragt wurden.
Der Pool muss für die nötigen Reparaturen erneut geleert werden. Atlantic Industrial Coatings hat zugesagt, die Arbeiten unter die Gewährleistung des ursprünglichen Vertrags zu stellen. Ob das Becken bis zum 4. Juli wieder zugänglich sein wird, ist offen. Dieses Datum war der erklärte Anlass für das gesamte Projekt und es war die Begründung dafür, Ausschreibungsregeln zu umgehen und einem Auftragnehmer ohne Bundesauftragserfahrung eine zweistellige Millionensumme zu überweisen.
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