Trump trifft Xi: Handelspoker in Peking
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Trump trifft Xi: Handelspoker in Peking

Donald Trump bricht Dienstag zu seinem ersten Staatsbesuch in Beijing auf. Auf der Agenda: ein Handelsfrieden mit Boeing-Käufen und Agrardeal, doch die US-Autoindustrie fürchtet, dass der Preis dafür die Öffnung des US-Markts für chinesische Elektroautos ist.

11. Mai 2026, 10:38 Uhr 812 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am Dienstag landet Donald Trump in Beijing zu seinem ersten Staatsbesuch bei Xi Jinping seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus. Drei Tage Gespräche sollen einen Handelsfrieden einläuten, den beide Seiten brauchen, doch für die amerikanische Autoindustrie birgt dieser Frieden ein konkretes Risiko: Washington könnte chinesischen Elektroautoherstellern als Gegenleistung für milliardenschwere Käufe von Boeing-Maschinen Marktzugang in den USA gewähren.

Der Handelsstreit und seine Folgen

Die Ausgangslage ist für beide Seiten schmerzhaft. Nach dem Liberation Day im April 2025 verhängten die USA Zölle von bis zu 145 Prozent auf chinesische Waren. China reagierte mit Gegenzöllen von 125 Prozent auf US-Importe und brachte die Ausfuhr seltener Erden unter staatliche Kontrolle. Da mehr als 80 Prozent der globalen Verarbeitungskapazitäten für diese Rohstoffe in China liegen, darunter Neodym und Dysprosium für Elektromotorantriebe und Militärtechnik, trifft das die US-Industrie direkt. Boeings Auftragsbücher für Verkäufe nach China versiegen seitdem, während die US-Landwirtschaft ihren zweitgrößten Exportmarkt faktisch verloren hat.

Auch China leidet. Exportorientierte Provinzen im Süden melden Produktionsrückgänge. Chinas Wirtschaftswachstum ist unter Druck geraten. Aber Beijing hat die vergangenen Jahre genutzt, um Abhängigkeiten zu diversifizieren und den Binnenkonsum als Alternative aufzubauen. Das Ergebnis: China geht mit mehr Geduld in diesen Gipfel als Washington.

Was auf dem Verhandlungstisch liegt

Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington hat fünf Schlüsselfelder identifiziert, die drei Verhandlungstage prägen werden. Erstens: die Wiederaufnahme chinesischer Flugzeugkäufe. Berichte aus diplomatischen Kreisen nennen 500 Boeing-Maschinen als mögliche Ankündigung, für einen Konzern, der unter dem Auftragsrückgang China schwer gelitten hat, wäre das ein Durchbruch. Zweitens: langfristige Importe von US-Agrarprodukten, besonders Soja und Weizen. Drittens: der Zugang zu seltenen Erden, deren Exportbeschränkungen US-Rüstungskonzerne und Technologieunternehmen zunehmend belasten.

Hinzu kommen zwei geopolitische Themen. China ist Irans größter Ölkunde und könnte wirtschaftlichen Druck auf Teheran ausüben, den die USA selbst nicht haben. Peking hat bereits signalisiert, keine Waffen an Iran zu liefern. Im Gegenzug erwartet China Handelszugeständnisse. Und Taiwan: Das Thema wird nicht offen auf der Tagesordnung stehen, aber jede Formulierung in der gemeinsamen Abschlusserklärung wird in Taipeh und in Washington genau gelesen werden.

Die Angst der Autoindustrie

Von allen möglichen Gegenleistungen an Beijing fürchtet die US-Autoindustrie eine am meisten: dass Trump chinesischen Elektroautoherstellern Marktzugang in den USA gewährt. Die Preisschere ist enorm. Während ein durchschnittliches neues Fahrzeug in den USA inzwischen über 50.000 Dollar kostet, verkaufen chinesische Hersteller wie BYD vergleichbare Elektroautos in anderen Märkten für weit unter der Hälfte dieses Preises. Konkurrenten aus China könnten nicht nur das untere Marktsegment erobern, sondern die gesamte Preislogik des amerikanischen Automarkts verschieben.

GM-Chefin Mary Barra hat öffentlich gewarnt, eine Marktöffnung für chinesische Elektrofahrzeuge würde die US-Autoindustrie massiv schädigen. Der Widerstand kommt von beiden Seiten des Gangs: Das Connected Vehicle National Security Review Act, eingebracht von Republikanerin Bernie Moreno aus Ohio und Demokratin Elissa Slotkin aus Michigan, soll vernetzte Fahrzeuge mit chinesischer Software und Hardware ab Modelljahr 2027 vom US-Markt ausschließen. Das Gesetz ist explizit als Sicherheitsargument verpackt, richtet sich aber de facto gegen BYD, Nio und Geely.

Politisch kompliziert wird die Sache durch Tesla: Elon Musks Konzern produziert in Shanghai und ist auf dem chinesischen Markt stark präsent. Höhere Zölle auf chinesische Wettbewerber kämen Tesla in den USA zugute, ein Interessenkonflikt, den Kongress und Medien bereits öffentlich diskutieren.

Chinas Kalkül: Warten auf Washington

Während Trump mit Zöllen in die Verhandlungen kommt, hat China strategisch investiert. Wie Fortune analysiert, denkt Beijing nicht in Quartalszahlen, sondern in US-Wahlzyklen: Die Trump-Regierung braucht bis zu den Zwischenwahlen 2026 wirtschaftliche Erfolge. Das weiß Peking. Die Hebel: substanzielle Aufträge für Boeing-Maschinen und Agrarprodukte, die Trump als Verhandlungssieg verkaufen kann, im Gegenzug für Zollsenkungen, die China dauerhaft nützen.

Hinzu kommt die Seltene-Erden-Karte. Die USA haben keine kurzfristige Alternative zur chinesischen Verarbeitung seltener Erden. Solange das so bleibt, sitzt Beijing an einem Schlüsselhebel der amerikanischen Rüstungsversorgung und Technologieversorgung. Ein vollständiger Lieferstopp wäre für China wirtschaftlich schädlich, aber als Drohkulisse bleibt er wirkungsvoll.

Was die drei Peking-Tage entscheiden

Konkrete Vertragsunterzeichnungen sind bei einem ersten Staatsbesuch dieser Dimension diplomatisch unüblich. Erwartet werden Absichtserklärungen und symbolische Ankündigungen: erste Zahlen zu chinesischen Boeing-Bestellungen, möglicherweise ein Rahmenabkommen zu Agrarprodukten und eine gemeinsame Erklärung zur Lage am Persischen Golf. Die entscheidende Frage ist innenpolitisch: Was kann Trump auf dem Rückflug der amerikanischen Öffentlichkeit als Erfolg präsentieren?

Wenn chinesische Großeinkäufe von US-Waren im Vordergrund stehen, dürfte das im Wahl­jahr ausreichen. Wenn dagegen die Frage der EV-Marktöffnung ins Zentrum rückt, erwartet Trump eine neue Front, diesmal nicht mit Beijing, sondern mit Detroit, den Gewerkschaften und dem Kongress. Für die Autoindustrie in Ohio und Michigan beginnt das Zittern nicht mit dem Treffen, sondern mit der Pressekonferenz danach.

Quellen (10)

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