Tudriqev: Onkolytischer Virus gegen resistentes Melanom
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Tudriqev: Onkolytischer Virus gegen resistentes Melanom

Die FDA hat am 6. August 2026 Tudriqev von Replimune für fortgeschrittenes Melanom nach Immuntherapieversagen genehmigt. Das onkolytische Herpesvirus erhielt nach zwei vorangegangenen Ablehnungen die Zulassung, 1 von 4 Patienten spricht darauf an.

Quellen (8)
  1. FDA: Accelerated Approval Tudriqevfda.gov
  2. GlobeNewswire: FDA genehmigt Tudriqevglobenewswire.com
  3. QZ: Tudriqev im dritten Anlauf genehmigtqz.com
  4. Healio: FDA beschleunigte Zulassung Tudriqev nach zwei Ablehnungenhealio.com
  5. FiercePharma: Replimune FDA-Zulassung nach langer Regulierungsgeschichtefiercepharma.com
  6. Oncology Nursing News: Tudriqev-Nivolumab-Kombinationoncnursingnews.com
  7. Replimune Pressemitteilung: FDA Accelerated Approvalglobenewswire.com
  8. NCBI: T-VEC als erste onkolytische Virustherapie 2015 (Vergleich)ncbi.nlm.nih.gov
8. August 2026, 9:42 Uhr825 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Schwarzer Hautkrebs, der nach Immuntherapie weiter wächst, ließ Ärzten bislang kaum wirksame Optionen. Am 6. August 2026 erteilte die FDA beschleunigte Zulassung für Tudriqev (Vusolimogene Oderparepvec-wtpg) von Replimune, ein gentechnisch verändertes Herpesvirus, das Melanomzellen von innen zerstört und gleichzeitig das Immunsystem gegen den Tumor aktiviert. Die Zulassung kam nach einem ungewöhnlichen Weg: zwei Ablehnungen in knapp einem Jahr, einem Advisory-Committee-Vote von 10 zu 3 und einer dritten Einreichung in weniger als 14 Monaten.

PD-1-Resistenz: Wenn die beste Immuntherapie aufhört zu wirken

Nivolumab (Opdivo) und Pembrolizumab (Keytruda) gehören zu den wirksamsten Krebsmedikamenten der vergangenen Dekade. Als PD-1-Inhibitoren lösen sie eine Immunblockade, die Tumorzellen nutzen, um der Erkennung zu entgehen. Bei fortgeschrittenem Melanom haben sie die Prognosen erheblich verbessert. Doch ein Teil der Patienten spricht nicht an oder der Tumor entwickelt Resistenz.

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Für diese Patienten gab es bislang begrenzte Optionen: Chemotherapie mit mäßiger Wirksamkeit bei metastasiertem Melanom, andere Checkpoint-Inhibitoren oder Zieltherapien gegen bestimmte Mutationen, die aber nicht bei allen Patienten einsetzbar sind. Tudriqev schließt eine dieser Lücken: Es ist zugelassen für Erwachsene mit nicht resezierbarem fortgeschrittenem kutanem Melanom, deren Erkrankung nach einem PD-1-basierten Therapieschema vorangeschritten ist.

Wie ein Herpesvirus zum Krebsmittel wird

Tudriqev basiert auf dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), gentechnisch so verändert, dass es selektiv Tumorzellen befällt und sich in ihnen vermehrt. Der Mechanismus ist zweistufig: Das Virus zerstört Krebszellen durch seine Replikation und setzt dabei Tumorantigene frei. Gleichzeitig aktiviert diese Freisetzung das Immunsystem gegen den Tumor, sodass es auch nicht direkt injizierte Metastasen erkennen kann. Tudriqev wird in Kombination mit Nivolumab eingesetzt.

Laut FDA zeigte die IGNYTE-Studie, die der Zulassung zugrunde liegt, bei 24 Prozent der 91 auswertbaren Patienten eine objektive Ansprechrate. Die mediane Dauer dieser Reaktionen betrug 14,1 Monate. Für Patienten, die nach allen bisherigen Therapien keine wirksamen Optionen mehr haben, ist eine Ansprechrate von einem Viertel mit mehrmonatiger Wirkdauer klinisch bedeutsam.

Drei Einreichungen, zwei Ablehnungen: Eine ungewöhnliche Zulassungsgeschichte

Replimune hatte Tudriqev erstmals beantragt und im Juli 2025 die erste ablehnende Antwort der FDA erhalten. Die Behörde bemängelte die Single-Arm-Struktur der IGNYTE-Studie: Ohne Kontrollgruppe lasse sich nicht zuverlässig bestimmen, wie viel des gemessenen Effekts auf das Virus zurückzuführen sei und wie viel auf Nivolumab allein. Nach einer Neueinreichung im Oktober 2025 folgte am 10. April 2026 eine zweite Ablehnung mit ähnlicher Begründung.

Replimune verhandelte daraufhin einen neuen Weg mit der FDA, reichte eine dritte Version des Antrags ein und stellte sich am 30. Juli 2026 einem Advisory-Committee-Meeting. Das externe Expertengremium votierte 10 zu 3 dafür, dass die vorliegenden Daten klinisch bedeutsam seien. Eine Woche später folgte die beschleunigte Zulassung.

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Im Vergleich: T-VEC und die Geschichte onkolytischer Viren beim Melanom

Tudriqev ist nicht das erste onkolytische Herpesvirus für Melanom. T-VEC (Talimogene Laherparepvec, Handelsname Imlygic) von Amgen erhielt im Oktober 2015 als weltweit erste onkolytische Virustherapie FDA-Zulassung, ebenfalls basierend auf HSV-1. T-VEC wird direkt in zugängliche Tumorläsionen injiziert und war für eine andere Patientengruppe zugelassen: Melanom-Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht vollständig operablem Tumor, nicht spezifisch nach PD-1-Therapieversagen. In der Phase-3-Studie OPTiM zeigte T-VEC eine dauerhafte Ansprechrate von 16,3 Prozent für alle injizierten und nicht injizierten Läsionen.

Tudriqev bedient eine andere Nische: Patienten nach dem Versagen der besten verfügbaren Immuntherapie. Die Kombination mit Nivolumab soll das Immunsystem reaktivieren, das die PD-1-Therapie zuvor nicht nachhaltig stimulieren konnte. Ein Verfahren, das Krebszellen direkt zerstört und gleichzeitig das Immunsystem neu ausrichtet, folgt einer anderen Logik als T-VEC allein und stellt eine konzeptionelle Weiterentwicklung der onkolytischen Virotherapie dar.

Drei Bedingungen für den langfristigen Erfolg

Die beschleunigte Zulassung basiert auf einem Surrogatendpunkt, der objektiven Ansprechrate, nicht auf Gesamtüberleben. Replimune muss eine Bestätigungsstudie vorlegen. Ob der Effekt in einer randomisierten Studie mit Kontrollgruppe standhält, die genau das liefert, was beide FDA-Ablehnungen vermisst hatten, ist die erste offene Frage.

Die zweite Bedingung betrifft die Patientenauswahl. Einer von vier Patienten spricht an, drei von vier nicht. Biomarker, die vor der Behandlung vorhersagen, wer profitiert, sind bislang nicht bekannt. Ohne solche Marker erhalten auch nicht ansprechende Patienten die Therapie mit ihren Kosten und Nebenwirkungen.

Die dritte Frage ist der Zugang. Replimune hat keine Angaben zu den Therapiekosten gemacht. Onkolytische Virustherapien erfordern spezialisierte Herstellung. Ob Tudriqev für Krebszentren außerhalb der USA erreichbar wird und wann europäische Patienten Zugang bekommen, hängt von Preisgestaltung und EMA-Zulassung ab. Die beschleunigte US-Genehmigung ist ein erster Schritt, aber kein garantierter Weg zur breiten Verfügbarkeit.

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