EU-Milliarden für Drohnen: Russlands Benzin wird knapp
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EU-Milliarden für Drohnen: Russlands Benzin wird knapp

Die EU überweist 3,9 Milliarden Euro für ukrainische Drohnenkäufe. Gleichzeitig zeigen Daten, dass Russlands Rohölverarbeitung durch ukrainische Angriffe auf Raffinerien um 25 Prozent und die Benzinproduktion um 17 Prozent eingebrochen sind.

1. Juli 2026, 17:14 Uhr 794 Wörter · 4 Min. Lesezeit

An einem einzigen Tag kamen aus Kiew drei Entwicklungen, die zeigen, wohin sich dieser Krieg bewegt. Die Ukraine zerstörte die Hauptstraßenbrücke zwischen Donezk und Mariupol. Die EU überwies 3,9 Milliarden Euro für den Kauf ukrainischer Drohnen. Und Daten zur russischen Benzinproduktion zeigen, dass die monatelangen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien beginnen zu wirken.

3,9 Milliarden Euro: Was die EU finanziert

Die Europäische Kommission überwies am 30. Juni 2026 die erste Tranche aus dem Drohnenfonds des ukrainischen Unterstützungskredits. Die 3,9 Milliarden Euro sind Teil eines rund 6 Milliarden Euro schweren Drohnenprogramms, das in den 90-Milliarden-Euro-Ukraine-Unterstützungskredit eingebettet ist (EU-Verordnung 2026/467). Das Geld fließt nicht als allgemeine Haushaltshilfe, sondern zweckgebunden für den Kauf und die Produktion von Drohnen.

Die Niederlande gehen noch weiter: Sie haben einen 250-Millionen-Euro-Vertrag zur Produktion von 700 Ruta-Block-2-Marschflugkörpern für die Ukraine unterzeichnet. Der Deal mit dem Unternehmen Destinus wurde Ende Juni 2026 bekannt gegeben. Deutschland hat im Rahmen der westlichen Unterstützung 200 Millionen US-Dollar für Patriot-Abwehrraketen zugesagt.

Die Brücke von Donezk nach Mariupol

Am 1. Juli 2026 zerstörte die ukrainische Armee die Straßenbrücke über den Fluss Maly Kalchyk nahe dem Dorf Hranitne im Gebiet Donezk. Die Brücke liegt an der Nationalstraße H-20, der Hauptverbindung zwischen Mariupol und Donezk im russisch besetzten Gebiet. Mehrere Brückenabschnitte stürzten ein, der Verkehr muss nun über Kremenjiwka umgeleitet werden.

Strategisch trifft der Angriff eine russische Versorgungsroute. Die H-20 ist eine der wichtigsten Nachschublinien für russische Truppen in der südlichen Donezk-Region. Russland hat diesen Korridor seit der Einnahme von Mariupol 2022 für Truppenbewegungen und Nachschub genutzt. Eine Umleitung verlängert Transportwege erheblich und erhöht den logistischen Aufwand für russische Einheiten.

Russlands Benzinproduktion bricht ein

Seit Beginn der systematischen ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien ist die russische Rohölverarbeitung im Juni 2026 um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen, auf 3,95 Millionen Barrel pro Tag. Laut Daten des Branchendienstes Hydrocarbon Processing sank speziell die Benzinproduktion um 17 Prozent auf rund 850.000 Barrel pro Tag, gegenüber 1,03 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Bereits im April 2026 war die russische Rohölverarbeitung auf 4,7 Millionen Barrel pro Tag gesunken, damals der niedrigste Stand seit 2009, ein Wert, den die Juni-Daten mit 3,95 Millionen noch einmal deutlich unterbieten. Das entspricht einem Rückgang von rund 17 Prozent gegenüber dem Niveau vor Beginn der systematischen Raffinerienangriffe. Rund ein Drittel der russischen Raffinierkapazität gilt derzeit als nicht funktionsfähig. Berichte aus mehreren russischen Regionen sprechen von Kraftstoffengpässen und Warteschlangen an Tankstellen.

Die Zahlen belegen, dass Raffinerien für Russlands Kriegswirtschaft ein messbarer Schwachpunkt sind. Ein anhaltender Einbruch der Kraftstoffproduktion trifft nicht nur die russische Zivilbevölkerung, sondern erhöht auch den logistischen Aufwand für Truppenbewegungen und Nachschub an der Front.

Alliierte bauen Unterstützung aus

Neben den EU-Drohnenmilliarden und dem niederländischen Raketenvertrag arbeiten NATO-Staaten an einem weiteren Unterstützungspaket für den NATO-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli 2026. Im Gespräch ist ein Gesamtpaket von rund 70 Milliarden Euro für Waffenlieferungen, Training und Ausrüstung im Jahr 2026. Das Paket setzt sich hauptsächlich aus dem EU-Unterstützungskredit sowie bilateralen Zusagen einzelner NATO-Mitgliedstaaten zusammen.

Das Paket ist allerdings noch nicht formell beschlossen. Berichten zufolge blockiert Italien eine der Folgeklauseln über automatische Verlängerungen. Die Differenzen sollen beim Ankara-Gipfel ausgeräumt werden. Für die Ukraine ist ein klares Signal aus Ankara wichtig, nicht nur finanziell, sondern auch als Botschaft an Moskau, dass die westliche Unterstützung nicht nachlässt.

Der Ankara-Gipfel am 7. und 8. Juli

Am 7. Juli 2026 treffen sich die NATO-Staats- und Regierungschefs in Ankara. Das Gipfeltreffen wird zeigen, ob das diskutierte 70-Milliarden-Paket formell beschlossen wird und wie geschlossen die Allianz in der Ukrainefrage bleibt. Beim Ankara-Gipfel steht für Frankreich und Großbritannien neben ihren laufenden Verpflichtungen in anderen Krisenregionen die langfristige Finanzierung der Ukraine auf der Agenda.

Die Ukraine hat ihren Teil beigetragen: Mit der zerstörten Brücke am Maly Kalchyk, den weiterlaufenden Drohnenangriffen auf russische Raffinerien und der strategischen Nutzung westlicher Waffen hat Kiew in den vergangenen Wochen gezeigt, dass es den Krieg in russisch besetztes Gebiet und russische Infrastruktur trägt. Der Ankara-Gipfel wird darüber entscheiden, ob der Westen die notwendigen Mittel bereitstellt, damit das so bleibt.

Update 2. Juli, 21:05 Uhr: Das Institut für Kriegsstudien (ISW) hat am 1. Juli die Gesamtbilanz für den Monat Juni veröffentlicht. Russland hat in diesem Monat 30,42 Quadratkilometer ukrainisches Territorium gewonnen. Im Juni 2025 waren es 481,25 Quadratkilometer. Das entspricht einem Rückgang von 94 Prozent. ISW warnt, dass der direkte Vergleich durch veränderte russische Taktiken schwieriger geworden ist: Russische Kräfte nutzen heute häufiger Infiltrationsbewegungen, die schwerer als dauerhafter Gebietsgewinn zu bewerten sind. Dennoch unterstreicht die Zahl das Gesamtbild: Zusammen mit dem 25-prozentigen Einbruch der russischen Rohölverarbeitung und dem 17-prozentigen Rückgang der Benzinproduktion zeigt die ISW-Bilanz, dass die ukrainische Strategie, russische Infrastruktur und Nachschublinien anzugreifen, messbare militärische Konsequenzen hat. Russlands Fähigkeit, neues Territorium zu sichern, ist auf ein Sechzehntel des Vorjahresniveaus gesunken.

Quellen (16)

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