Kiewer Lavra brennt: Putin lehnt G7-Treffen ab
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Kiewer Lavra brennt: Putin lehnt G7-Treffen ab

Der russische Angriff in der Nacht zum 15. Juni setzte die Uspenski-Kathedrale des Kiewer Höhlenklosters in Brand und tötete elf Menschen in der Ukraine. Beim G7-Gipfel schlug Selenskyj ein Direkttreffen mit Putin vor, mit Trump und Macron als Vermittlern, doch der Kreml lehnte ab.

17. Juni 2026, 5:06 Uhr 776 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Eine Drohne traf in der Nacht zum 15. Juni das Dach der Uspenski-Kathedrale im Kiewer Höhlenkloster und setzte es in Brand. Das 1990 unter UNESCO-Schutz gestellte Gotteshaus, seit dem elften Jahrhundert geistliches Zentrum der ukrainischen Orthodoxie, brannte, während Wolodymyr Selenskyj beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains das konkreteste Friedensangebot seit Kriegsbeginn unterbreitete. Moskau lehnte ab.

70 Raketen, rund 600 Drohnen, ein UNESCO-Welterbe in Flammen

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juni feuerte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 70 Raketen und rund 600 Drohnen auf die Ukraine, einer der schwersten Angriffe auf zivile Infrastruktur seit Monaten. In Kiew traf eine russische Schahed-Drohne das Dach der Uspenski-Kathedrale der Kiewer Höhlenlavra und setzte es in Brand. Mindestens elf Menschen kamen bei den landesweiten Angriffen ums Leben, davon mindestens fünf in Kiew. 140.000 Haushalte in der Hauptstadt verloren zeitweise die Stromversorgung.

Die Kiewer Höhlenlavra gilt als heiligste Stätte der ukrainischen Orthodoxie. Das Kloster wurde im elften Jahrhundert gegründet, die Uspenski-Kathedrale in ihrer heutigen Form im 17. und 18. Jahrhundert errichtet. Seit 1990 zählt die gesamte Anlage zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie ist seit Jahrhunderten Krönungsstätte und Begräbnisort ukrainischer Fürsten. Ukraines Außenminister Andrii Sybiha bezeichnete Putin nach dem Angriff als "schlimmsten Barbaren des 21. Jahrhunderts". Der Angriff traf auch die benachbarten nationalen Filmstudios Oleksandr Dowshenko: Ihr Kostümfundus mit rund 100.000 Kleidungsstücken aus einem Jahrhundert ukrainischen Films wurde vernichtet. Das Vereinigte Königreich signalisierte danach, bei der Restaurierung der beschädigten Kathedrale mitwirken zu wollen.

Das Angebot auf dem Tisch und die Absage aus Moskau

Beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains legte Selenskyj ein Angebot vor, das er so konkret bislang nicht gemacht hatte: ein Direktgespräch mit Wladimir Putin, bei dem US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als Vermittler und Gastgeber auftreten sollten. Die Begründung: Wenn Trump die Einladung ausspräche, sei es für Putin politisch schwerer abzulehnen als auf eine ukrainische oder europäische Initiative. Das Präsidialamt in Kiew erklärte, entsprechende Signale seien an den Kreml übermittelt worden.

Die Antwort aus Moskau ließ nicht lange auf sich warten. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, es gebe derzeit keine offiziellen Kanäle zwischen Kiew und Moskau. Putin treffe sich mit Selenskyj ausschließlich in Moskau oder bei einer abschließenden Regelung des Konflikts. Selenskyj zog die Schlussfolgerung öffentlich: "Europa und Amerika waren einig, Russland hat erneut gezeigt, dass es nicht bereit ist zu reden." Beim G7-Gipfel bekräftigten alle sieben Nationen die unerschütterliche Unterstützung für Ukraines Souveränität und territoriale Integrität. Das markiert eine Abkehr von der früheren US-Position: Trumps Bereitschaft zu Gesprächen ohne Vorbedingungen hätte faktisch Russlands Territorialgewinne als Verhandlungsgrundlage festgeschrieben.

Lukaschenko warnt den Kreml vor Siegesillusionen

Die deutlichste Warnung an den Kreml kommt von einem unerwarteten Absender: Alexander Lukaschenko, Weißrusslands Machthaber und einer der engsten Verbündeten Putins, erklärte in einem Interview, ein militärischer Sieg sei für beide Seiten unrealistisch. Beide Länder müssten zu Kompromissen bereit sein. Lukaschenko räumte außerdem ein, über Selenskyj Dinge gesagt zu haben, die zu weit gegangen seien. Dass Lukaschenko, dessen politisches Überleben direkt von russischer Unterstützung abhängt, öffentlich vor Siegesillusionen warnt, deutet auf interne Debatten im russischen Führungszirkel über den weiteren Kriegsverlauf hin.

Am 16. Juni, dem Tag nach der Lavra-Attacke, ereignete sich ein weiterer Zwischenfall: Die russische Fregatte Admiral Grigorowitsch feuerte Warnschüsse auf die britische Jacht "Bright Future" im Ärmelkanal, etwa 20 Seemeilen südlich der Isle of Wight. Das britische Verteidigungsministerium bestätigte den Vorfall, bezeichnete ihn aber als Einzelfall ohne direkten Zusammenhang zur Beschlagnahmung eines russischen Schattenflotten-Tankers durch die Royal Marines am Wochenende zuvor.

Ölsanktionen: Ob Indien und China mitziehen, entscheidet die Wirkung

Der G7-Gipfel endete mit einem für viele Beobachter unerwarteten Ergebnis. Trump stimmte einer gemeinsamen G7-Linie zu schärferem Druck auf Russland zu, etwas, das er zu Beginn seiner zweiten Amtszeit strikt abgelehnt hatte. EU-Ratspräsident António Costa sprach von der geschlossensten Haltung der G7 gegenüber Russland seit Kriegsbeginn. Hintergrund war ein Telefonat am 14. Juni, Trumps 80. Geburtstag: Sowohl Putin als auch Selenskyj hatten angerufen. Über den Inhalt des Putin-Gesprächs äußerte sich Trump öffentlich nicht, aber seine Haltung veränderte sich im Verlauf des Gipfels deutlich sichtbar.

Im Raum stehen neue Ölsanktionen gegen Russland. Das Instrument hat ein strukturelles Problem: Asiatische Abnehmer russischen Öls, allen voran Indien und China, haben sich dem westlichen Sanktionsregime bislang nicht angeschlossen. Solange Moskau für seinen Ölexport asiatische Käufer findet, bleibt der wirtschaftliche Druck überschaubar. Darüber hinaus fehlt ein vereinbarter Zeitplan für Verhandlungen. Selenskyj hat beim G7-Gipfel ein Gesprächsangebot unterbreitet, einen konkreten nächsten Schritt aber nicht erhalten. Die entscheidende Variable bleibt, ob die G7 in den kommenden Wochen genug Druck aufbaut, um Moskau zu einer Position zu bewegen, die über die Ablehnung jedes Direktgesprächs hinausgeht.

Quellen (10)

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