30.000 Nordkoreaner für Russlands Herbstoffensive
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30.000 Nordkoreaner für Russlands Herbstoffensive

Russland plant laut ukrainischen Geheimdienstquellen, weitere 30.000 nordkoreanische Soldaten für den Herbst zu rekrutieren, die in der Region Woronesch stationiert werden sollen. In der Nacht zum Sonntag trafen erneut ballistische Raketen Kiew.

26. Juli 2026, 6:50 Uhr 820 Wörter · 5 Min. Lesezeit

In der Nacht zum Sonntag trafen russische ballistische Raketen erneut Kiew: Drei Stadtteile wurden bombardiert, in einem 18-stöckigen Wohngebäude brach zwischen dem siebten und achten Stockwerk Feuer aus. Es war der zweite schwere Angriff auf die ukrainische Hauptstadt innerhalb von drei Tagen. Stunden zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Warnung formuliert, die Kriegsdynamik für den Herbst erheblich verändern könnte: Russland plane, 30.000 weitere nordkoreanische Soldaten zu rekrutieren und in der Region Woronesch zu stationieren.

Raketen über Kiew: Dritter Angriff in einer Woche

Um 0:23 Uhr Ortszeit schlug der Alarm in Kiew an. Die ukrainische Luftwaffe meldete anfliegende ballistische Raketen, ein Teil davon konnte nach eigenen Angaben abgefangen werden. Trümmer und Raketenteile trafen die Stadtteile Schewtschenkiwskyj, Solom'janskyj und Desnjansky. In einem 18-stöckigen Wohngebäude brach Feuer aus, mehrere Fahrzeuge auf dem Parkplatz davor fingen Flammen. Ein leerstehendes Gebäude wurde ebenfalls beschädigt. Über Verletzte lagen Sonntagfrüh noch keine abschließenden Zahlen vor.

Nur zwei Tage zuvor, am 24. Juli, hatte eine russische Rakete eine öffentliche Waffenausstellung im Kiewer Gebiet getroffen. Mindestens zehn Menschen starben, mehr als hundert wurden verletzt. Selenskyj hatte am 25. Juli gewarnt, Russland habe Raketen an seinen Grenzen positioniert, die innerhalb von 48 Stunden abgefeuert werden könnten. Diese Prognose bestätigte sich in der Nacht auf Sonntag.

Selenskyjs Warnung: 30.000 Soldaten aus Pjöngjang

In seiner Abendansprache vom 25. Juli erklärte Selenskyj, ukrainische Geheimdienstquellen hätten belegt, dass Russland seit Juni die Verlegung von weiteren 30.000 nordkoreanischen Soldaten in die Region Woronesch vorbereite. Pjöngjang soll Russland darüber hinaus mit neuen Startanlagen für ballistische Raketen ausstatten. Selenskyj bezeichnete die Pläne als Teil von Putins Herbstplanung und als Beweis dafür, dass Moskau keinerlei Friedensabsichten hege.

Die westlichen Geheimdienste haben die 30.000 Soldaten öffentlich nicht bestätigt. Südkoreanische Geheimdienstquellen, die beim bisherigen nordkoreanischen Truppeneinsatz präzisere Einschätzungen als westliche Dienste lieferten, haben sich bislang zu diesen neuen Zahlen nicht geäußert. Wie bei allen Lageeinschätzungen aus Kiew gilt: Die Ukraine hat ein strategisches Interesse daran, westliche Partner mit Berichten über russische Aufrüstung zur weiteren Unterstützung zu bewegen. Zugleich haben sich frühere ukrainische Geheimdienstangaben zu nordkoreanischen Truppenbewegungen im Nachhinein als korrekt erwiesen.

Was die ersten 12.000 Nordkoreaner brachten

Dass Nordkorea Truppen nach Russland entsendet, ist seit Herbst 2024 keine Spekulation mehr. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes NIS hatte Pjöngjang damals zunächst 10.000 bis 12.000 Soldaten nach Russland verlegt, darunter Kampftruppen und Ingenieurseinheiten. Auslöser war die ukrainische Gegenoffensive in die russische Region Kursk im August 2024, die Russland massiv unter Druck brachte.

Der Einsatz war verlustreich: Das britische Verteidigungsministerium schätzte die nordkoreanischen Opfer auf rund 6.000 Tote und Verwundete. Anfänglich wurden die Einheiten bei Massenangriffen mit hohen Verlustquoten eingesetzt. Im Laufe des Einsatzes verlagerte sich ihre Rolle auf Drohnenaufklärung und Artillerieunterstützung. Nordkoreanische Offiziere sollen darüber hinaus in russischer Artillerietaktik ausgebildet worden sein, ein Wissenstransfer, den Pjöngjang nach dem Ende des Einsatzes behält. Die Kursk-Gegenoffensive der Ukraine scheiterte letztlich: Das vorübergehend gehaltene Gebiet wurde bis zum Frühjahr 2025 zurückerobert, unter erheblicher nordkoreanischer Beteiligung.

Warum 30.000 anders ist als 15.000

30.000 weitere Soldaten würden den nordkoreanischen Anteil in Russlands Armee verdoppeln. Zusammen mit der angekündigten Lieferung neuer ballistischer Raketenwerfer entstünde ein erheblicher neuer Kapazitätsblock, kurz bevor die klassischen Herbstkampagnen beginnen. Die Böden der Ostukraine trocknen im Oktober und November aus, was Panzer und schwere Fahrzeuge beweglicher macht als im Sommer. Russland hat in den vergangenen Kriegsjahren gelernt, die Herbstmonate und Wintermonate für größere Offensiven zu nutzen.

Was in Kursk 2024 als Notmaßnahme begann, wird nun systematisiert: Russland hat mit dem nordkoreanischen Modell einen Weg gefunden, westliche Sanktionen zu umgehen, eigene Bevölkerungsverluste zu begrenzen und gleichzeitig Nordkoreas Armee mit Kampferfahrungen zu versorgen, die auf der koreanischen Halbinsel nicht zu bekommen wären. Die Kooperation wird für beide Seiten wertvoller, je länger sie läuft.

Russlands Zeitplan und Westens Optionen

Westliche Regierungen haben auf den bisherigen nordkoreanischen Truppeneinsatz mit Sanktionen und diplomatischen Protesten reagiert, ohne die Kooperation stoppen zu können. Im UN-Sicherheitsrat blockieren China und Russland weitergehende Maßnahmen. Die ukrainische Führung verlangt als direkte Antwort mehr Luftverteidigungssysteme und ausgeweitete Genehmigungen für Langstreckenwaffen, die russische Stützpunkte in Woronesch oder weiter im Hinterland treffen könnten. Darüber entscheiden Washington und Brüssel.

Selenskyj erklärte, die Vorbereitungen hätten bereits im Juni begonnen. Ein Herbsteinsatz der neuen Truppen würde bedeuten, dass die Verlegung per Schiff über Wladiwostok noch im August oder September anlaufen müsste. Bei 15.000 Soldaten dauerte das mehrere Wochen. Ob westliche Geheimdienste diese Transporte beobachten und ob die NATO öffentlich reagiert, wird die entscheidende Frage der nächsten Wochen sein.

Quellen (8)

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