Amerika 250: Trump warnt, Mamdani antwortet
Hunderttausende Menschen hatten sich auf der National Mall in Washington versammelt, um den 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit zu feiern. Donald Trump hatte für seine Hauptansprache einen anderen Schauplatz gewählt: das Mount Rushmore in South Dakota. Dort, unter den Granitköpfen von Washington, Jefferson, Lincoln und Roosevelt, erklärte er den Kommunismus zur größten Bedrohung für Amerika, schlimmer als den Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg, Pearl Harbor oder den 11. September 2001.
Die Rede, die Einheit vermied
Amerikanische Präsidenten haben den 4. Juli traditionell als überparteilichen Nationalfeiertag begangen. Die Ansprachen klangen nach Einheit, Gründungsversprechen und Rückblick. Trump wählte einen anderen Ton. NPR beschrieb die Mount-Rushmore-Rede als Schwenk vom amerikanischen Exzeptionalismus zu düsteren Warnungen vor dem Kommunismus. Trump warnte vor Neuankömmlingen im Land, die Ideen vertreten, die völlig im Widerspruch zur amerikanischen Lebensweise stünden.
Für die Jubiläumsfeierlichkeiten unter dem Namen Salute to America 250 hatte das Weiße Haus ein volles Jahr geplant, beginnend im Mai 2025. Das Programm sollte mit der nach eigener Darstellung größten Feuerwerksshow in der Geschichte der Welt enden. Trump bezeichnete seinen eigenen Auftritt als TRUMP RALLY und nutzte die Bühne auch, um auf Wahlreformpläne und die Verschönerung Washingtons hinzuweisen. Parallel berichtete CNN, dass Versuche, Trumps Konterfei am Mount Rushmore neben den Gründungsvätern zu verewigen, bislang gescheitert sind.
Mamdanis Gegenrede am Schreibtisch Washingtons
Während Trump in South Dakota sprach, hielt New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani eine Gegenveranstaltung ab. Sitzend an dem Schreibtisch, der einst George Washington gehörte und flankiert von kürzlich eingebürgerten US-Bürgern, hielt er eine Rede für Einwanderung und Vielfalt. Er sagte: Für Generation nach Generation wurde uns gesagt, dass die Welt nicht ihre Besten an unsere Ufer geschickt hat, eine direkte Anspielung auf Trumps Rhetorik.
Mamdani lehnte die Vorstellung ab, Amerika werde kleiner, je mehr Menschen es willkommen heißt. Das Handelsblatt beschrieb den Auftritt als indirektes Gegenstück zur präsidialen Feier: eine andere Deutung des 250. Jahrestages, die auf Einschluss statt Ausgrenzung setzt. Mamdani gilt als aufstrebende Kraft der demokratischen Linken und möglicher Kandidat für höhere Ämter.
Steinmeier und Clintons direkte Kritik
Aus Berlin sandte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Geburtstagsgrüße an Trump. Er lobte die Ideale des 4. Juli, Freiheit, Recht und Selbstbestimmung, als welthistorisch bedeutsam. Die eigentliche Botschaft steckte im zweiten Satz: In jeder Demokratie gibt es immer eine Lücke zwischen hohen Idealen und der Realität des politischen Alltags. Für einen Bundespräsidenten, der in solchen Schreiben selten Kritik übt, war das eine ungewöhnlich pointierte Formulierung.
Deutlicher war der frühere US-Präsident Bill Clinton. In einem öffentlichen Kommentar nannte er Trumps Einwanderungspolitik direkt beim Namen: Die Regierung habe maskierte Agenten in amerikanische Gemeinden geschickt, um Menschen von der Straße zu holen. Clinton schrieb, die USA feierten zwar 250 Jahre, aber die Werte der Gründungsväter stünden gerade unter Druck.
Was das Jubiläum für Europa bedeutet
Das Grundgesetz von 1949 wurde nicht ohne Blick auf die amerikanische Verfassung geschrieben. Für Deutschland und Europa sind die USA nicht nur Bündnispartner, sondern auch Referenzpunkt für das demokratische Experiment. Wenn ein amerikanischer Präsident den 4. Juli nutzt, um innenpolitische Gegner als Kommunisten zu bezeichnen und eine Wahlreform anzukündigen, ist das auch für europäische Demokratien eine Aussage.
Historisch haben amerikanische Präsidenten den Unabhängigkeitstag genutzt, um das Gründungsversprechen neu zu bekräftigen, dass alle Menschen gleich geschaffen seien. Was Trump am Mount Rushmore präsentierte, war etwas anderes: kein Blick auf das Gründungsversprechen, sondern ein Blick nach innen auf eine Bedrohung, die er im eigenen Land verortet. Rolling Stone Magazine dokumentierte, wie Trump die Jubiläumsveranstaltungen systematisch als Bühne für sich selbst genutzt hat.
Zwei Reden über Amerika, eine Wahl 2028
Für das internationale Publikum boten sich am 3. Juli 2026 zwei Deutungsangebote: Trumps Amerika, das sich gegen Kommunisten verteidigt. Und Mamdanis Amerika, das am Schreibtisch eines Gründervaters für Einwanderung wirbt. Mamdani gilt nach Einschätzung politischer Beobachter als möglicher demokratischer Kandidat für 2028. Seine Gegenstrategie war kein zufälliger Auftritt, sondern eine sorgfältig choreografierte Botschaft.
"Konkret" streichen oder durch eine tatsächlich konkrete Aussage ersetzen, etwa: "Das zeigt: Zwei Jahre vor der Wahl 2028 kämpfen beide Lager bereits um die Deutungshoheit über Amerikas Gründungserbe." 250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung, die von Freiheit und Gleichheit für alle sprach, stehen sich zwei Versionen Amerikas gegenüber. Welche sich 2028 durchsetzt, entscheidet nicht nur über die innenpolitische Richtung der USA, sondern auch darüber, welchen demokratischen Referenzpunkt Europa künftig hat.
Kommentare