WM 2026: Spanien steht im Finale nach 2:0 gegen Frankreich
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WM 2026: Spanien steht im Finale nach 2:0 gegen Frankreich

Spanien hat Frankreich im WM-Halbfinale in Dallas 2:0 besiegt und steht als erster Finalist der Weltmeisterschaft 2026 fest. Das Spiel war vom Rassismuseklat um Spaniens Expremier Mariano Rajoy überschattet, auf den Lamine Yamal mit einem herausgeholten Elfmeter antwortete.

15. Juli 2026, 15:02 Uhr 720 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Lamine Yamal feierte am Montag seinen 19. Geburtstag. Am Dienstag dribbelte er sich in den französischen Strafraum, ließ sich von Lucas Digne foulen und eröffnete Spanien damit den Weg zu einem 2:0, das La Roja als ersten Finalisten der WM 2026 festschreibt. Dem Spiel war vor allem ein Satz vorangegangen: Spaniens Expremier Mariano Rajoy hatte in einem Zeitungsbeitrag behauptet, die französische Nationalmannschaft bestehe aus keinen Franzosen. Was dann folgte, schrieb das Spiel mit.

Yamal holt den Elfmeter, Oyarzabal verwandelt sicher

In der 22. Spielminute dribbelte sich Lamine Yamal auf dem linken Flügel durch den französischen Strafraum und wurde von Linksverteidiger Lucas Digne gefoult. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Mikel Oyarzabal trat an und schoss ins rechte obere Eck. Es war sein fünfter Turniertreffer, die höchste Einzelbilanz im spanischen Kader bei dieser WM.

In der 58. Minute kombinierte Spanien über Dani Olmo auf Pedro Porro, der aus spitzem Winkel ins kurze Eck abschloss und auf 2:0 erhöhte. Mit diesem Treffer war das Spiel entschieden. Frankreichs bekannteste Angreifer blieben nahezu wirkungslos. Michael Olise war der gefährlichste Franzose, eine Möglichkeit im zweiten Abschnitt parierte Spaniens Torwart Unai Simón souverän. Lamine Yamal selbst traf in der zweiten Hälfte per Schuss ins Netz, doch ein Abseitsurteil annullierte den Treffer. Ein Tag nach seinem 19. Geburtstag war der spanische Jungstar nicht der Torschütze des Abends, aber sein Auftritt setzte den Takt für alles Folgende.

Rajoys Provokation: „Keine Franzosen im Team“

Zwei Tage vor dem Halbfinale hatte Mariano Rajoy, Ministerpräsident Spaniens von 2011 bis 2018 und langjähriger Vorsitzender der konservativen Volkspartei PP, in der Zeitung El Debate einen Beitrag veröffentlicht. Er lobte die französische Nationalmannschaft als technisch hervorragend, merkte jedoch an, das Team bestehe aus keinen Franzosen. Der Satz war keine faktische Beobachtung. Er war ein Kommentar über Hautfarbe und Herkunft.

Die Reaktionen ließen nicht auf sich warten. Philippe Diallo, Präsident des französischen Fußballverbands FFF, schrieb auf X, Rajoys Aussagen seien „Beleg für unerträglichen Rassismus“. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez, politischer Gegner Rajoys, stellte sich öffentlich gegen seinen Landsmann: „Manche definieren Zugehörigkeit noch immer über Namen, Geburtsort oder Hautfarbe. Andere von uns definieren sie über die tiefe Bindung an ein Land und die Bereitschaft, für es einzutreten.“ Die französische Botschaft in Madrid brachte eine schlichte Zahl ins Gespräch: 23 der 26 Spieler im französischen WM-Kader wurden in Frankreich geboren, die drei im Ausland Geborenen sind ebenfalls Staatsbürger der Republik.

Yamal und Zaïre-Emery: Was Fußball über Integration sagen kann

Lamine Yamal, dessen Eltern aus Äquatorialguinea und Marokko stammen und der in Esplugues de Llobregat bei Barcelona geboren wurde, antwortete auf die Kontroverse vor dem Spiel knapp und klar: „Wenn Fußball etwas bewirken kann, dann Integration. Frankreich und wir sind beide Beispiele für Integration. Darum geht es im Fußball, nicht darum, die Aussagen anderer zu diskutieren.“

Warren Zaïre-Emery, Frankreichs 20-jähriger Mittelfeldspieler, dessen Vater Franck Emery aus der Pariser Banlieue stammt und dessen Mutter Gessie Zaïre martiniquanische Wurzeln hat, ergänzte: „Diese Mannschaft hat Spieler mit verschiedenen Hintergründen und Herkunftsländern. Wie das Land. Wir sind eine vereinte Gruppe, ein vereintes Team.“ Die Équipe Tricolore ist seit Jahrzehnten ein Symbol dafür, dass nationale Identität nicht an Abstammung gebunden ist. Mit dem WM-Triumph 1998, angeführt von Zinédine Zidane als Kind algerischer Einwanderer, prägte Frankreich das Bild einer integrativen Nationalmannschaft. Dass eine Stimme aus dem Nachbarland diese Identität 2026 aberkennen will, während Spanien selbst mit Yamal einen Spieler schickt, der diese Geschichte verkörpert, ist eine Pointe, die das Spiel schrieb.

141 Festnahmen in Paris nach dem Abpfiff

Das Ergebnis wurde in Frankreich nicht ohne Spannung aufgenommen. Nach dem Halbfinalaus wurden in der Nacht in Paris und der Île-de-France 141 Menschen festgenommen, vor allem wegen des Einsatzes von Feuerwerkskörpern gegen Polizisten und Rettungskräfte. Schwer Verletzte gab es nach Angaben der Pariser Polizeipräfektur keine. Die Behörden hatten sich vorbereitet: Zum Halbfinale am 14. Juli, dem Nationalfeiertag, mobilisierte Frankreich 70.000 Polizisten. Dass ausgerechnet an diesem Datum eine Niederlage gegen den direkten Nachbarn Spanien fiel, war für einen Teil der Anhänger offenbar schwer zu verarbeiten.

Sonntag in New Jersey: Spanien gegen England oder Argentinien

Spanien steht als erster Finalist der WM 2026 fest. Am heutigen Mittwoch (15. Juli) spielen England und Argentinien in Atlanta um den zweiten Finalplatz. Das Endspiel findet am Sonntag, 19. Juli, im MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey, statt.

Für Spanien wäre ein Sieg der zweite WM-Titel nach dem Triumph in Südafrika 2010. Trainer Luis de la Fuente hat mit seiner Mannschaft bisher jeden Gegner beherrscht. Die Kombination aus Yamals Einzelstärke, Oyarzabals Torinstinkt und Olmos Kreativität hat in diesem Turnier noch keine Antwort gefunden. Ob England oder Argentinien das ändern kann, entscheidet sich heute.

Quellen (8)

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