Albaniens Küste gegen Kushners Milliardenprojekt
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Albaniens Küste gegen Kushners Milliardenprojekt

Tausende Albaner demonstrieren in Tirana gegen ein geplantes Luxusresort von Jared Kushner auf der Adriainsel Sazan und der Vjosa-Narta-Lagune. Die albanische Antikorruptionsbehörde SPAK hat Ermittlungen wegen des Verdachts auf Korruption bei der Projektgenehmigung eröffnet.

3. Juni 2026, 4:59 Uhr 614 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ivanka Trump beschrieb die Adriainsel Sazan öffentlich als eine Insel, die ihre Familie entdeckt habe. Die Formulierung traf in Albanien einen Nerv: Sazan gehört dem albanischen Staat, war bis 2014 militärisches Sperrgebiet und ist Naturschutzgebiet. Das Zitat, das im Mai 2026 viral ging, verdichtet den Konflikt um ein geplantes Luxusresort, das Tausende Albaner seit Tagen auf die Straßen Tiranas treibt.

Was auf Sazan und an der Vjosa-Narta-Lagune entstehen soll

Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, plant über seine Investmentgesellschaft Affinity Partners ein Luxusresort im Wert von rund vier Milliarden Dollar. Das Projekt umfasst zwei Standorte: die unbewohnte Adriainsel Sazan, etwa 14 Kilometer vor der Hafenstadt Vlora, sowie das Küstengebiet Vjosa-Narta im Süden Albaniens. Vjosa-Narta ist ein international anerkanntes Feuchtgebiet mit Flamingobrutkolonien, Mittelmeer-Mönchsrobben und Seeschildkrötennistplätzen.

Geplant sind mehrere Tausend Hotelzimmer und Luxusvillen. Als Betreiber ist der Luxushotelbrand Aman Resorts vorgesehen, Investoren aus Katar sollen nach Medienberichten beteiligt sein. Den rechtlichen Boden bereitete die albanische Regierung 2024: Das Parlament änderte den Rechtsstatus mehrerer betroffener Grundstücke, die bis dahin als Schutzgebiete galten.

Kushners Investmentgesellschaft Affinity Partners wurde 2021 gegründet, unmittelbar nachdem er das Weiße Haus verlassen hatte. Der Fonds startete laut Bloomberg-Berichten mit rund zwei Milliarden Dollar, die überwiegend aus Saudi-Arabien stammten. Das albanische Vorhaben gilt als das bisher größte Einzelprojekt von Affinity und verbindet Kushners politische Kontakte in Südosteuropa mit dem saudischen Kapital, das seinen Fonds finanziert.

Warum Albaniens Premierminister das Projekt nicht bremst

Edi Rama, seit 2013 albanischer Premierminister, hat sich als entschiedener Befürworter positioniert. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Ratspräsident António Costa sagte er: "There is not a single chance it will be stopped for as long as I am here." Rama bezeichnet das Resort als Hebel, um Albanien zur bevorzugten Tourismusdestination der Region zu machen und rahmt es als "außerordentliche Investition" für das Land.

Kritiker werfen Rama vor, die Gesetzesänderungen von 2024 gezielt für das Projekt durchgesetzt zu haben. Zwei lokale Polizeibeamte wurden suspendiert, weil Videos ans Licht kamen, auf denen private Sicherheitskräfte Demonstranten körperlich angriffen. 15 Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen, zwei Lizenzen privater Sicherheitsunternehmen inzwischen entzogen.

Was die Proteste antreibt

Auslöser waren Baumaßnahmen ab Mai 2026: Stacheldrahtzäune sperrten den öffentlichen Strandzugang zur Sazan-Insel ab, in Küstenwäldern begannen Rodungsarbeiten. Ein Video, das zeigte, wie Sicherheitskräfte Umweltaktivisten schlugen, verbreitete sich viral und löste die erste Protestwelle aus. Seit dem 1. Juni demonstrieren täglich Tausende in Tirana. Der Slogan "Ivanka, geh nach Hause" richtet sich gegen Ivanka Trump, die das Projekt öffentlich vermarktet hat.

Der Widerstand kommt auch aus dem Ausland: 41 Umweltorganisationen aus 28 Ländern unterzeichneten einen offenen Brief an Rama, in dem sie das Projekt als direkte Bedrohung für die Biodiversität des Mittelmeerraums bezeichnen. Die Naturschutzorganisation EuroNatur fordert, Sazan vollständig aus dem Projekt herauszunehmen.

Korruptionsermittlung und EU-Beitritt

Das albanische Sonderamt gegen Korruption und organisierte Kriminalität (SPAK) hat eine Untersuchung eingeleitet. Gegenstand sind die Gesetzesänderungen von 2024: SPAK prüft, ob die Neuregelung des Rechtsstatus betroffener Grundstücke gezielt zugunsten des Kushner-Projekts vorgenommen wurde. Das wäre ein schwerwiegender Vorwurf gegen die Regierung Rama.

Albanien befindet sich seit 2022 in den EU-Beitrittsverhandlungen. Europäische Umweltstandards, zu denen der Schutz von Feuchtgebieten wie Vjosa-Narta gehört, sind Beitrittskriterien. Griechenland hat darauf hingewiesen, dass das Projekt unvereinbar mit europäischen Standards sein könnte. Bisher signalisiert Kushners Affinity Partners keine Bereitschaft, die Bauarbeiten zu unterbrechen.

SPAK-Ergebnis entscheidet über mehr als ein Resort

Die Ermittlung des Sonderamts dürfte in den kommenden Monaten zeigen, ob die Grundstücksreform von 2024 eine legitime Investitionsförderung war oder ein gezielt für Kushner eingerichtetes Gesetz. Sollte SPAK Anklage erheben, käme Premierminister Rama erheblich unter Druck: Eine Verurteilung würde Albaniens EU-Beitrittsprozess belasten, der von der Einhaltung rechtsstaatlicher und umweltrechtlicher Mindeststandards abhängt. Ob die Demonstrationen anhalten oder abklingen, hängt auch davon ab, ob SPAK sein Ermittlungstempo hält oder das Verfahren versandet.

Quellen (10)

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