Apple TV und HomePod mini warten auf Siri
Wer seit Jahren auf ein aktualisiertes Apple TV oder einen neuen HomePod mini wartet, bekommt nun eine Antwort und muss dennoch weitere Monate warten. Bloomberg-Analyst Mark Gurman berichtete Ende Mai, dass die neuen Modelle beider Geräte seit geraumer Zeit fertiggestellt seien. Die Verzögerung bis Herbst 2026 ist keine Lieferkettenpanne, sondern eine bewusste Entscheidung: Apple will die Hardware erst dann auf den Markt bringen, wenn iOS 27 mit einem grundlegend überarbeiteten, KI-gestützten Siri erscheint.
Dreieinhalb Jahre ohne Update: Die längste Pause seit Jahren
Das aktuelle Apple TV 4K (dritte Generation) erschien im November 2022. Der HomePod mini stammt in seiner aktuellen Form aus dem November 2020. In dieser Zeitspanne hat Amazon die Fire-TV-Plattform mehrfach überarbeitet, zuletzt mit dem Fire TV Stick HD und dem neuen KI-Assistenten Alexa+ für erheblich niedrigere Preise als Apples Gerät. Google aktualisierte seine Chromecast-Linie mit Google TV. Apple reagierte auf keine dieser Konkurrenzentwicklungen mit neuer Hardware.
Der aktuelle Apple TV 4K kostet in Deutschland mindestens 139 Euro; vergleichbare Streaming-Sticks von Amazon und Google sind für deutlich unter 50 Euro erhältlich. Apple hat diesen Preisunterschied nie wegkonkurriert, setzt stattdessen auf Ökosystembindung: Wer iPhone, iPad und Mac nutzt, lässt sich leichter auch für das Apple TV gewinnen. Doch selbst loyale Apple-Kunden haben ein Gerät mit einem Chip aus dem Jahr 2020 gekauft und seither keine Hardware-Neuigkeit erhalten.
A17 Pro im Wohnzimmer: Was die neuen Modelle bieten
Das neue Apple TV 4K soll laut Gurman und mehreren technischen Leaks den A17-Pro-Chip erhalten. Apple verbaute diesen Prozessor zuletzt in der iPhone-15-Pro-Serie im Herbst 2023. Entscheidend ist, was das technisch bedeutet: Der A17 Pro ist der leistungsschwächste Apple-Chip, der Apples KI-Plattform Apple Intelligence vollständig unterstützt. Mit diesem Prozessor kann das Apple TV KI-gestützte Anfragen teilweise direkt auf dem Gerät berechnen, ohne sie vollständig an Apples Server zu schicken. Das beschleunigt Reaktionszeiten und verbessert den Datenschutz.
Hinzu kommen Bluetooth 6 und Thread-Protokoll-Unterstützung. Thread ist ein Vernetzungsstandard für Smart-Home-Geräte, der ohne zentrale Brücke auskommt, niedrigen Stromverbrauch mit hoher Zuverlässigkeit kombiniert und Mesh-Netzwerke zwischen kompatiblen Geräten aufbaut. Apples HomeKit-Plattform setzt seit dem HomePod der zweiten Generation (2023) auf Thread als bevorzugten Standard für Hausautomation.
Der neue HomePod mini 2 soll laut HouseControllers und MacRumors einen aktualisierten Chip aus der S-Reihe erhalten, möglicherweise den S9 oder eine neue Variante, plus den N1-Chip für Konnektivität. Äußerlich neu ist eine rote Farbvariante, die erste in der HomePod-mini-Geschichte. Audio-Hardware und Gehäuseform bleiben nach bisherigen Berichten weitgehend unverändert. Die Siri Remote des Apple TV soll einem NotebookCheck-Leak zufolge ebenfalls überarbeitet werden, ohne dass Details zu Design oder Funktionen bekannt sind.
Warum Apple wartet: Siri muss erst KI lernen
Die Entscheidung, fertige Hardware zurückzuhalten, folgt einer Logik, die Apple aus schmerzhaften Erfahrungen entwickelt hat. Apple Intelligence, Apples KI-Plattform, erschien mit iOS 18.1 im Oktober 2024 zunächst nur auf Englisch und ausschließlich in den USA. In Deutschland war die Plattform wegen EU-Regulierung und Lokalisierungsaufwand erst Monate später verfügbar. Wer im Herbst 2024 ein iPhone 15 Pro kaufte und auf KI-Funktionen hoffte, wartete bis ins Frühjahr 2025.
Mit iOS 27 soll Siri grundlegend anders werden. Bisherige Berichte beschreiben einen Assistenten, der über mehrere Apps hinweg eigenständig handelt, Drittanbieter-Dienste tiefer einbindet und komplexere Aufgaben ohne explizite Schritt-für-Schritt-Anleitung ausführt. Wenn Apple TV und HomePod mini zusammen mit iOS 27 erscheinen, sollen sie diese Funktionen von Beginn an vollständig unterstützen, statt sie per Update nachzureichen.
Ob dieser Ansatz aufgeht, ist offen. Apple Intelligence hat bisher nicht alle Erwartungen erfüllt: Mehrere Funktionen die auf der WWDC 2024 angekündigt wurden, sind bis heute entweder nicht verfügbar oder deutlich eingeschränkter als versprochen. Mark Gurman, der Apples Produkte intensiv verfolgt, hat mehrfach darauf hingewiesen, dass Apples KI-Entwicklung hinter dem ursprünglichen internen Zeitplan liegt. Die WWDC 2026 am 8. Juni wird zeigen, wie weit iOS 27 tatsächlich kommt.
8. Juni als Schlüsseldatum für Herbst-Käufe
Die Worldwide Developers Conference am 8. Juni 2026 in Cupertino wird voraussichtlich keine Hardware-Ankündigungen enthalten. Apple präsentiert dort iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 als Preview für Entwickler. Der öffentliche Software-Release folgt typischerweise im September; neue Hardware wird erfahrungsgemäß kurz danach oder zeitgleich angekündigt.
Für Kaufinteressenten bedeutet das eine klare Empfehlung: Wer einen Apple TV oder HomePod mini kaufen möchte, sollte mindestens bis nach dem 8. Juni warten. Nach der WWDC ist klar, was der neue Siri konkret leisten wird und ob Apple damit Amazon Alexa+ und Google Assistant auf Smart-Home-Geräten einholen kann. Wenn iOS 27 überzeugt, bekommen die neuen Geräte ihre wichtigste Rechtfertigung. Wenn es nicht überzeugt, ist die dreieinhalbjährige Wartezeit am Ende eine Niederlage für die Hardware, die Pause hätte füllen sollen.
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