Neuer zurück: Nagelsmann wählt ihn vor WM
Gesellschaft

Neuer zurück: Nagelsmann wählt ihn vor WM

Manuel Neuer kehrt mit 40 Jahren zur Nationalmannschaft zurück und verdrängt Oliver Baumann als Stammtorwart bei der WM 2026. Nagelsmann informierte Baumann persönlich und löste die schärfste Diskussion vor dem Turnier aus.

19. Mai 2026, 22:40 Uhr 755 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Als Manuel Neuer am 21. August 2024 nach 124 Länderspielen als Stammtorhüter des DFB-Teams zurücktrat, schien die Frage des Nachfolgers geklärt. Oliver Baumann, 35, TSG Hoffenheim, führte die Nationalmannschaft ohne Gegenrede durch die gesamte WM-Qualifikation. Nun hat Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn persönlich angerufen, um ihm mitzuteilen, dass Neuer, jetzt 40 Jahre alt, als Nummer eins nach North Carolina fährt.

Baumann hat die Qualifikation bestritten, Neuer bekommt die WM

Die Entscheidung ist sportlich und symbolisch zugleich. Baumann bestritt alle Qualifikationsspiele als Stammtorhüter, zeigte dabei eine solide Leistung und hatte kein Turnier verloren, keine Schwäche gezeigt, die eine Ablösung sportlich erklären würde. Trotzdem wählte Nagelsmann Neuer und damit eine Rückkehr, die in der deutschen Torwartdiskussion eine lange Tradition hat: Marc-André ter Stegen wartete über Jahre hinter Neuer und bekam seinen Platz nie wirklich. Nun wartet Baumann.

Nagelsmann informierte Baumann vor der Kadernominierung persönlich per Telefon. Der Hoffenheimer reagierte laut Medienberichten bemerkenswert ruhig und erklärte sich bereit, als Nummer zwei in die USA zu reisen. Alexander Nübel (VfB Stuttgart) soll als dritter Torhüter nominiert werden. Der frühere Nationaltorhüter Jens Lehmann nannte die Entscheidung einen Vertrauensbruch gegenüber Baumann, der die Nummer eins durch die Qualifikationsleistungen verdient habe.

Was Neuer anbietet, das Baumann sportlich nicht hat, lässt sich kaum messen. Neuer blieb in dieser Saison bei Bayern München leistungsmäßig auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Nagelsmann setzt auf Erfahrung in K.o.-Spielen auf höchstem Niveau und auf den Mythos eines Torwarts, der für Deutschland in 124 Spielen einmal Weltmeister und zweimal Vizeweltmeister wurde. Das ist ein Argument für die Psychologie der Mannschaft, kein sportliches Argument gegen Baumann.

Der Weg nach Winston-Salem: Trainingslager und Testspiele

Den offiziellen Kader gibt Nagelsmann am 21. Mai um 13 Uhr auf dem DFB-Campus in Frankfurt bekannt. Als gesicherte Rückkehrer gelten Kai Havertz und Pascal Groß. Anton Stach von Leeds United soll trotz früherer skeptischer Kommentare Nagelsmanns nominiert werden. Lennart Karl von Bayern München könnte als Neuling in den Kader kommen.

Das Trainingslager beginnt am 27. Mai in Herzogenaurach auf dem adidas Homeground und läuft bis zum 30. Mai. Am 31. Mai tritt Deutschland in Mainz gegen Finnland an, dem einzigen Heimspiel vor dem Turnier. Am 1. Juni fliegt das Team nach Chicago, wo bis zum 6. Juni ein zweites Lager stattfindet. Anschließend ist ein Testspiel gegen Gastgeber USA angesetzt.

Das Basisquartier für die gesamte WM ist das Graylyn Estate in Winston-Salem, North Carolina, eine 55 Hektar große historische Anlage aus dem Jahr 1932 auf dem Campus der Wake Forest University. Trainiert wird auf dem Sportgelände der Universität. Winston-Salem liegt rund 90 Autominuten von Charlotte; die Entscheidung für diesen Standort wurde im Januar 2026 bekannt gegeben.

Gruppe E: Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador

Deutschland trifft in der Vorrunde auf drei Mannschaften, die sportlich unterschiedlich zu bewerten sind. Das erste Gruppenspiel am 14. Juni gegen Curaçao in Houston gilt als Pflichtaufgabe: Die Karibik-Insel qualifizierte sich erstmals für eine WM-Endrunde. Anspruchsvoller wird es am 20. Juni gegen die Elfenbeinküste in Toronto, die über mehrere Champions-League-Spieler verfügt. Das dritte Gruppenspiel am 25. Juni gegen Ecuador in East Rutherford entscheidet über Gruppenplatz und Ausrichtung im Achtelfinale.

Nagelsmann beschrieb die Gruppe als handhabbar, aber nicht einfach und positionierte Deutschland ausdrücklich nicht als Topfavoriten. Nur bedingt titelreif sagte der Bundestrainer, eine ungewöhnlich vorsichtige Selbsteinschätzung, die mit der sportlichen Realität übereinstimmt: Frankreich, Spanien, Brasilien und England gelten als stärker eingeschätzte Kandidaten. Das Viertelfinale der Europameisterschaft 2024 bleibt das letzte greifbare internationale Ergebnis.

21. Mai: Kader und was Nagelsmann noch schuldet

Zwei Tage vor der Kadernominierung ist die Torwartfrage beantwortet, andere nicht. Wer füllt das defensive Mittelfeld hinter Havertz und Groß? Welche Außenstürmer bekommen die Plätze neben Florian Wirtz? Wie geht Nagelsmann mit der Mittelfelddichte um, wenn Stach und Groß zugleich im Kader stehen?

Nagelsmann hat mit der Neuer-Entscheidung eine Vorabaussage gemacht, die Erwartungen weckt: Er vertraut auf den Erfahrungsvorsprung in Drucksituationen. Ob das zutrifft, muss Neuer am 14. Juni gegen Curaçao nicht beweisen, aber spätestens in Toronto und East Rutherford, wenn es enger wird. Baumann wird zusehen. Die Qualifikation war seiner, der Platz ist Neuers.

Quellen (8)

Kommentare