Erdbeben 7,8 erschüttert Mindanao: 37 Tote, Tsunami
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Erdbeben 7,8 erschüttert Mindanao: 37 Tote, Tsunami

Am 8. Juni erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,8 die Insel Mindanao im Süden der Philippinen. Mindestens 37 Menschen starben, mindestens 479 wurden verletzt. Ein Tsunami traf die Küste. Es war das stärkste Beben auf den Philippinen seit 1990.

9. Juni 2026, 5:06 Uhr 810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Um 7:37 Uhr Ortszeit riss ein Riss im Meeresgrund vor der Küste der Provinz Sarangani auf und setzte die Energie eines 7,8er-Bebens frei. In der Stadt General Santos, 722.000 Einwohner, kollabierten Gebäude. In Mindanao sollten an diesem Montag 3,2 Millionen Kinder ihren ersten Schultag des Jahres antreten. Das Beben war das stärkste auf den Philippinen seit 1990.

7:37 Uhr: Das Beben trifft Sarangani

Das Epizentrum lag laut dem philippinischen Seismologieinstitut PHIVOLCS rund 26 Kilometer westsüdwestlich des Ortes Kablalan in der Provinz Sarangani, Region Soccsksargen. Die Tiefe wurde mit 33 Kilometern angegeben, flach genug für massive Erschütterungen an der Oberfläche. Mehr als 200 Nachbeben folgten in den nächsten Stunden, das stärkste erreichte Magnitude 6,7.

PHIVOLCS registrierte an der Messstelle General Santos die Intensitätsstufe VII auf seiner nationalen Skala, die Kategorie „Zerstörerisch“. Das bedeutet: Gebäude ohne erdbebensichere Konstruktion können kollabieren und genau das geschah. Die US-amerikanische Erdbebenbehörde USGS meldete ebenfalls eine Magnitude von 7,8 und bezeichnete die Erschütterung als die stärkste in der Region seit Jahrzehnten.

Bis 9:37 Uhr: Tsunamiwarnungen für vier Länder

PHIVOLCS gab unmittelbar nach dem Beben eine Tsunamiwarnung heraus und meldete, Wellenhöhen von mehr als einem Meter über dem normalen Gezeitenniveau seien entlang der betroffenen Küsten zu erwarten. Das Zeitfenster für die erste Welle: zwischen 7:37 und 9:37 Uhr Ortszeit. Die Behörde weitete die Warnung auf Indonesien, Malaysia und Japan aus.

In den Küstenabschnitten der Provinzen Sultan Kudarat und Sarangani wurden Wellen von etwa einem Meter gemessen. An der Küste des Ortes Kiamba in Sarangani registrierten Sensoren eine maximale Wellenhöhe von 1,4 Metern. Berichte über Tsunamischäden in mindestens einem Küstendorf lagen vor. Nach mehr als sechs Stunden hoben die Behörden die Warnungen für die Philippinen, Nordteile Indonesiens und den malaysischen Bundesstaat Sabah auf. Eine Tsunamiempfehlung für Japans Südsküste blieb zunächst bestehen.

General Santos: Einsturz, evakuiertes Krankenhaus, Erdrutsche

General Santos trug die Hauptlast der Schäden. In dem dreigeschossigen Gebäude, das eine Jollibee-Filiale und ein Radiostudio von Love Radio beherbergte, stürzten Etagen ein. Das St.-Elizabeth-Krankenhaus wurde stark beschädigt und musste evakuiert werden. In der Provinz Sarangani löste das Beben einen Erdrutsch in Glan aus, der nach Behördenangaben 14 Menschen tötete. Landesweit stieg die Todesopferzahl auf mindestens 37, mindestens 479 Menschen wurden verletzt, überwiegend durch einstürzende Decken und zusammenbrechende Mauern.

Präsident Ferdinand Marcos Jr. ordnete die Schließung aller Schulen in den betroffenen Gebieten an. Damit traf der Erlass genau jene 3,2 Millionen Schülerinnen und Schüler, die an diesem Montag ihren ersten Schultag des Schuljahres 2026 hätten antreten sollen. Auch 128.000 Lehrerinnen und Lehrer konnten nicht in ihre Schulen. Die nationalen Katastrophenschutzbehörden koordinierten Bergungsarbeiten in den zerstörten Bereichen, während Nachbeben die Arbeit der Helfer erschwerten.

3,2 Millionen Schüler und der ausgefallene erste Schultag

Die Überschneidung des Bebens mit dem ersten Schultag vergrößerte den Schaden in einer Weise, die über das Materielle hinausgeht. Schulgebäude, die an normalen Tagen leer stehen, waren in diesem Moment mit Kindern und Personal belegt oder im Begriff, gefüllt zu werden. Viele Familien waren auf dem Weg zur Schule, als das Beben einschlug. Berichte über Kinder, die von umstürzenden Schulgebäudemauern eingeschlossen wurden, kamen aus mehreren Gemeinden, darunter einer Schule in Matanao.

Für die philippinische Regierung ist die Schulöffnung nach monatelangen Ferien ein logistisch aufwendiges Ereignis. Die nationale Katastrophenschutzbehörde NDRRMC koordinierte nach dem Beben nicht nur Rettungsmaßnahmen, sondern auch die Evakuierung von Schulgebäuden, deren baulicher Zustand nach dem Beben unklar war. In General Santos richteten Behörden provisorische Sammelstellen für Evakuierte ein.

Mindanao am Pazifischen Feuerring

Die Philippinen gehören zu den seismisch aktivsten Regionen der Erde. Das Archipel liegt an der Westflanke des Pazifischen Feuerrings, wo die Philippinische Meeresplatte unter die Eurasische Platte taucht. Allein auf Mindanao gibt es mehrere aktive Verwerfungszonen, darunter den Cotabato-Graben südlich der Insel, aus dessen Umfeld das Beben vom 8. Juni stammt.

Das bisher stärkste Beben in der Region war 1976 das Moro Gulf-Erdbeben mit Magnitude 7,9 und einem Tsunami, der mehrere tausend Menschen tötete. Seither hat die Philippinen-Regierung das Frühwarnsystem ausgebaut. PHIVOLCS konnte die Tsunamiwarnung am 8. Juni innerhalb weniger Minuten ausgeben. Ob die Bevölkerung in den Küstenorten schnell genug reagieren konnte, hängt in erster Linie davon ab, wie gut Evakuierungsrouten bekannt und zugänglich sind.

Das Erdbeben vom 8. Juni ist das stärkste auf den Philippinen seit dem 1990er-Luzon-Beben (Magnitude 7,7, mehr als 1.600 Tote). Für Mindanao ist es der dritte schwere Erdbebentag seit 2019, als eine Erdbebenserie im Oktober und Dezember mit Magnituden bis 6,9 mehr als 30 Menschen tötete und 200.000 obdachlos machte. Die Region ist nicht unvorbereitet, aber strukturell gefährdet, solange der Großteil der Gebäude in Sarangani und den angrenzenden Provinzen ohne erdbebensichere Konstruktion errichtet wurde.

Quellen (8)

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