Neue Euroscheine: Marie Curie statt Architektur
Wirtschaft

Neue Euroscheine: Marie Curie statt Architektur

Mehr als 20 Jahre hat die Euro-Banknote das gleiche Design behalten. Jetzt läuft der EZB-Wettbewerb für neue Scheine auf Hochtouren: Marie Curie auf dem 20er, Beethoven auf dem 10er. Wie der Designwettbewerb funktioniert und wann neue Scheine kommen.

8. Mai 2026, 2:41 Uhr 699 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wer in Deutschland mit Scheinen zahlt, hat seit 2002 dieselben Bilder in der Hand: Fenster, Tore, Brücken. Die erste Euro-Banknotengeneration zeigte bewusst keine echten Gebäude und keine realen Personen, um Streit über nationale Repräsentation zu vermeiden. Dieses Prinzip endet jetzt. Die Europäische Zentralbank hat einen Designwettbewerb gestartet, dessen Einreichungsfrist im April 2026 abgelaufen ist. Zur Wahl stehen zwei Themen: historische Persönlichkeiten oder Vögel und Flüsse. Marie Curie, Ludwig van Beethoven und Leonardo da Vinci könnten bald auf europäischem Bargeld landen.

Was die EZB entschieden hat und was noch offen ist

Im Juli 2025 startete die EZB offiziell den Designwettbewerb. Bis Ende April 2026 konnten professionelle Designerinnen und Designer Entwürfe einreichen. Im Sommer 2026 wählt eine Jury bis zu zehn Finalentwürfe aus, fünf pro Thema. Danach kommt eine öffentliche Befragung der Bevölkerung in den Euroländern. Ende 2026 entscheidet der EZB-Rat auf Basis dieser Rückmeldungen, welches Design gewählt wird und welches Thema zum Zuge kommt.

Die Nennwerte 5, 10, 20, 50, 100 und 200 Euro bleiben unverändert. Auch die Größen und die charakteristischen Grundfarben sollen nach aktuellem Planungsstand erhalten bleiben. Was sich ändert: die Motive auf der Vorderseite und Rückseite sowie die Sicherheitsmerkmale, die an den Stand der Drucktechnik angepasst werden.

Zwei Themen, sechs prominente Namen

Beim Thema „Europäische Kultur“ sind konkrete Persönlichkeiten pro Nennwert vorgeschlagen: Auf dem 5-Euro-Schein würde Maria Callas abgebildet, auf dem 10-Euro-Schein Ludwig van Beethoven, auf dem 20-Euro-Schein Marie Curie, auf dem 50-Euro-Schein Miguel de Cervantes, auf dem 100-Euro-Schein Leonardo da Vinci und auf dem 200-Euro-Schein Bertha von Suttner, die österreichische Friedensnobelpreisträgerin. Diese Zuordnung ist kein Vorabergebnis, sondern der Vorschlag für den Wettbewerb. Die konkrete Gestaltung liegt bei den teilnehmenden Designerinnen und Designern.

Das alternative Thema „Flüsse und Vögel: Stark durch Vielfalt“ setzt auf ökologische Motive: Eisvogel, Weißstorch und Mauerläufer in Naturlandschaften. Die EZB hat dieses Thema nach der ersten öffentlichen Konsultation 2024 als Option aufgenommen, weil ein erheblicher Teil der Bevölkerung Natur- statt Personenmotive bevorzugte.

Warum erst jetzt

Die aktuelle Euro-Banknotenserie, die sogenannte Europa-Serie, wurde 2013 eingeführt und löste die ersten Euro-Scheine ab, die 2002 in Umlauf kamen. Eine Banknote hat eine durchschnittliche Lebensdauer von wenigen Jahren im Umlauf, wird aber als Modell weit länger gedruckt. Eine Neugestaltung ist kein technischer Notfall, sondern eine politische Entscheidung über die visuelle Identität der Eurozone. Dass die EZB 2023 den Prozess startete, hat auch damit zu tun, dass die Eurozone seit 2002 erheblich gewachsen ist und das Gemeinschaftsprojekt neuer visueller Verankerung bedarf.

Die Wahl von Persönlichkeiten anstelle anonymer Architektur ist politisch nicht trivial. Curie ist Polin und Französin, Beethoven Deutscher, Cervantes Spanier, da Vinci Italiener, Callas Griechisch-Amerikanerin, von Suttner Österreicherin. Jede Auswahl kann als Versuch gelesen werden, bestimmte nationale Beiträge zur europäischen Kultur zu betonen und andere wegzulassen. Das erklärt, warum die EZB die öffentliche Konsultation als zentrales Element des Prozesses behandelt.

Wann die neuen Scheine kommen

Selbst wenn Ende 2026 eine Entscheidung fällt, liegt das Datum für echte neue Scheine im besten Fall bei 2029 oder 2030. Zwischen Designentscheidung und Ausgabe liegen Druckvorbereitungen, die Herstellung von Sicherheitsmerkmalen, die Zertifizierung und die Koordination der nationalen Zentralbanken. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ändert sich zunächst nichts. Die aktuellen Scheine bleiben bis auf Weiteres gültiges Zahlungsmittel.

In der Zwischenzeit läuft die Abstimmung über die Finalisten. Die EZB hat angekündigt, die Ergebnisse der öffentlichen Befragung transparent zu veröffentlichen. Wer mitentscheiden möchte, welches Gesicht der Euro künftig trägt, bekommt im Herbst 2026 voraussichtlich die Gelegenheit dazu.

Quellen (5)

Kommentare