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Räder, die Schubabsicht erkennen: Uni Saarland auf Hannover Messe

Räder, die Schubabsicht erkennen: Uni Saarland auf Hannover Messe

Forscher der Universität des Saarlandes zeigen auf der Hannover Messe Antriebsräder, die Bewegungsabsichten erkennen, ohne auf externe Sensoren angewiesen zu sein. Die Technologie könnte Pflege, Kliniklogistik und Alltagsmobilität entlasten.

17. April 2026, 8:46 Uhr 690 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ein Kinderwagen, der den Schubimpuls des Elternteils erkennt und automatisch unterstützt. Ein Klinikbett, das Pflegekräfte beim Schieben entlastet, ohne dass zusätzliche Knöpfe oder Bedienelemente nötig sind. Forschern der Universität des Saarlandes ist eine Technologie gelungen, die genau das ermöglicht: intelligente Antriebsräder, die Bewegungsabsichten aus Motorkenndaten erkennen, ganz ohne externen Sensorgriff. Ab dem 20. April zeigen sie auf der Hannover Messe.

Das Prinzip: Messen statt Fühlen

Das Team um Prof. Matthias Nienhaus hat Antriebsräder entwickelt, die auf externe Sensoren im Griff vollständig verzichten. Stattdessen werten sie Motorkenndaten aus: Wenn jemand ein Gerät anschiebt, verändert sich die Belastung auf den Motor minimal. Die Software interpretiert diese winzige Abweichung als Absicht und gibt Schubkraft dazu.

Der wissenschaftliche Ansatz basiert auf Methoden der sensorlosen Motorsteuerung, die in der Elektromotorenfertigung seit Jahrzehnten bekannt sind. Nienhaus' Team hat sie auf mobile Anwendungen übertragen. Die Kernidee: Jeder Elektromotor misst im Betrieb seine eigene Stromaufnahme und Drehzahl. Aus diesen Messwerten lässt sich hochgenau berechnen, welche externe Kraft auf das Rad einwirkt. Diese Kraft ist das Signal, das System als Schubabsicht interpretiert.

Bisherige Lösungen für motorunterstützte Schubgeräte verlassen sich auf Sensoren im Griff, die Druck oder Berührung messen. Diese Sensoren erhöhen die Komplexität, brauchen Kalibrierung und sind wartungsintensiv. Die Räder aus Saarbrücken kommen ohne diese Komponente aus.

Anwendungen vom Rollstuhl bis zum Transportwagen

Die Einsatzmöglichkeiten sind breit. Das Forschungsteam demonstriert auf der Hannover Messe unter anderem Klinikbetten, die auch bei voller Beladung leicht zu manövrieren sind, Transportwagen für die Logistik und assistive Mobilgeräte für Menschen mit eingeschränkter Kraft. Die Systeme sind aktuell für Gewichte bis 100 Kilogramm ausgelegt. Für schwerere Anwendungen wie besetzte Krankenhausbetten wird an Erweiterungen gearbeitet.

Warum das für die Pflege relevant ist

In Deutschland wurden 2024 rund 5,6 Millionen Pflegebedürftige gezählt. Der Bedarf an Technik, die körperlich belastende Arbeit abnimmt, ist in der Pflege besonders hoch. Rückenerkrankungen zählen bei Pflegekräften zu den häufigsten Berufserkrankungen, verursacht durch das tägliche Schieben und Wenden schwerer Lasten.

Der entscheidende Vorteil der neuen Räder ist die Intuitivität. Wer ein Gerät damit bedient, muss nichts einlernen. Der normale Schubimpuls reicht. Das macht die Technologie zugänglich für Menschen, die mit komplexer Elektronik wenig vertraut sind, also etwa älteres Pflegepersonal oder Angehörige.

Vom Labor zum Produkt

Die Technologie ist nicht mehr nur Forschungsprojekt. Nienhaus und sein Team haben das Spin-off WELLGO-Systems GmbH gegründet, um die Räder zur Marktreife zu bringen. Das Unternehmen ist damit ein Beispiel für den Weg, den Hochschulforschung in Deutschland zunehmend nehmen soll: vom Labor direkt in eine kommerzielle Anwendung.

Die Hannover Messe ist dabei keine zufällige Plattform. Sie ist die weltweit größte Industriemesse und gilt als Bühne für technologische Durchbrüche in Automatisierung und Maschinenbau. Das Team präsentiert in Halle 11, Stand D41. Nach der Messe plant WELLGO-Systems erste Pilotprojekte mit Gesundheitseinrichtungen und Industriekunden. Eine Markteinführung konkreter Produkte ist für 2027 angestrebt.

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