Indien überholt USA: Platz 2 im Solarmarkt
Indien wird 2026 erstmals mehr neue Solarkapazität installieren als die USA und damit die Vereinigten Staaten als zweitgrößten Jahressolarmarkt überholen. Mit 14,4 Gigawatt neuer Kapazität allein im ersten Quartal liegt Indien nach IEEFA-Daten 85,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Hinter Indiens Aufstieg steckt staatliche Entschlossenheit; hinter dem US-Rückgang steckt eine Subvention, die ohne Übergangsfrist wegfiel.
Wie Indien 150 Gigawatt aufbaute
Als Premierminister Manmohan Singh 2010 die Jawaharlal Nehru National Solar Mission startete, hatte Indien rund ein Gigawatt installierte Solarkapazität. Das Ziel war bescheiden: 20 GW bis 2022. Als Narendra Modi 2015 die Latte auf 100 GW anhob, galt das als unrealistisch. Im Januar 2025 war das Ziel erreicht. Bis Ende März 2026 stieg die Gesamtkapazität laut dem Energieinstitut IEEFA auf 150 Gigawatt, davon 110,4 GW Großanlagen, 25,7 GW Dachsolar und 14,1 GW aus dem Agrarprogramm PM-KUSUM.

Zentrales Instrument ist das Programm PM-KUSUM, das Millionen Landwirten Solaranlagen zur Bewässerung finanziert, mit einem Ziel von 34.800 Megawatt und staatlicher Förderung von 34.422 Crore Rupien. Die Regierung verdoppelte die Mittel im Haushalt 2026 nahezu. Hinzu kommt PM Surya Ghar, das zehn Millionen Haushalte mit Dachsolar ausstatten soll und bereits rund zehn Gigawatt neue Kapazität gebracht hat. Ein Production Linked Incentive-Programm mit rund 19.500 Crore Rupien fördert zudem den Aufbau eigener Modulproduktion.
Warum die USA 2026 zurückfallen
In den USA fällt die projizierte Jahreskapazität 2026 um 14 Prozent auf 44 Gigawatt. Der Hauptgrund ist die abrupte Streichung der steuerlichen Förderung für privates Dachsolar durch den sogenannten One Big Beautiful Bill Act. Die Steuervergünstigung nach Section 25D, die Haushaltskäufer bis zu 30 Prozent der Anlagenkosten erstattet hatte, wurde zum 1. Januar 2026 ohne jede Übergangsregelung beendet.
Gewerbliche Anlagen können zwar weiter Steuervorteile nutzen, aber unter verschärften Bedingungen: Ab 2026 müssen 40 Prozent des Systemwerts aus Ländern stammen, die nicht als Foreign Entity of Concern eingestuft sind, ein Anteil der bis 2030 auf 60 Prozent steigt. Gleichzeitig schafft die Handelspolitik der Trump-Regierung Unsicherheit bei Rohstoffimporten. Der Solarverband SEIA beschreibt die Lage als "Sturm aus Bundespolitik und Handelsrisiken".
Was das für die globale Energiewende bedeutet
China bleibt die dominierende Solarmacht. Für China ist 2026 nach BloombergNEF-Zahlen eine Jahresinstallation von 321 Gigawatt prognostiziert, was trotz eines Rückgangs von 14 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2025 den Rest der Welt bei weitem übertrifft. Die globale Hierarchie im Solarmarkt lautet ab 2026: China mit großem Abstand, dahinter Indien, dann die USA.

Für Schwellenländer hat Indiens Aufstieg Signalwirkung. Er zeigt, dass massiver Solarausbau ohne die technologische Ausgangslage etablierter Industrienationen gelingt. Nach IEEFA-Daten hat sich der Solarstrompreis in Indien seit 2015 um rund 80 Prozent reduziert. Was Indien schafft, eröffnet auch für Länder in Subsahara-Afrika, Südostasien und Lateinamerika einen realistischen Entwicklungspfad ohne fossile Infrastruktur.
Im Vergleich: Wie andere Länder Solar aufgebaut haben
Zum Vergleich: Deutschland baute zwischen 2010 und 2012 mit dem EEG rund 20 Gigawatt neue Solarkapazität auf, was damals als Rekordtempo galt. Indien übertraf diesen Wert in einem einzigen Quartal. Weltweit wuchs die installierte Solarkapazität von rund 40 Gigawatt im Jahr 2010 auf über 4.000 Gigawatt bis 2025, ein Hundertfaches in fünfzehn Jahren.
Japan skalierte nach der Fukushima-Katastrophe 2011 seinen Solarmarkt mit staatlicher Einspeisevergütung von unter zwei Gigawatt (2011) auf über 80 Gigawatt (2023). Als die Vergütung auslief, flachte das Wachstum ab. Dieses Muster zeigt sich jetzt auch in den USA: Förderabbrüche wirken schnell und stark. Indien geht den umgekehrten Weg und weitet seine Programme aus.
Netzausbau, Solarstau und DISCOMs: Die drei offenen Hürden
Das Investmenthaus JM Financial warnt, verschärfte Leistungsstandards und Finanzierungsprobleme würden kleinere Modulproduzenten aus dem Markt drängen. Tiefer liegt das Strukturproblem in der Wertschöpfungskette: Indien assembliert exzellent Module, fertigt aber kaum Solarzellen oder Wafer selbst und bleibt abhängig von chinesischen Vorprodukten. Das Bundesministerium MNRE empfiehlt Banken bereits, bei Krediten für neue Modulfertigungsanlagen Vorsicht walten zu lassen.
Hinzu kommt die Finanznot der staatlichen Stromverteiler. Indiens Stromverteilungsunternehmen (DISCOMs) tragen nach MNRE-Daten kumulierte Verluste von 7,08 Billionen Rupien, die jährlich um acht Prozent wachsen. Sie scheuen langfristige Solarlieferverträge, was Projekte verzögert. Gleichzeitig erzeugen Solaranlagen tagsüber mehr Strom als die Netze aufnehmen können, was in mehreren Bundesstaaten zu erheblichem Energiestau führt. Der Ausbau der Stromnetze ist Indiens größte Engstelle für die nächste Phase des Solarwachstums.
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