Drohne trifft AKW: Trump droht Iran mit Vernichtung
Am Sonntagvormittag trafen drei Drohnen das Gelände des Kernkraftwerks Barakah in Abu Dhabi. Zwei wurden von der emiratischen Luftverteidigung abgeschossen. Die dritte traf einen außenliegenden Generator, löste einen Brand aus und versetzte einen Reaktor kurzzeitig auf Notstromdiesel. Verletzt wurde niemand, Strahlung trat nicht aus. Die IAEA sprach von ernsten Bedenken. Niemand bekannte sich, die Vereinigten Arabischen Emirate nannten als Herkunftsrichtung die westliche Grenze, die zum Iran zeigt.
Wenige Stunden später postete Donald Trump auf Truth Social: For Iran, the Clock is Ticking, and they better get moving, FAST, or there won't be anything left of them. TIME IS OF THE ESSENCE! Als zweiten Post schrieb er: It Was The Calm Before The Storm. 24 Stunden zuvor hatte Trump noch gesagt, die USA und Iran seien nah dran, vielleicht einen Deal zu machen.
Wie die Waffenruhe aussieht, die noch gilt
Der Waffenstillstand vom 8. April ist formal in Kraft. In der Praxis beschrieb Trump ihn am 11. Mai selbst als auf massive life support befindlich. Die Straße von Hormus bleibt faktisch gesperrt: Weniger als zehn Schiffe pro Tag passieren die Meerenge, vor dem Konflikt waren es mehr als hundert. Rund 1.500 Schiffe warten auf Durchfahrt. Brent-Rohöl kostet 105 Dollar je Barrel.
Irans 14-Punkte-Friedensplan, den Trump Anfang Mai als Abfall zurückgewiesen hatte, fordert als Voraussetzung für Nuklearverhandlungen zunächst ein Ende des Krieges und den Rückzug amerikanischer Streitkräfte. Washington besteht auf dem umgekehrten Weg: zuerst Demontage der Urananreicherung, dann Waffenstillstand. Diesen Sequenzierungsstreit hat auch Irans 30-Tage-Frist nicht aufgelöst. Sie ist unbeantwortet verstrichen.
Was am Sonntag die Wende brachte
Drei Entwicklungen trafen am 17. Mai zusammen. Erstens der Drohnenangriff auf Barakah, das erste Kernkraftwerk auf der Arabischen Halbinsel. Saudi-Arabien und Katar verurteilten den Angriff als Bedrohung der regionalen Sicherheit. Der Angriff, ob von Iran ausgeführt oder nicht, fügte sich in ein Muster, das seit Kriegsbeginn andauert: Iran hat die Emirate wiederholt mit Drohnen und Raketen angegriffen, auch nach dem April-Waffenstillstand.
Zweitens: Trump hatte unmittelbar zuvor Xi Jinping getroffen. Laut Trump stimmte Xi zu, Iran dürfe keine Atomwaffen besitzen und die Straße von Hormus müsse offenbleiben. Das war diplomatisch bedeutsam. China ist einer der wenigen Staaten, über die Iran noch Außenhandel abwickeln kann. Xis Zustimmung zu den amerikanischen Kernforderungen schwächte Irans wichtigstes verbliebenes Druckmittel.
Drittens: Trump telefonierte am selben Tag mit Benjamin Netanyahu. Dieser beschrieb die Lage als Eyes wide open und betonte, Israel sei auf alle Szenarien vorbereitet. Für Mittwoch, den 20. Mai, hat Trump ein Treffen im Situation Room angesetzt, um militärische Optionen zu besprechen.
Die Drohung und ihre Grenzen
Trump hat den Einsatz von Atomwaffen gegen Iran explizit ausgeschlossen. Am 23. April sagte er, die USA hätten Iran bereits auf konventionellem Weg dezimiert und eine Atomwaffe dürfe von niemandem eingesetzt werden. Der Post vom 17. Mai ließ diese Linie offen. Er nannte keine konkrete Frist und keine spezifischen Mittel.
PBS News analysierte, dass Trump in diesem Konflikt bereits dreimal Fristen gesetzt und sie anschließend verzögert hat. Der außenpolitische Berater Karim Sadjadpour ordnete Trumps Rhetorik als kalkulierte Ambiguität ein: Der Tonfall wechselt täglich, um den Gesprächspartner in Unsicherheit zu halten. Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte danach, Teheran könne den Amerikanern überhaupt nicht vertrauen. IRGC-Sprecher Shekarchi drohte mit neuen, aggressiven und überraschenden Szenarien für den Fall eines US-Angriffs.
Situation Room entscheidet am Mittwoch
Am Mittwoch, den 20. Mai trifft sich Trumps Sicherheitskabinett im Situation Room, um militärische Optionen für den Fall eines endgültigen Scheiterns der Verhandlungen zu besprechen. Das ist keine Entscheidung über einen Angriff, sondern Planung für mehrere Szenarien. Oman und Pakistan vermitteln weiterhin zwischen Washington und Teheran.
Was Barakah für die Region bedeutet, ist unabhängig davon, wer die Drohnen geschickt hat: Das Kernkraftwerk liegt 80 Kilometer von Abu Dhabi entfernt und liefert rund 25 Prozent des emiratischen Strombedarfs. Ein gezielter Angriff auf die Reaktoren selbst würde eine andere Dimension erreichen. Dass die IAEA sofort reagierte, zeigt, wie nah diese Grenze in den Blickpunkt gerückt ist.
Aktualisierungen
Update 25. Mai, 13:05 Uhr: Das US-Sicherheitskabinett trat wie angekündigt am 20. Mai zusammen, entschied sich jedoch gegen einen Militärschlag. Die diplomatische Option wurde weiterverfolgt: Operation „Project Freedom", ab dem 4. Mai eskortierten US-Kriegsschiffe festsitzende Handelsschiffe aus dem Persischen Golf, wurde nach einem Tag auf gegenseitigen Wunsch ausgesetzt, um Verhandlungsraum zu erhalten. Als Außenminister Rubio am 23. Mai eine Einigung „in den nächsten Stunden" ankündigte, blieb eine Unterzeichnung aus. Trump stellte auf Truth Social klar, er lasse die Verhandlungen nicht überstürzen: „Die Zeit ist auf unserer Seite." Der Nordseesorte Brent handelt unterdessen um die 99 US-Dollar pro Barrel, deutlich unter den Hochständen der Eskalationsphase, ein Zeichen, dass Märkte eine unmittelbare militärische Konfrontation vorerst auspreisen.
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