Iran bricht Gespräche ab und beschießt US-Basis in Kuwait
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Iran bricht Gespräche ab und beschießt US-Basis in Kuwait

Iran beschoss in der Nacht US-Streitkräfte in Kuwait mit ballistischen Raketen und brach am Nachmittag die Verhandlungen mit den USA ab. Das ausgehandelte Memorandum zur Verlängerung der Waffenruhe ist damit gescheitert.

1. Juni 2026, 17:11 Uhr 812 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Die IRGC beschoss in der Nacht zum Montag Ali Al-Salem, einen Luftwaffenstützpunkt in Kuwait, mit ballistischen Raketen. Am Nachmittag erklärte Teheran über die den Revolutionsgarden nahestehende Agentur Tasnim den Abbruch aller indirekten Gespräche mit den USA. Das Memorandum, das Trumps Unterhändler vergangene Woche noch als abgeschlossen bezeichnet hatten, ist damit vorerst Makulatur.

Die Ereigniskette des 1. Juni

Ausgangspunkt war der iranische Abschuss einer US-Drohne über internationalen Gewässern. Das US-Zentralkommando CENTCOM schlug zurück: Es bestätigte am Sonntagabend Angriffe auf iranische Radar- und Drohnenkontrollzentren in Goruk und auf der Insel Keschm in der Provinz Hormusgan. Zugleich traf ein weiterer US-Luftschlag einen Kommunikationsturm auf der Insel Sirik, ebenfalls in der Provinz Hormusgan.

Die IRGC antwortete mit ballistischen Raketen auf Ali Al-Salem in Kuwait, von dem nach ihrer Darstellung der Angriff auf Sirik ausgegangen war. Kuwaitische Luftabwehrsysteme fingen die Flugkörper ab. Trümmer trafen dennoch den Stützpunkt. CENTCOM bestätigte die Abfangaktion und meldete keine getöteten US-Soldaten. Mehrere Personen erlitten leichte Verletzungen, darunter Militärangehörige und zivile Vertragspartner. Zwei Reaper-Drohnen vom Typ MQ-9 wurden schwer beschädigt oder zerstört. Der Stückpreis einer solchen Drohne liegt laut Angaben des Pentagons bei rund 30 Millionen Dollar.

Kuwait, das offiziell nicht Kriegspartei ist, verurteilte den Raketeneinschlag auf seinem Territorium. Als Reaktion verhängten die USA neue Sanktionen gegen Irans Hormusstraßenbehörde.

Teherans Begründung und die Verbindung zum Libanon

Tasnim begründete den Verhandlungsabbruch mit den „anhaltenden Verbrechen Israels im Libanon und in Gaza“. Israel hatte am Wochenende Evakuierungen im Beiruter Südvorort Dahiyeh angeordnet und Angriffe auf Hisbollah-Stellungen angekündigt. Iran behandelt alle Fronten als verbundene Kriegsschauplätze: Wer den Waffenstillstand im Libanon verletzt, verletzt nach iranischer Lesart auch den Waffenstillstand an der Hormusstraße.

Der Abbruch trifft eine Verhandlungsrunde, die ohnehin ins Stocken geraten war. Außenminister Abbas Araghchi hatte noch am Sonntagabend bestätigt, der Textsaustausch mit Washington laufe weiter. Trump hatte am 31. Mai das von seinen Unterhändlern als fertig erklärte Memorandum mit Korrekturen zurückgegeben. Er forderte strengere Atomklauseln und eine sofortige, gebührenfreie Öffnung der Hormusstraße. Irans Antwort auf die überarbeitete Fassung war für spätestens 3. Juni angekündigt. Diese Frist ist nun gegenstandslos. Zudem hatte Irans Außenministerium klargestellt, das Nukleardossier stehe derzeit gar nicht auf der Verhandlungsagenda. Damit weicht Teherans erklärte Verhandlungsbereitschaft von Trumps zentraler Forderung grundlegend ab.

Drohungen, die über den Golf hinausreichen

Gleichzeitig mit dem Verhandlungsabbruch drohte Teheran, die „vollständige Blockade der Hormusstraße voranzutreiben“ und weitere Fronten zu aktivieren. Ausdrücklich erwähnt wurde die Straße von Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet und durch die rund zehn Prozent des weltweiten Seehandels fließen. Allein diese Ankündigung ließ den Brent-Ölpreis um vier Prozent auf 94,50 Dollar je Barrel steigen. Händler verweisen auf Berichte über mögliche Minen in der Hormusstraße, die selbst bei einer späteren Einigung die Wiedereröffnung für den Schiffsverkehr verzögern könnten.

Iran International berichtete zudem, eine frühere Fateh-110-Rakete auf Ali Al-Salem habe bereits im Mai mehrere Amerikaner leicht verletzt und zwei MQ-9-Drohnen schwer beschädigt. Der Angriff in der Nacht zum Montag fügt sich in ein Muster ein, das CENTCOM als „Tag 94“ des Konflikts bezeichnet: Seit Kriegsbeginn bei „Operation Epic Fury“ starben laut Pentagon 14 US-Soldaten, 409 wurden verwundet.

Waffenstillstand ohne Fundament bis zum 12. Juli

Die aktuelle Waffenruhe begann am 13. April und läuft nach 90 Tagen am 12. Juli aus. Das Memorandum sollte sie um 60 weitere Tage verlängern und Nukleargespräche einleiten. Ohne Memorandum gibt es keinen gemeinsamen Mechanismus zur Verlängerung. Was nach dem 12. Juli folgt, hängt davon ab, ob Teheran vor diesem Datum an den Tisch zurückkehrt. Bleibt der Abbruch bestehen, läuft der Waffenstillstand formell aus, ohne dass eine Nachfolgeregelung vereinbart wäre.

Für die Ölmärkte und die globale Schifffahrt ist die nächste Entscheidungsmarke klar: Jede Ankündigung aus Teheran in Richtung eines Verhandlungsstopps oder einer Hormuserweiterung treibt den Ölpreis. Die USA haben mit den neuen Sanktionen gegen Irans Hormusstraßenbehörde signalisiert, dass sie auf Druck setzen. Ob das Teheran zurück an den Tisch zwingt oder den Abbruch festigt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Quellen (11)

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