USA feuern auf iranische Öltanker in Hormusstraße
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USA feuern auf iranische Öltanker in Hormusstraße

Am 8. Mai feuerte die US-Marine erstmals proaktiv auf iranische Öltanker in der Straße von Hormus. Der Angriff markiert eine neue Eskalationsstufe und Trump besteht darauf, die Waffenruhe sei noch in Kraft.

9. Mai 2026, 4:37 Uhr 900 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Einen Tag nach dem iranischen Angriff auf drei US-Zerstörer hat die amerikanische Marine am 8. Mai zwei iranische Öltanker in der Straße von Hormus unter Feuer genommen und außer Gefecht gesetzt. Ein F/A-18-Kampfjet feuerte nach Angaben des US-Zentralkommandos Präzisionsmunition in die Schornsteine beider Schiffe. Iran meldete, ein Seemann sei bei einem weiteren US-Angriff auf ein Frachtschiff getötet worden. Trump erklärte noch am selben Tag, die Waffenruhe vom 8. April sei weiterhin in Kraft. Der Unterschied zur bisherigen Kriegsführung ist grundlegend: Bisher interceptierten die USA iranische Raketen; jetzt greifen sie iranische Schiffe an.

Proaktiv statt reaktiv: Was sich verändert hat

Seit dem Beginn der Hormuskrise Ende Februar 2026 reagierte die US-Marine in der Meerenge überwiegend defensiv: Abgefangene Raketen, zerstörte Abschussstellungen, Luftschläge auf Radaranlagen. Der Tankerangriff vom 8. Mai folgt einer anderen Logik. Die beiden iranischen Schiffe stellten keine direkte Bedrohung für US-Kriegsschiffe dar; sie wurden als Ziel ausgewählt, um iranische Wirtschaftsinteressen zu treffen. Das US-Zentralkommando sprach von einem legitimen Verteidigungsschlag, ohne die operative Kausalkette näher zu erläutern.

Iran weist diese Darstellung zurück. Teheran bezeichnete den Angriff als Aggression gegen zivile Handelsschifffahrt und kündigte Vergeltung an. Einen Tag zuvor hatte die Revolutionsgarde die USS Truxtun, USS Rafael Peralta und USS Mason mit Raketen und Drohnen beschossen; alle Angriffe wurden abgefangen, keines der drei Schiffe nahm Schaden. Beide Seiten eskalieren im Wochentakt, während beide Seiten behaupten, die Waffenruhe zu wahren.

Trump gegen Merz: Der Streit über die Strategie

Parallel zur militärischen Eskalation brach ein diplomatischer Streit zwischen Washington und Berlin aus. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte in einem Interview erklärt, Iran sei militärisch stärker als erwartet und die USA verfügten über keine wirklich überzeugende Strategie. Trumps Reaktion war scharf: "The Chancellor of Germany, Friedrich Merz, thinks it's OK for Iran to have a Nuclear Weapon. He doesn't know what he's talking about!" So lautete der Wortlaut, den Trump auf seiner Plattform veröffentlichte.

In der Folge kündigte Trump zwei Maßnahmen an: die Reduzierung der US-Truppenstärke in Deutschland und Strafzölle von 25 Prozent auf EU-Fahrzeuge. Ob und wann diese Ankündigungen umgesetzt werden, ist offen; Trump hat in der Vergangenheit ähnliche Drohungen mehrfach wieder zurückgezogen. Für Merz ist die Situation unangenehm: Wer die amerikanische Strategie kritisiert, riskiert transatlantische Verwerfungen; wer schweigt, verliert innenpolitische Glaubwürdigkeit.

IEA: Größte Energiekrise seit Bestehen der Agentur

IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol hat die Hormuskrise als "größte Energiesicherheitsbedrohung der Geschichte" bezeichnet. Die Zahlen geben ihm recht: Durch die Blockade fallen laut IEA täglich rund 13 Millionen Barrel Öl aus. Die Ölkrisen von 1973 und 1979 verursachten zusammen weniger Ausfallvolumen. Über die Straße von Hormus laufen im Normalbetrieb etwa 21 Millionen Barrel täglich, ein Fünftel des weltweiten Seeölhandels.

Der Preis für Brent-Rohöl lag am 8. Mai bei rund 101,73 US-Dollar je Barrel, WTI bei 95,46 Dollar. Vor der Krise lagen beide Sorten zwischen 70 und 75 Dollar. Europas Kerosinimporte aus Raffinerien des Nahen Ostens sind laut IEA praktisch auf null gefallen; die Nachfrage wird nun aus US-amerikanischen und nigerianischen Quellen gedeckt, zu höheren Kosten und mit längeren Lieferketten.

Verhandlungen: Washingtons 14-Punkte-Plan stößt auf Ablehnung

Washington hat Teheran über pakistanische Vermittler einen 14-Punkte-Vorschlag übermittelt. Er sieht vor, dass Iran seine Urananreicherung für zwölf Jahre aussetzt und 440 Kilogramm seines auf 60 Prozent angereicherten Urans übergibt. Im Gegenzug würde Washington eingefrorene iranische Vermögenswerte freigeben, Sanktionen schrittweise lockern und die Navalblockade aufheben. Iranische Verhandlungsführer bezeichneten mehrere Forderungen als unrealistisch und maximalistisch. Eine formale Antwort über Islamabad steht noch aus.

Die interne Dynamik in Teheran macht eine Einigung schwierig. Mit dem Tod von Oberster Führer Ali Khamenei im Februar fehlt die Autorität, die ein Abkommen gegen den Widerstand der Revolutionsgarde durchsetzen könnte. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der als enger Vertrauter der Garde gilt, hat das amerikanische Papier öffentlich als Wunschliste abgelehnt. Die Garde hat kein strategisches Interesse daran, ihre Kontrolle über die Meerenge aufzugeben.

Hormus-Patt: Eskalation ohne Kriegserklärung

Die Situation in Hormus folgt inzwischen einer festen Logik: Beide Seiten beschießen sich, beide Seiten verneinen einen formalen Kriegszustand. Das ermöglicht taktische Angriffe ohne die politischen Kosten einer offiziellen Kriegserklärung. Der Nachteil dieses Konstrukts ist die Unberechenbarkeit: Was als semantischer Trick begann, erhöht mit jeder Eskalationsstufe das Risiko eines unkontrollierten Ausbruchs. Ob und wann Iran auf den Tankerangriff antwortet und mit welchen Mitteln, werden die nächsten Tage zeigen.

Update 9. Mai, 23:03 Uhr: Parallel zur militärischen Eskalation hat Iran am 5. Mai die Persian Gulf Strait Authority (PGSA) gegründet, eine staatliche Behörde, die Durchfahrtsgenehmigungen für die Meerenge vergibt. Reedereien, die durch Hormus fahren wollen, müssen Genehmigungen beantragen; das US-Finanzministerium hatte jedoch bereits am 1. Mai gewarnt, dass Zahlungen an die PGSA amerikanische Sanktionen auslösen können. Damit stecken Schifffahrtsunternehmen zwischen iranischer Genehmigungspflicht und amerikanischem Sanktionsdruck. IRGC-General Ali Abdollahi eskalierte die Drohkulisse zusätzlich: Jede ausländische Streitkraft, "insbesondere das aggressive Militär Amerikas", die in die Straße einfahre, werde angegriffen. Am 5. Mai hatte Iran bereits 12 ballistische Raketen, 3 Marschflugkörper und 4 Drohnen auf US-Kräfte abgefeuert, alle wurden abgefangen.

Update 15. Mai, 14:00 Uhr: Eine Woche nach dem ersten US-Tankerangriff haben sich die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland konkretisiert. Eine DIHK-Blitzumfrage zeigt, dass 87 Prozent der befragten deutschen Industrieunternehmen direkte Auswirkungen auf ihre Lieferketten melden; 40 Prozent berichten von schwerwiegenden Störungen. Der Rohölpreis für Brent-Rohöl liegt inzwischen bei 106 bis 108 US-Dollar je Barrel, gegenüber 101 Dollar unmittelbar nach dem 8. Mai. Die Revolutionsgarde hat bekräftigt: Sollten weitere US-Angriffe auf iranische Öltanker folgen, würde Teheran US-Militärbasen in der Region mit schweren Vergeltungsschlägen überziehen.

Quellen (11)

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