USA treffen IRGC-Ölnetz, Iran droht mit Vergeltung
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USA treffen IRGC-Ölnetz, Iran droht mit Vergeltung

Das US-Finanzministerium verhängte Sanktionen gegen zwölf Unternehmen und Personen, die dem IRGC beim Ölverkauf nach China helfen. Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf antwortete mit einer direkten Militärdrohung: Die Streitkräfte seien auf jede Option vorbereitet.

12. Mai 2026, 4:41 Uhr 791 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Das US-Finanzministerium verhängte Sanktionen gegen zwölf Unternehmen und Einzelpersonen, die dem Ölvermarktungsnetz der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) zuarbeiten. Die Strafmaßnahmen treffen unter anderem drei leitende Beamte des IRGC-eigenen Shahid Purja'fari Oil Headquarters sowie Unternehmen in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten, über die iranisches Öl nach China verschifft wird. Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf antwortete mit einer direkten Militärdrohung: Die Streitkräfte seien auf jede Option vorbereitet und bereit, auf jeden Angriff zu reagieren.

Was die Sanktionen konkret treffen

Das US-Außenministerium veröffentlichte die Maßnahmen unter dem Titel "New Round of Economic Fury Sanctions Targets IRGC Oil Operations". Die zweite Sanktionsrunde, die zeitgleich vom US-Finanzministerium bekannt gegeben wurde, umfasst drei Personen und neun Unternehmen, die an der Verschiffung iranischen Öls nach China beteiligt sind. Vier der betroffenen Firmen haben ihren Sitz in Hongkong, vier in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Das Kernziel der Maßnahmen ist das IRGC-eigene Ölvermarktungssystem. Die Revolutionsgarden kontrollieren nach US-Behördenangaben einen erheblichen Teil der iranischen Ölexporte und nutzen die Einnahmen für die Finanzierung ihrer Waffenprogramme sowie ihrer Proxykräfte in der Region. Der Shahid Purja'fari Oil Headquarters ist nach US-Darstellung das zentrale Koordinationszentrum dieser Struktur. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, die Kampagne "Economic Fury" werde fortgesetzt, bis das Regime aufhöre, sein Öl zur Finanzierung von Terrororganisationen und Atomprogrammen einzusetzen.

Ghalibaf: Parlamentssprecher macht Drohungen konkret

Die neue Dynamik in Teheran ist weniger das, was die Regierung sagt, als das, was der Parlamentssprecher sagt. Mohammad Bagher Ghalibaf, der das iranische Parlament leitet, erklärte am Montag, sein Land sei "auf jede Option vorbereitet". Er präzisierte: "Unsere Streitkräfte sind bereit, auf jeden Angriff mit einer lehrreichen Antwort zu reagieren."

Ghalibaf ist kein Außenminister und kein Regierungsmitglied. Das macht seine Aussage aussagekräftiger, nicht weniger aussagekräftig. Als ehemaliger Kommandant der Luftstreitkräfte und Raumfahrtstreitkräfte der IRGC und langjähriger sicherheitspolitischer Akteur gilt er als Sprachrohr der Revolutionsgarden in Fragen der militärischen Planung. Wenn Ghalibaf Drohungen macht, sind das keine diplomatischen Signale, sondern Operationsankündigungen der hardliner Fraktion innerhalb des iranischen Machtapparats.

Die Drohung folgt auf eine Sequenz: Trump hatte die Waffenruhe als klinisch tot bezeichnet und ihr nur noch ein Prozent Überlebenschance gegeben. Der IRGC beschoss in der Nacht zuvor drei US-Kriegsschiffe an der Straße von Hormus, die Beschüsse wurden abgewehrt. Ghalibaf stellte sich nun öffentlich vor die Streitkräfte und machte klar, dass weitere Maßnahmen folgen könnten.

Warum Öl die Verhandlungen vergiftet

Die US-Sanktionen zielen auf genau jenes Einkommen, das Iran braucht, um den Krieg und seine innenpolitische Kontrolle aufrechtzuerhalten. Für Teheran sind die Öleinnahmen keine Verhandlungsmasse, sondern Lebensgrundlage. Wenn die USA die Ölexporte weiter einschränken, verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage in Iran, was die Führung zu einem schnelleren Abschluss zwingen könnte oder zur innenpolitischen Verhärtung führen könnte.

Das bisherige Muster spricht eher für letzteres. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar hat jede neue US-Sanktionsrunde zu einer öffentlichen Verhärtung der iranischen Position geführt, nicht zu Zugeständnissen. Die Verhandlungen in Islamabad, später in Abu Dhabi, liefen stets parallel zu neuen Sanktionsankündigungen. Teheran hat das bislang als Signal interpretiert, dass Washington an einem Ergebnis weniger interessiert ist als am Regime-Change.

Was die Hormus-Blockade für Deutschland kostet

Für europäische Verbraucher und Unternehmen ist die entscheidende Größe nicht die Sanktionspolitik, sondern die Blockade der Straße von Hormus. Seit Kriegsbeginn ist diese Meerenge, durch die täglich bis zu 21 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports laufen, weitgehend blockiert. Brent-Rohöl notierte Anfang Mai bei über 100 US-Dollar pro Barrel, mehr als 50 Prozent über dem Stand vor Kriegsbeginn.

Die deutschen Gaslager stehen laut Bundesnetzagentur bei 26 Prozent Füllstand, deutlich unter dem saisonalen Normalwert von 40 bis 50 Prozent. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, hat Verbraucher und Unternehmen aufgefordert, den Gasverbrauch zu reduzieren. Jede Sanktionsrunde, die Chancen auf eine rasche Öffnung von Hormus verringert, treibt diese Kosten weiter nach oben.

Abu Dhabi und der Countdown bis Mitte Juni

Das 14-Punkte-Memo aus Abu Dhabi, über das Trump noch am Montagnachmittag gesprochen hatte, skizzierte einen strukturierten Verhandlungsrahmen für 30 Tage. Wenn dieser Rahmen trotz der Eskalation weiter gilt, müsste die erste Verhandlungsrunde bis Mitte Juni abgeschlossen sein, um noch vor der Heizperiode belastbare Signale für eine Öffnung von Hormus zu liefern.

Die Schwierigkeit: Ghalibafs Militärdrohung und die neuen IRGC-Sanktionen bewegen sich in entgegengesetzter Richtung zu den Verhandlungen in Abu Dhabi. Wenn der IRGC das diplomatische Schienen-Parallel als Schwäche interpretiert, könnten weitere Provokationen folgen. Ob das 14-Punkte-Memo nach der Eskalation dieser Woche noch als Grundlage taugt, war zunächst unklar.

Update 12. Mai, 09:02 Uhr: Irans Parlamentssprecher Ghalibaf nannte am 12. Mai konkrete Bedingungen für ein Kriegsende: US-Kriegsreparationen, volle iranische Kontrolle der Straße von Hormus, vollständige Sanktionshebung und Freigabe eingefrorener Vermögenswerte. Trump bezeichnete das Angebot als 'dämlich' und schloss Verhandlungen auf dieser Grundlage aus. Parallel dazu begannen Verteidigungsminister von 40 Staaten eine Videokonferenz über eine mögliche internationale Schutzmission für die Handelsschifffahrt in der Hormusstraße. Kuwait und mehrere Golfstaaten hatten zuvor Sicherheitsbedenken wegen iranischer Drohnenüberflüge angemeldet.

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