Iran greift Oman an: Schlag auf den Vermittler
Als Irans Außenminister Abbas Araghchi am Samstag Maskat verließ, hatte er gerade über Hormus verhandelt. Weniger als 24 Stunden später beschossen die Revolutionsgarden den omanischen Hafen von Duqm: der erste direkte Angriff auf das Sultanat, das als wichtigster Vermittler zwischen Washington und Teheran gilt. Zeitgleich trafen Raketen die jordanische Prince Hassan Air Base und erneut Al Udeid in Katar, die größte US-Militärbasis im Nahen Osten.
Die drei Angriffsphasen der Revolutionsgarden
Die Angriffsserie folgte nach eigenen Angaben der Revolutionsgarden auf die dritte US-Angriffswelle, die in der Nacht zum 12. Juli iranische Militärziele entlang der Südküste getroffen hatte. In der ersten Phase beschossen die IRGC-Luftstreitkräfte die Prince Hassan Air Base im nordjordanischen Mafraq. Zerstört worden seien das Kommandozentrum der Basis sowie die Hangars für MQ-9-Drohnen, die von dort aus Aufklärungsflüge über Iran und den Irak geflogen hatten. Jordanien hatte bereits am 10. Juli einen Einschlag auf den Stützpunkt al-Azraq gemeldet; Prince Hassan liegt rund 50 Kilometer nordöstlich davon und dient gesonderten Operationsaufgaben.
In der zweiten Phase trafen Raketen erneut Al Udeid in Katar. Nach IRGC-Angaben wurden Kommandogebäude sowie Wartungsanlagen für Kampfflugzeuge beschädigt. Auf Al Udeid sind rund 10.000 US-Soldatinnen und Soldaten stationiert; die Basis beherbergt das Combined Air Operations Center (CAOC), das alle US-Luftoperationen in der Region koordiniert. Das CAOC war nach Berichten von Air and Space Forces bereits in früheren Angriffsphasen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. US-Planer hatten operatives Personal vorsorglich evakuiert; Verletzungen wurden nicht gemeldet.
Die dritte Phase war neu und geopolitisch am folgenreichsten. Die Revolutionsgarden beschrieben den Angriff auf Duqm als "schwer und überraschend": Getroffen worden seien logistische Unterstützungsanlagen und Betankungsplattformen für US-Flugzeugträger im Hafen der omanischen Küstenstadt, rund 550 Kilometer südlich von Maskat. Duqm dient der US-Marine als rückwärtiger Versorgungsstandort für Schiffsoperationen im Arabischen Meer. Eine Person wurde bei dem Angriff verletzt, wie die türkische Staatsagentur Anadolu meldete.
Araghchi in Maskat, 24 Stunden davor
Die zeitliche Abfolge gibt dem Oman-Angriff ein besonderes Gewicht. Am Samstag, dem 11. Juli, reiste Außenminister Araghchi nach Maskat und beriet mit Omans Außenminister Badr bin Hamad Al-Busaidi über Mechanismen für die sichere Schiffsdurchfahrt durch die Straße von Hormus. Das Islamabad-Memorandum vom 17. Juni verpflichtet Iran ausdrücklich, mit Oman "einen Dialog über die zukünftige Verwaltung und die maritimen Dienste" in der Meerenge zu führen. Nach mehreren Vorrundenverhandlungen in Teheran und Maskat hatte das Sultanat einen eigenen Entwurf für ein Hormus-Verwaltungsabkommen ausgearbeitet, der bei Araghchis Besuch besprochen worden sein soll.
Ob der Militärschlag auf Duqm mit dem Außenministerium abgestimmt war, ist von außen nicht erkennbar. Möglich ist, dass die neue Führungslinie unter Mojtaba Chamenei andere Prioritäten setzt als das Verhandlungsteam. Chamenei hatte ebenfalls am 11. Juli in einem Brief, der im iranischen Staatsfernsehen verlesen wurde, Rache für den Tod seines Vaters Ali Chamenei geschworen. Es war seine erste öffentliche Äußerung mit klarer politischer Richtungsangabe seit seiner Einsetzung als Oberster Führer im März. Ob dieser Brief die Militäroperation gegen Oman auslöste oder begleitete, ist unbekannt.
Was Oman als Ziel bedeutet
Das Sultanat hat in diesem Konflikt eine Sonderstellung. Oman hatte seit dem Kriegsbeginn im Februar 2026 an seiner traditionellen Vermittlerrolle festgehalten, die es bereits in den Atomgesprächen 2013 und mehreren iranisch-amerikanischen Krisen der vergangenen Jahrzehnte eingenommen hatte. In Maskat wurden indirekte Kommunikationskanäle zwischen dem US-Außenministerium und Teheran aufrechterhalten, auch als die Bombenangriffe liefen. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Katar hatten durch die Stationierung von US-Truppen auf ihrem Gebiet de facto Partei ergriffen; Oman blieb bislang das einzige Golfland, das Iran militärisch verschonte.
Nach Wikipedia markiert der Angriff auf Duqm den ersten direkten iranischen Schlag auf omanisches Territorium in diesem Krieg. Das omanische Außenministerium äußerte sich bis zum frühen Nachmittag nicht öffentlich. Jordanien dagegen ließ über Staatsmedien mitteilen, Prince Hassan sei ohne Todesopfer getroffen worden; die jordanische Außenpolitik bleibe "unmissverständlich auf Deeskalation ausgerichtet".
Bis zum 16. August: Was noch zu retten ist
Das Islamabad-Memorandum läuft am 16. August aus. Bis dahin müssten beide Seiten die Kampfhandlungen einstellen und sich auf Grundbedingungen für die Hormus-Durchfahrt einigen, ein Punkt, der seit Kriegsbeginn ungelöst ist. Araghchis Besuch in Maskat sollte den Verhandlungsrahmen für diese letzten Wochen festigen. Dass die Militärführung Omans Hafen trifft, während die Verhandlungen mit dem Außenminister noch keine 24 Stunden zurückliegen, verschlechtert die Ausgangslage für eine Einigung erheblich und gefährdet Omans Bereitschaft, als Gesprächskanal zu fungieren.
Ob eine weitere US-Angriffswelle folgt, war bis Redaktionsschluss offen. CBS News berichtete am Nachmittag über weitere amerikanische Schläge auf iranische Ziele, ohne konkrete Details zu nennen. Das US-Zentralkommando hatte die Einschläge auf Jordanien und Oman bis zum frühen Nachmittag noch nicht öffentlich kommentiert.
Aktualisierungen
Update 13. Juli, 13:00 Uhr: Am 13. Juli starteten die Revolutionsgarden einen zweiten Angriff auf Oman: Die iranische Staatsagentur Tasnim meldete, dass die IRGC-Marine das Langstreckenradar FPS und das Seeaufklärungsradar des Sultanats durch koordinierte Angriffe mit Raketen und Drohnen zerstört habe. Im Unterschied zum Vortag richteten sich die Schläge nicht gegen den Hafen Duqm, sondern gegen militärische Überwachungsinfrastruktur. Oman verurteilte die Angriffe auf sein Territorium formell. Gleichzeitig scheiterte der konkreteste bislang bekannte Vermittlungsvorschlag: Oman hatte beim Araghchi-Besuch am Samstag ein Konzept für zwei Schifffahrtskorridore präsentiert: einen südlichen durch omanische Gewässer mit freier Durchfahrt und einen nördlichen durch iranisches Territorium mit Teherans Vorgenehmigung aber ohne Gebühren. Araghchi nahm den Entwurf nach Teheran, eine Einigung kam nicht zustande. Das iranische Außenministerium warf den USA vor, durch offen und verdeckt ausgeübten Druck auf Oman eine Einigung verhindert zu haben. CENTCOM startete am 13. Juli eine weitere Angriffsserie gegen Luftabwehrsysteme, Küstenradar und Raketenstellungen im Iran, die sich geografisch erstmals über die bisherigen Küstenzonen hinaus ausdehnte. Brent-Rohöl stieg auf rund 79 Dollar je Barrel, ein Plus von 5,4 Prozent gegenüber der Vorwoche. Bloomberg berichtete, dass sechs Handelsschiffe die Meerenge am Sonntag mit abgeschalteten AIS-Transpondern passierten, mehr Geheimtransits als öffentlich gemeldete Durchfahrten.
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