Irans Raketenarsenal zu 70 Prozent intakt
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Irans Raketenarsenal zu 70 Prozent intakt

Washington behauptet, den Iran militärisch besiegt zu haben. Sieben unabhängige US-Geheimdienste zeichnen ein anderes Bild: 70 Prozent des iranischen Raketenarsenals sind laut Washington Post noch intakt. Gleichzeitig stiegen die Kriegskosten für die USA auf 29 Milliarden Dollar.

13. Mai 2026, 4:41 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Rund 70 Prozent des iranischen Raketenarsenals haben die zweieinhalb Monate Krieg seit "Operation Epic Fury" überlebt. Das geht aus Berichten der Washington Post hervor, die sieben unabhängige US-Geheimdienstquellen zitiert und von CNN sowie der New York Times bestätigt wird. Donald Trump bezeichnete die Berichte als "falsch und absurd" und wertete sie als "praktisch Verrat".

Die Behauptung: Iran militärisch besiegt

Seit Beginn des Krieges am 28. Februar 2026 erklärt die Trump-Regierung regelmäßig, das iranische Militär sei schwer beschädigt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus, die USA hätten "alle Munition, die wir für das benötigen, was wir ausführen müssen". Die Berichte über Munitionsengpässe seien von Kritikern "töricht übertrieben" worden. Trump selbst sprach davon, der Iran sei "weitgehend militärisch besiegt".

Dieses Narrativ hat eine innenpolitische Funktion: Der Kongress hat dem Krieg nie formell zugestimmt. Trump führte ihn unter Berufung auf präsidiale Kriegsgewalt. Ein sauberer militärischer Sieg würde die verfassungsrechtlich umstrittene Entscheidung nachträglich legitimieren.

Was die Geheimdienstberichte sagen

Die Washington Post berichtet auf Basis von sieben unabhängigen Geheimdienstquellen: Iran besitzt noch rund 70 Prozent seines Raketenarsenals und 70 bis 75 Prozent seiner mobilen Abschussanlagen vom Vorkriegsstand. Der Grund liegt in der iranischen Taktik. Mobile Abschussanlagen wurden nach jedem Einsatz sofort verlegt, bevor US-Aufklärungsdrohnen sie orten konnten. Unterirdische Tunnelsysteme und Lagerstätten blieben weitgehend unversehrt, weil die US-Streitkräfte nicht über ausreichend Bunkerknackerbomben verfügten, um tief genug einzudringen.

Die US-Luftangriffe erzielten vor allem Treffer bei stationären Zielen: Küstenverteidigungsraketen und Drohnenkapazitäten wurden nach Pentagon-Angaben zu etwa 50 Prozent ausgeschaltet. Die mobilen Systeme, die den Kern des iranischen Fernraketenpotenzials ausmachen, blieben überwiegend erhalten.

Dem gegenüber steht die Lage bei den US-Streitkräften selbst. Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzt, dass die USA bereits 50 Prozent ihrer Munitionsbestände im Iran-Krieg verbraucht haben. Eine vollständige Wiederauffüllung könnte bis zu vier Jahre dauern. Senator Mark Kelly, Demokrat aus Arizona, hielt Hegseth im Senat ein Video einer früheren Anhörung vor, in der Hegseth selbst gesagt hatte, es würde "Jahre dauern", bestimmte Bestände wieder aufzufüllen. Hegseth ließ daraufhin eine Untersuchung gegen Kelly einleiten.

Was stimmt und was nicht

Richtig ist: Die US-Luftangriffe haben die iranische Militärinfrastruktur erheblich beschädigt. Teheran kann nicht mehr auf demselben Niveau operieren wie vor dem 28. Februar. Nuklearanlagen, Revolutionsgarden-Stützpunkte und Teile der Luftabwehr wurden zerstört oder beschädigt.

Nicht korrekt ist die Darstellung, die Raketenfähigkeiten des Iran seien weitgehend ausgeschaltet. Wenn 70 Prozent der Raketen und 70 bis 75 Prozent der dazugehörigen Abschussanlagen noch funktionsfähig sind, hat der Iran weiterhin die Kapazität, Schiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen, Verbündete der USA in der Region anzugreifen und Verhandlungen mit glaubwürdiger Gegenmacht zu führen.

Die Kriegskosten für die USA stehen dazu in einem schwierigen Verhältnis. Pentagon-Comptroller Jules Hurst bezifferte die Gesamtkosten am 12. Mai 2026 auf 29 Milliarden Dollar. Das sind vier Milliarden mehr als die Schätzung von Ende April. Das Penn Wharton Budget Model projiziert die tatsächlichen Kosten unter Einrechnung indirekter Folgeeffekte, darunter über 20 Milliarden Dollar gestiegene Energiepreise, auf 38 bis 47 Milliarden Dollar.

Was ein intaktes Arsenal für die Verhandlungen bedeutet

Iran legte Anfang Mai einen 14-Punkte-Friedensplan vor. Trump lehnte ihn als "garbage" ab. Der Waffenstillstand steht nach Trumps eigener Einschätzung unter "massive life support". Wenn die US-Geheimdienste recht haben, verhandeln die USA mit einem militärisch nicht entscheidend geschwächten Gegner über Friedensbedingungen, die dem Anspruch eines vollständigen Siegs nicht entsprechen.

Hegseth fordert vor dem Kongress weitere massive Rüstungsinvestitionen, um US-Bestände aufzufüllen. Gleichzeitig stellen Kritiker in beiden Parteien die Frage, die sich aus den Geheimdienstberichten ergibt: Wenn 29 Milliarden Dollar und 75 Tage Krieg 70 Prozent des iranischen Arsenals nicht zerstört haben, muss die Trump-Regierung erklären, was mit dem Krieg militärisch erreicht worden ist.

Quellen (8)

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