Trump nennt Irans Atomangebot inakzeptabel
Am Sonntag lehnte Donald Trump Irans formellen Atomgegenvorschlag auf Truth Social ab: „Das gefällt mir nicht. VÖLLIG INAKZEPTABEL.” Drei Monate nach Kriegsbeginn sind die Verhandlungen an einem Punkt angelangt, wo beide Seiten nicht mehr aufeinanderzugehen: Die Straße von Hormus bleibt blockiert, die deutschen Gasreserven stehen bei 26 Prozent und bis zum Winter sind es sechs Monate.
Was Iran angeboten hat
Iran übermittelte am 10. Mai über pakistanische Vermittler seine formelle schriftliche Antwort auf den US-Memorandumsentwurf. Dem Vernehmen nach sieht der Gegenvorschlag vor, das hochangereicherte Uran an ein Drittland zu überführen. Die Urananreicherungsanlagen selbst würden in dieser Variante erhalten bleiben, Iran würde sich jedoch zu einem langfristigen Moratorium verpflichten und danach nur noch auf ziviles Niveau anreichern dürfen, also bis maximal 3,67 Prozent. Irans Außenministerium bezeichnete den Vorschlag als „konstruktiv und realistisch”.
Teheran hatte zudem eine neue Bedingung hinzugefügt: Ein dauerhaftes Kriegsende müsse auch die israelischen Angriffe im Libanon einschließen. Seit März 2026 wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums über 2.600 Menschen bei israelischen Angriffen getötet. Washington hat bislang keine öffentliche Kritik an diesen Angriffen geübt. Für Teheran ist das ein Argument, amerikanischen Friedensversprechen zu misstrauen.
Warum Washington ablehnt
Der Kern des US-Einwands: Ohne Demontage der Anreicherungsanlagen bleibt Iran eine latente Atommacht. Überführt Teheran nur das vorhandene Uran ins Ausland, aber behält die Fähigkeit, neues hochanzureichern, löst sich nichts Wesentliches. Die USA hatten in ihrem Memorandumsentwurf gefordert, das hochangereicherte Uran auf US-Territorium zu überführen. Russland hatte alternativ angeboten, das Material zu lagern, was Washington ablehnte.
Parallel besteht die US-Seite darauf, dass Iran seine unterirdischen Kernanlagen vollständig für Inspektoren öffnet und mittelfristig schließt. Dieser Punkt trennt beide Seiten fundamental: Für Iran ist die Urananreicherung eine verfassungsrechtlich garantierte Souveränitätsfrage. Zur Libanon-Bedingung hat Washington offiziell geschwiegen. Eine Antwort, die Israels parallele Militäroperationen einschränken würde, gilt in der Trump-Regierung als innenpolitisch nicht durchsetzbar. Damit erhöht Teheran die Hürde auf eine Höhe, die Washington nicht nehmen kann, ohne politischen Widerstand zu provozieren.
Wirtschaftliche Kosten des Stillstands
Brent-Rohöl notierte am 8. Mai bei 101,29 Dollar pro Barrel, mehr als 50 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn im Februar. Die deutschen Gaslager stehen laut Bundesnetzagentur bei nur 26 Prozent Füllstand. Normal wäre zu diesem Zeitpunkt nach dem Winter ein Füllstand von 40 bis 50 Prozent. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, empfiehlt Verbrauchern und Unternehmen, den Gaskonsum zu reduzieren und warnt vor möglichen Versorgungsengpässen im kommenden Winter.
Der europäische Gasgroßhandelspreis TTF stieg Anfang Mai auf 45,48 Euro je Megawattstunde, knapp 28 Prozent über dem Vorjahresstand. Für private Haushalte in Deutschland liegt der Verbrauchspreis derzeit bei 9,6 bis 11,6 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: Im Winter 2021/22, bevor Russland die Ukraine angriff, lagen die Gaspreise bei 6 bis 7 Cent. Die Lücke zu diesen Vorkrisenniveaus schließt sich nicht, solange Hormus blockiert bleibt.
Indien, das große Mengen des über Hormus transportierten Öls abnimmt, reagiert bereits mit Einschränkungsappellen: Die Regierung in Neu-Delhi hat die Bevölkerung aufgefordert, Speiseöl zu sparen und nicht notwendige Auslandsreisen zu verschieben. Wenn eine Regierung ihre Bevölkerung um Einschränkungen bittet, ist das Worst-Case-Szenario nicht mehr abstrakt.
Der Preis des Stillstands wird jede Woche größer
Pakistan hat nach dem iranischen Gegenvorschlag signalisiert, weiter als Vermittler zur Verfügung zu stehen. Einen Zeitplan für die nächste Gesprächsrunde gibt es nicht. Die Trump-Regierung hat angekündigt, weitere Sanktionsrunden gegen iranische Ölexporte vorzubereiten, falls die Gespräche endgültig scheitern.
Für Deutschland ist die Sackgasse der Verhandlungen keine abstrakte Geopolitik mehr. Das ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für 2026 bereits auf 0,6 Prozent halbiert. Wenn die Gaslager bis Oktober nicht auf über 80 Prozent gefüllt werden können, drohen im Winter Engpässe. Das erfordert entweder Flüssiggas aus dem Ausland zu erhöhten Preisen oder eine Reduktion des Verbrauchs in der Industrie. Beides kostet.
Trumps Ablehnung am Sonntag ist kein überraschender Rückschlag, sondern die logische Folge einer Verhandlungslogik, bei der beide Seiten die jeweils härtere Bedingung als Voraussetzung für jedes Gespräch nennen. Solange Iran seine Anreicherungsanlagen nicht demontieren will und die USA auf vollständiger Demontage beharren, gibt es keinen mathematisch möglichen Kompromiss. Die Straße von Hormus bleibt blockiert und die Uhr bis zum Winter läuft.
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