Trump blockiert seinen eigenen Iran-Deal
Das 60-Tage-Memorandum zwischen den USA und Iran galt unter US-Unterhändlern als abgeschlossen. Dann griff Donald Trump persönlich in den Verhandlungstext ein und schickte ihn mit Korrekturen zurück. Während Teheran auf sofortiger Freigabe eingefrorener Milliarden besteht, erklärte Verteidigungsminister Pete Hegseth am Rande des Shangri-La-Dialogs in Singapur: Die Blockade der Straße von Hormus ist weiterhin in Kraft.
Das fertige Memorandum und Trumps Korrekturstift
Seit dem Frühjahr 2026 verhandeln die USA und Iran über ein Ende des Krieges. Der Weg begann mit indirekten Gesprächen in Maskat, die Omans Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi vermittelte. Anfang Mai berichtete Axios, dass ein einseitiges Grundlagendokument faktisch fertig sei. Am 28. Mai bestätigten US-Unterhändler nach Berichten von CNN und Euronews: Die 60-Tage-Verlängerung des Waffenstillstands sowie ein Einstieg in Nukleargespräche seien vereinbart, das Memorandum wartete nur noch auf Trumps Unterschrift.
Das Situation-Room-Treffen am 29. Mai endete ohne Entscheidung. Am 31. Mai meldete Axios dann, dass Trump den Entwurfstext mit Änderungen an sein Verhandlungsteam zurückgeschickt habe. Deutsche Welle und n-tv berichteten unter Berufung auf US-Medien, der Präsident sei mit dem ausgehandelten Konzept grundsätzlich unzufrieden. Die Unterhändler standen damit vor einer ungewöhnlichen Situation: Ihr eigener Auftraggeber rief das für fertig erklärte Ergebnis zurück.
Was Trump konkret verlangt
Trumps Korrekturen betreffen zwei zentrale Punkte. Erstens: den Umgang mit Irans angereichertem Uranvorrat. Nach den US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen im April verblieb hochangereichertes Uran in den zerstörten Atomanlagen, darunter Fordow. Trump will laut CBS News "more specifics about how the U.S. gets the material and the timing" für diese Bestände. Auf Social Media erklärte er, das Material solle "in enger Koordination mit Iran und der IAEA vernichtet werden". Zweitens verlangt er laut Tribune India und CNBC eine sofortige und gebührenfreie Öffnung der Straße von Hormus in beide Richtungen sowie eine iranische Garantie, niemals eine Nuklearwaffe zu besitzen.
Irans Außenministeriumssprecher bezeichnete diese Nachforderungen laut NBC News als "übermäßig" und kritisierte, Washington setze unrealistische Bedingungen. Der Vorwurf lautet: Immer wenn eine Einigung in Reichweite scheine, setze Washington die Latte höher. Hegseth, der nach dem Situation-Room-Treffen sagte, Trump sei "geduldig" und wolle einen "großartigen Deal", bestätigte damit indirekt, dass ein rascher Abschluss nicht die Priorität ist.
Teherans Gegenrechnung: 24 Milliarden Dollar
Irans verhandlungstaktisches Gegengewicht sind eingefrorene Auslandsgelder. Schätzungen von Al Jazeera zufolge belaufen sich beschlagnahmte Guthaben auf über 100 Milliarden Dollar, gehalten in Ländern wie Japan, Südkorea, Luxemburg und China. Allein in China werden iranische Öleinnahmen im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar blockiert.
Teheran fordert als Minimalposition laut einem Bericht von The National: zwölf Milliarden Dollar sofort bei Unterzeichnung des Memorandums, weitere zwölf Milliarden innerhalb von 60 Tagen. Das Handelsblatt berichtete, eine hochrangige iranische Delegation, darunter Parlamentspräsident, Außenminister und Zentralbankgouverneur, sei am 25. Mai eigens nach Doha gereist, um diese Forderung zu untermauern. Washington lehnt jede Freigabe vor konkreten und verifizierbaren Atomgarantien ab. Das Ergebnis ist eine klassische Blockade: Beide Seiten verlangen Vorleistungen der jeweils anderen.
Hegseth in Singapur: Die Blockade bleibt
Pete Hegseth nahm vom 29. bis 31. Mai am Shangri-La-Dialog in Singapur teil, dem wichtigsten Verteidigungsforum Asiens. In Gesprächen mit Partnerländern thematisierte er die Situation an der Straße von Hormus regelmäßig. Sein Fazit laut The Hill war eindeutig: "Die Blockade ist sehr wohl weiterhin in Kraft." Das US-Militär stoppte unterdessen erneut ein Schiff gewaltsam im Golf von Oman, wie der Deutschlandfunk meldete. Das Muster ist konsistent: militärische Härte nach außen, diplomatisches Tauziehen hinter geschlossenen Türen.
Am Rande des Forums sprach Hegseth auch von einer US-chinesischen "strategisch stabilen Beziehung". Der Spiegel debattierte daraufhin die Frage, ob China im Irankonflikt als Vermittler auftreten könnte. Peking kauft schätzungsweise 80 Prozent des iranischen Öls und besäße damit erheblichen wirtschaftlichen Hebel auf Teheran. Allerdings schickte China zum zweiten Jahr in Folge keine hochrangigen Vertreter zum Shangri-La-Dialog. Eine aktive Mediatorrolle hat Peking bislang nicht übernommen und auch nicht signalisiert.
Drei Tage bis zur Antwort aus Teheran
US-Unterhändler wurden nach Angaben von NBC News darüber informiert, dass Iran für eine Reaktion auf Trumps Textänderungen etwa drei Tage benötigt. Die Antwort sollte damit spätestens am 3. Juni vorliegen. Bleibt sie aus oder lehnt Teheran die neuen Bedingungen ab, stellt sich die nächste Frage zum Zeitplan: Die aktuelle Waffenruhe begann am 13. April und läuft zunächst 90 Tage, also bis Mitte Juli. Ein unterzeichnetes Memorandum würde sie um 60 weitere Tage verlängern und Nukleargespräche einleiten. Ohne Memorandum bleibt der Status quo: Formale Feuerpause, faktische Kampfhandlungen auf beiden Seiten. Die militärischen Aktionen der vergangenen Tage, darunter das gewaltsame Stoppen eines Schiffs im Golf von Oman, zeigen, wie fragil dieses Gleichgewicht ist.
Aktualisierungen
Update 1. Juni, 13:00 Uhr: Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der die iranische Delegation zuletzt in Doha geführt hat, sagte am 29. Mai öffentlich: „Iran gewinnt Zugeständnisse nicht durch Gespräche, sondern durch Raketen.” Die Aussage ist kein formaler Verhandlungsabbruch, aber ein Signal für die Stimmung unter Teherans Hardlinern, die jeden Deal als Schwäche interpretieren. Als zusätzliche Bedingung fordert Teheran nun den Stopp israelischer Angriffe auf den Libanon vor Vertragsunterzeichnung. Verteidigungsminister Hegseth bekräftigte derweil, die USA seien „noch stärker positioniert als am ersten Tag”, um notfalls militärisch gegen Iran vorzugehen. Irans Antwort auf Trumps überarbeiteten Verhandlungstext wurde für spätestens 3. Juni erwartet.
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