Iran feuert elf Raketen auf Israel nach IDF-Angriff
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Iran feuert elf Raketen auf Israel nach IDF-Angriff

Die israelische Luftwaffe griff am frühen Montagmorgen den iranischen Petrochemiekomplex Karun in Bandar-e Mahshar an und bombardierte Raketenabschussanlagen in Zentral- und Westiran. Teheran antwortete mit elf ballistischen Raketen auf israelische Städte, der schwerste direkte Schusswechsel seit der Waffenruhe vom 8. April.

8. Juni 2026, 9:11 Uhr 932 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Zum ersten Mal seit der Waffenruhe vom 8. April bombardierte Israel iranisches Staatsgebiet direkt und löste damit eine Eskalation aus, die in elf Raketen auf israelische Städte mündete.: Mit Sirenen über Tel Aviv, Jerusalem und weiten Teilen Nordisraels begann der Montagmorgen, nachdem die israelische Luftwaffe zuvor Produktionsanlagen im südwestiranischen Bandar-e Mahshar beschossen hatte. US-Präsident Donald Trump hatte Premierminister Benjamin Netanyahu persönlich darum gebeten, nicht zu eskalieren. Israel tat es trotzdem.

Der Sonntag, der alles in Gang setzte

Den Auftakt zur heutigen Eskalation machte Israel am Sonntagabend: Die Luftwaffe bombardierte ohne Abstimmung mit Washington die südlichen Vororte Beiruts, in denen die Hisbollah ihren Rückzug organisiert. Washington hatte Israel ausdrücklich gebeten, diese Operationen zu unterlassen. Trotzdem fielen die Bomben.

Teheran hatte für diesen Fall Konsequenzen angekündigt. Zum ersten Mal seit der Waffenruhe feuerte der Iran daraufhin am Sonntag eine erste Rakete auf israelisches Staatsgebiet, laut der israelischen Botschaft in Washington eine noch vergleichsweise kleinere Salve. Damit war die Reihe an Israel.

In den frühen Morgenstunden des Montags startete die israelische Luftwaffe Angriffe auf Ziele in Zentral- und Westiran. Gezielt wurde auf die Karun-Petrochemieanlage im Hafen Bandar-e Mahshar in der Provinz Khuzestan sowie auf mehrere Abschussrampen für ballistische Raketen. Der Industriekomplex Karun ist eine der größten Petrochemiekapazitäten Irans. Teheran bestätigte Treffer. Der Iran antwortete mit elf ballistischen Raketen auf israelische Städte. Sirenen heulten über weiten Teilen Nordisraels, in Tel Aviv und im Zentrum des Landes. Der Heimatschutz hob die Aufenthaltspflicht in Bunkern auf, nachdem keine Einschläge mit Verletzten gemeldet wurden.

Netanyahu trotzt Washington, Trump droht Teheran

Für die US-Regierung ist die Situation unangenehm. Trump hatte Netanyahu am Sonntag persönlich angerufen und ihn gebeten, auf Irans Sonntagsraketen nicht militärisch zu antworten. Israels Regierung ignorierte die Bitte. Trump kommentierte die israelischen Schläge beim Fox-News-Interview: „Ich bin nicht glücklich darüber.“ An Teheran richtete er die Botschaft: „Sie haben Ihre Raketen verschossen, das ist genug. Kommen Sie wieder an den Verhandlungstisch und machen Sie einen Deal.“

Die Eskalation zwingt Washington in eine paradoxe Position: Israel ist formell Verbündeter, handelt aber wiederholt entgegen amerikanischen Wünschen. Das Repräsentantenhaus hatte am 3. Juni mit 215 zu 208 Stimmen eine Resolution verabschiedet, die Trump anweist, den Irankrieg ohne Zustimmung des Kongresses nicht auszuweiten. Netanyahu und seine Militärführung sehen den Druck aus Washington als nachrangig gegenüber israelischen Sicherheitsinteressen.

Irans Außenminister Abbas Araghchi kommunizierte kurz vor dem Montagsangriff gegenüber dem irakischen Außenminister, Teheran halte den Kanal zu Washington offen und greife ausschließlich US-Militärziele an. Die elf ballistischen Raketen auf israelische Städte widersprechen dieser Darstellung. France 24 berichtete unter Berufung auf israelische Militärquellen, Tel Aviv warte auf die politische Freigabe für weitere Schläge auf iranisches Staatsgebiet.

Direkte Konfrontation statt Stellvertreterkrieg

Was sich am Montag abspielte, unterscheidet sich kategorial von den bisherigen Mustern des Iran-Konflikts. Bisher liefen die meisten iranischen Militäraktionen über Stellvertreter: Hisbollah im Libanon, Huthis im Roten Meer, IRGC-Drohnen über der Hormusstraße. Am 5. und 6. Juni hatte Iran sieben Raketen auf US-Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain gefeuert, also auf amerikanische Ziele in Drittländern. Jetzt traf Iran israelische Städte direkt mit elf Raketen.

Die Karun-Petrochemieanlage in Bandar-e Mahshar ist wirtschaftlich bedeutsam: Der Komplex verarbeitet Erdöl aus der Region Ahvaz und gehört zur Exportinfrastruktur, die Iran trotz der Hormusblockade auf Landrouten nutzt. Ein anhaltender Ausfall würde die ohnehin unter Druck stehende iranische Wirtschaft weiter belasten. Asiatische Finanzmärkte eröffneten am Montag mit deutlichen Verlusten, Brent-Rohöl stieg in den frühen Handelsstunden über 100 Dollar pro Barrel.

Auch die Huthis im Jemen feuerten heute Raketen auf Israel und erklärten eine vollständige Seeblockade israelischer Schiffe im Roten Meer. Damit ist der Iran-Konflikt heute an drei Fronten gleichzeitig aktiv: direkt zwischen Israel und Iran, über den Libanon-Ableger Hisbollah und über die Huthis im Jemen.

Sieben Tage bis zum G7-Gipfel in Évian

Der G7-Gipfel in Évian-les-Bains vom 15. bis 17. Juni gilt als letzte ernsthafte diplomatische Möglichkeit, den Konflikt vor dem Auslaufen der informellen Waffenruhe Mitte Juli zu entschärfen. Frankreich hatte den Gipfel explizit als Forum für Iran-Diplomatie angelegt.

Pakistans Innenminister Mohsin Naqvi war am Samstag zum dritten Mal in Teheran und überbrachte direkte Botschaften von Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir an den neuen Obersten Führer Mojtaba Khamenei. Dass Teheran diese Vermittlungskanäle noch offen hält, während es gleichzeitig elf Raketen auf Israel feuert, spiegelt die widersprüchliche Strategie Khameneis wider: militärische Härte und parallele Verhandlungsbereitschaft.

Trumps Botschaft, der Iran solle an den Verhandlungstisch zurückkehren, deutet darauf hin, dass Washington trotz allem noch eine diplomatische Lösung vor dem Gipfel für möglich hält. Ob Netanyahu das zulässt, ist eine andere Frage: Israel hat in den vergangenen Wochen dreimal ohne US-Zustimmung eskaliert: mit Operationen im Libanon, mit der gezielten Bombardierung der Beiruter Südvororte am Sonntag und jetzt mit den Schlägen auf den Iran. Der G7-Gipfel in Évian beginnt in sieben Tagen.

Update 8. Juni, 15:00 Uhr: Iran erklärte am Montagnachmittag einen vorläufigen Stopp seiner Angriffe auf Israel. Teheran knüpfte die Pause an eine Bedingung: Setze Israel seine Luftangriffe im Libanon fort, werde man mit härteren Maßnahmen reagieren. US-Vizepräsident J.D. Vance erklärte, ein Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus sei 'sehr nahe', man sei aber 'noch nicht so weit'.

Update 8. Juni, 19:05 Uhr: Die EU verhängte am Montag erstmals Sanktionen nach ihrem neuen Freiheit-der-Schifffahrt-Regime gegen Iran: Betroffen sind der Marinebefehlshaber der IRGC-Provinzeinheit Hormozgan sowie Mohammad Akbarzadeh, stellvertretender politischer Kommandeur der IRGC-Marine und Hamid Hosseini, Vertreter des iranischen Ölexportverbandes. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte, Irans Handlungen seien „inakzeptabel"; es sei das erste Mal, dass die EU ihr neues Schifffahrtssanktionsregime anwende. Separat meldete das Statistische Bundesamt, Aufträge in der deutschen Industrie seien im April um 3,8 Prozent eingebrochen, doppelt so stark wie Ökonomen erwartet hatten; als Hauptursache gilt die kriegsbedingte Nachfrageunsicherheit im Nahen Osten.

Quellen (12)

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