Libanon: Israelische Minister erschrecken USA
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Libanon: Israelische Minister erschrecken USA

Vier israelische Soldaten sterben in einem Hisbollahangriff bei Nabatiyeh. Israel schlägt zurück, mindestens 18 Libanesen sterben. Israelische Minister fordern öffentlich die Zerstörung des Libanon. Washington ist schockiert und kritisiert seinen Verbündeten.

19. Juni 2026, 22:40 Uhr 766 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Finanzminister Bezalel Smotrich forderte es öffentlich, Nationaler Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir schrieb es in sozialen Netzwerken: Ganz Libanon solle brennen. Der Auslöser war ein Hisbollahangriff bei Nabatiyeh im Südlibanon, bei dem am Freitag vier israelische Soldaten getötet wurden. Was folgte, war nicht nur militärische Vergeltung mit mindestens 18 Toten auf libanesischer Seite, sondern eine politische Eskalation innerhalb der israelischen Regierung, die selbst Washington erschreckte. Am Abend einigten sich Israel und die Hisbollah unter US-Vermittlung auf eine erneuerte Waffenruhe.

Freitag, Nabatiyeh: Vier Soldaten getötet

Am Morgen des 19. Juni griffen Hisbollahmilizen im südlibanesischen Nabatiyeh einen israelischen Panzer an. Vier Soldaten, darunter ein Bataillonskommandeur, wurden getötet. Fünf weitere wurden durch einen Drohnenangriff verwundet. Die Hisbollah bekannte sich zu beiden Angriffen.

Der Angriff ereignete sich im Kontext der Waffenruhe, die Israel und die Hisbollah im April 2026 nach Vermittlung durch die USA, Katar und den Iran vereinbart hatten. Israel warf der Hisbollah daraufhin den flagranten Bruch der Vereinbarung vor. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, Israel werde "einen sehr hohen Preis verlangen für diese Angriffe" und keine Attacken auf Soldaten oder Staatsgebiet tolerieren.

Israelische Vergeltung und Extremrhetorik

Israel schlug noch am selben Freitag zurück: Angriffe auf Hisbollahinfrastruktur in Nabatiyeh und im Bekaa-Tal in Ostlibanon. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete mindestens 18 Tote, einzelne Berichte sprachen von bis zu 47 Opfern seit Beginn der Auseinandersetzungen am Freitagmorgen. Die israelische Armee erklärte, sie ziele auf "Hisbollahs Infrastruktur", ohne Einzelheiten zu den zivilen Opfern zu nennen.

Parallel entfachte sich eine rhetorische Eskalation innerhalb des israelischen Kabinetts. Finanzminister Smotrich erklärte, es sei an der Zeit, "mit Feuer zu sprechen und die Pforten der Hölle zu öffnen". Nationaler Sicherheitsminister Ben-Gvir schrieb in sozialen Netzwerken: "Ganz Libanon muss brennen." Er fügte hinzu: Mit allem Respekt vor den Amerikanern müsse Israel der Welt klarmachen, dass das Blut seiner Söhne nicht umsonst sei. Ben-Gvir gab offen zu, Netanjahu gedrängt zu haben, weniger gemäßigte Militärstrategien zu verfolgen.

USA: Schock über den eigenen Verbündeten

Die Reaktion aus Washington war ungewöhnlich direkt. Die US-Regierung zeigte sich nicht nur unzufrieden mit den Aussagen der israelischen Minister, sondern auch mit der erkennbaren Missachtung des Memorandum of Understanding, das am Donnerstag zwischen den USA und dem Iran unterzeichnet worden war und faktisch eine Waffenruhe auf allen Fronten vorsah, einschließlich des Libanon.

Die konkrete Folge: US-Vizepräsident JD Vance verschob seine geplante Reise in die Schweiz, wo er an den Iran-Gesprächen hätte teilnehmen sollen. Der Iran verweigerte seinerseits die Reise zu den Bürgenstock-Gesprächen mit dem Hinweis, die Kämpfe im Libanon müssten erst enden. Aus Washington wurde gemeldet, die Aussagen israelischer Minister seien intern scharf kritisiert worden.

Auch international stieß die Rhetorik auf scharfe Ablehnung. Britische Außenministerin Yvette Cooper verurteilte Ben-Gvirs Forderung, Libanon solle brennen, öffentlich und rief beide Seiten auf, die Waffenruhe einzuhalten und Zivilisten zu schützen.

Hinter dem diplomatischen Schaden steckt ein struktureller Konflikt. Die USA verfolgen das strategische Ziel, den Iran mit einem Nuklearabkommen einzubinden und die Lage im gesamten Nahen Osten zu stabilisieren. Israelische Hardliner wie Ben-Gvir lehnen jedes Abkommen mit dem Iran grundsätzlich ab und haben ein Interesse daran, die diplomatische Architektur zu beschädigen, die Washington gerade mit Teheran errichtet.

Neue Waffenruhe: Netanjahu zwischen Hardlinern und Washington

Am Abend des 19. Juni einigten sich Israel und die Hisbollah auf eine erneuerte Waffenruhe. Die Vermittlung übernahmen erneut Katar, die USA und der Iran. Weder Israel noch die Hisbollah bestätigten die Vereinbarung zunächst öffentlich. Der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, erklärte jedoch, Israel bleibe der Waffenruhe "fest verpflichtet".

Wie stabil diese Vereinbarung ist, hängt maßgeblich von Netanjahus innenpolitischer Position ab. Seinen Hardlinern Ben-Gvir und Smotrich standzuhalten ist für ihn mit Koalitionsrisiken verbunden, denn beide Politiker sichern ihm die Regierungsmehrheit. Wenn Regierungsmitglieder öffentlich die Verletzung einer Waffenruhe fordern, der ihr eigenes Land gerade zugestimmt hat, wird jede Waffenruhe zur innenpolitischen Zerreißprobe. Ob die US-Diplomatie standhält oder die Hardliner erneut eskalieren, entscheidet sich spätestens dann, wenn die Hisbollah wieder zuschlägt oder Israel wieder greift.

Quellen (10)

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