Jill Biden: Ich dachte, Joe hatte einen Schlaganfall
Jill Biden beschreibt in ihrer Memoirsammlung „View from the East Wing“, die am 2. Juni 2026 erscheint, was sie beim TV-Duell ihres Mannes mit Donald Trump am 27. Juni 2024 dachte: „Oh mein Gott, er hat einen Schlaganfall.“ Im CBS-Interview mit Journalistin Rita Braver sagte die ehemalige First Lady: „Ich war erschrocken, denn ich hatte Joe noch nie zuvor und danach in einem solchen Zustand erlebt.“ Unmittelbar nach dem Duell trat sie vor Unterstützern und lobte seinen Auftritt. Beide Reaktionen zusammen stellen eine Frage, die Demokratische Partei bis heute meidet: Was wussten die Entscheidungsträger rund um Biden über seinen Gesundheitszustand?
Das Duell und die Panik
CNN übertrug das erste TV-Duell der Präsidentschaftskampagne am 27. Juni 2024. Als Joe Biden auf die Bühne trat, wirkte der damals 81-Jährige nach übereinstimmenden Berichten von Journalisten aller Lager desorientiert: stockende Sätze, leise Stimme, abwesender Blick. Strategisch war der frühe Termin für das Duell auf Bidens ausdrückliches Drängen hin angesetzt worden, um eine gute Nachrichtenphase früh zu setzen.
Jill Biden beschreibt im Buch, wie sie die Szene erlebte: Es habe sich angefühlt wie das Beobachten „eines KI-Hologramms des Mannes, den wir kannten und das Hologramm glitchte”. Im CBS-Interview sagte sie auf Englisch: „Is he short-circuiting? Is this a stroke?“ Und: „As I watched it, I thought, Oh, my God, he’s having a stroke. And that scared me to death.“ Sie wisse bis heute nicht, was an jenem Abend mit Joe gewesen sei.
Unmittelbar nach dem Duell trat Jill Biden vor versammelte Unterstützer und lobte den Auftritt ihres Mannes. Das Weiße Haus erklärte in den Folgetagen, Biden habe eine Erkältung gehabt. Joe Biden bestätigte diese Erklärung selbst.
Was die Partei wusste und sagte
Die Demokratische Partei reagierte zunächst mit Einheitsfront hinter Biden. Innerhalb der Fraktion kursierten laut mehreren journalistischen Berichten schon Monate vor dem Duell Bedenken über Bidens Fitness bei Abendveranstaltungen, privaten Treffen und Terminen ohne Teleprompter. Öffentlich wurden diese Bedenken kaum.
CNNs Moderatorin Abby Phillip reagierte auf Jill Bidens Enthüllungen mit ungewohnter Direktheit: „The conversation should be had about the deceptiveness that was behind this.“ Phillip, die politisch dem demokratischen Spektrum nahestehend gilt, verwendete damit das Wort Täuschung für das Verhalten von Parteimitgliedern und Beratern, die öffentlich Normalität vermittelt hatten.
Tatsächlich wuchs erst nach dem Duell der interne Parteidruck auf Biden. Am 21. Juli 2024 gab er seine Kandidatur auf und empfahl die Nominierung von Vizepräsidentin Kamala Harris, die im November 2024 gegen Trump verlor.
Was das Buch jetzt aufwirft
„View from the East Wing“ erscheint am 2. Juni 2026 im Gallery-Books-Imprint von Simon & Schuster. Es ist das erste Buch aus dem engsten Biden-Kreis, das Jills persönliche Eindrücke in Echtzeit beschreibt. Frühere Enthüllungen über Bidens Gesundheitszustand stammten aus journalistischen Recherchen, darunter Berichte von ABC News und CNN, die sich auf anonyme Berater stützten.
Jill Bidens Darstellung ist die einer Augenzeugin auf der Bühne: Sie war dabei. Sie hatte konkrete Befürchtungen. Und sie war Teil des öffentlichen Signals, dass alles in Ordnung sei. Das macht ihr Buch zur bisher deutlichsten Quelle für die Frage, wie weit die interne Kenntnis über Bidens Zustand und die öffentliche Kommunikation auseinanderlagen.
Für die Demokraten, die 2028 einen Kandidaten gegen Trumps möglichen Nachfolger suchen, ist die Frage nach institutionellem Versagen in der Parteiführung nicht nur historisch. Die Entscheidung, einen sichtbar geschwächten Kandidaten weiter zu stützen und intern Zweifel zurückzuhalten, führte nach Einschätzung zahlreicher Parteianalytiker direkt zur Niederlage gegen Trump. Eine Partei, die aus dieser Entscheidung keine Konsequenzen zieht, riskiert eine Wiederholung.
Joe Biden selbst hat sich zu den Memoirenthüllungen bislang nicht geäußert.
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