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OECD: Long Covid kostet Industrieländer 135 Milliarden Dollar jährlich

OECD: Long Covid kostet Industrieländer 135 Milliarden Dollar jährlich

Eine neue OECD-Studie beziffert die jährlichen Kosten von Long Covid für die Industrieländer auf bis zu 135 Milliarden Dollar und prognostiziert, dass diese Belastung bis mindestens 2035 anhalten wird. Der größte Teil entfällt nicht auf Behandlungskosten, sondern auf Produktivitätsverluste.

8. April 2026, 18:30 Uhr 612 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die Langzeitfolgen der Covid-19-Pandemie belasten die Volkswirtschaften der Industrieländer deutlich stärker als bislang angenommen. Eine am 8. April 2026 veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung prognostiziert, dass Long Covid die OECD-Länder bis zu 135 Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten wird, umgerechnet etwa 116 Milliarden Euro. Diese Belastung wird nach Einschätzung der Autoren mindestens bis 2035 anhalten.

Indirekte Kosten dominieren

Die Zusammensetzung der Kosten überrascht: Die direkten Gesundheitsausgaben für die Behandlung von Long-Covid-Patienten beziffert die Studie auf rund elf Milliarden Dollar jährlich. Der weitaus größere Teil der Gesamtkosten entsteht jedoch durch indirekte wirtschaftliche Folgen. Produktivitätsverluste durch eingeschränkte Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz, erhöhte Fehlzeiten und der vollständige Ausstieg Betroffener aus dem Erwerbsleben machen den Löwenanteil aus.

Die Studie prognostiziert BIP-Verluste von 0,1 bis 0,2 Prozent jährlich für die OECD-Länder, sofern eine niedrige bis moderate Resttransmission des Coronavirus weiterhin neue Infektionen und damit neue Long-Covid-Fälle verursacht. Für die 42 untersuchten Länder, darunter alle OECD-Mitglieder und die EU-27-Staaten, ergibt sich damit eine kumulative Belastung, die über ein Jahrzehnt in die Billionen geht.

Neue Evidenz vom Arbeitsmarkt

Für ihre Berechnungen griff die OECD auf neue Befragungsdaten aus den USA zurück, die einen dauerhaften Anstieg gesundheitsbedingter Abwesenheit und einen verstärkten Austritt aus dem Arbeitsmarkt belegen. Ergänzend flossen akademische Studien aus Großbritannien, Australien und weiteren Ländern ein. Guillaume Zudem, leitender Gesundheitsökonom der OECD und Koordinator der Studie, betonte, dass es sich um die erste umfassende Schätzung der wirtschaftlichen Belastung durch Long Covid für alle EU- und OECD-Länder handele.

Die Autoren räumen ein, dass ihre Prognosen die tatsächliche Belastung wahrscheinlich unterschätzen. Viele Betroffene werden nicht diagnostiziert und die indirekten Auswirkungen auf Pflegepersonen und Familienmitglieder sind in den Berechnungen nicht enthalten. Auch die psychischen Folgekosten, etwa durch erhöhte Depressionsraten bei Long-Covid-Patienten, dürften die volkswirtschaftlichen Schäden weiter erhöhen.

Gesundheitssysteme unter Dauerdruck

Für die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder bedeutet die Studie eine unbequeme Wahrheit: Long Covid ist kein vorübergehendes Phänomen, das sich mit dem Ende der akuten Pandemie erledigt hat, sondern eine chronische Belastung, die strukturelle Anpassungen erfordert. Die elf Milliarden Dollar an direkten Gesundheitskosten werden voraussichtlich weiter steigen, da die Zahl der Betroffenen bei fortgesetzter Viruszirkulation weiter wächst und die Erkrankung häufig jahrelange Behandlung erfordert.

In Deutschland haben Schätzungen des Robert Koch-Instituts die Zahl der Long-Covid-Betroffenen auf mehrere Hunderttausend beziffert, wobei die Dunkelziffer erheblich sein dürfte. Die Wartezeiten in spezialisierten Long-Covid-Ambulanzen betragen teilweise Monate und viele Betroffene berichten von Schwierigkeiten bei der Anerkennung ihrer Erwerbsminderung.

Politischer Handlungsbedarf

Die OECD-Studie erhöht den Druck auf die Regierungen, Long Covid als ernsthaftes wirtschafts- und gesundheitspolitisches Problem anzuerkennen und entsprechend zu handeln. Die bisherigen Maßnahmen, von Forschungsförderung bis zu spezialisierten Versorgungsangeboten, sind in den meisten Ländern fragmentiert und unterfinanziert. Die Studie legt nahe, dass Investitionen in Prävention, frühere Diagnose und bessere Versorgung sich nicht nur medizinisch, sondern auch volkswirtschaftlich rechnen würden.

Sechs Jahre nach Beginn der Pandemie zeigt sich damit ein Muster, das auch von früheren Pandemien bekannt ist: Die akute Krise mag vorbei sein, doch ihre Langzeitfolgen prägen Gesellschaften und Volkswirtschaften über Jahrzehnte. Die 135 Milliarden Dollar jährlich sind dabei nur die bezifferbare Spitze eines Problems, dessen volle Dimension sich erst in den kommenden Jahren zeigen wird.

KI-gestützt erstellt

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