Iran beschießt Tanker: 20.000 in Sirik ohne Wasser
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Iran beschießt Tanker: 20.000 in Sirik ohne Wasser

Die Islamische Revolutionsgarde beschoss zwei Öltanker in der Hormusstraße und erklärte die Meerenge für alle Schiffe gesperrt. US-Angriffe auf die Hafenstadt Sirik zerstörten zwei Wasserreservoirs und hinterließen 20.000 Menschen ohne Trinkwasser, bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius.

11. Juni 2026, 7:04 Uhr 892 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Zwei Wassertanks im Stadtbezirk Bamani der Hafenstadt Sirik, Provinz Hormuzgan, wurden in der Nacht zum Donnerstag durch US-Bombardierungen zerstört. In einer Region mit Tagestemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius sind rund 20.000 Menschen seitdem ohne Trinkwasser. Kurz darauf beschoss die Islamische Revolutionsgarde zwei Öltanker, die trotz IRGC-Sperrungserklärung die Straße von Hormus zu queren versuchten. Der US-Irankrieg hat eine neue Qualität erreicht: Erstmals stehen zivile Versorgungsinfrastruktur und internationale Handelsrouten gleichzeitig im Feuer.

Von der Apache zur Wasserversorgung

Die aktuelle Eskalation begann am Montagabend, dem 8. Juni. Ein iranisches Drohnensystem schoss einen AH-64 Apache der US Army über der Straße von Hormus ab. Die beiden Piloten wurden unverletzt geborgen, US Central Command CENTCOM begann noch in derselben Nacht Vergeltungsangriffe gegen iranische Radaranlagen. Am Mittwochabend kündigte Trump gegenüber Reportern an, er werde den Iran „sehr hart" treffen; ob dabei Kraftwerke und Brücken ausgeschaltet würden, ließ er offen.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag weitete das US-Militär seine Schläge aus. Bestätigt wurden Treffer auf Sirik, Jask, Minab, die Insel Qeschm und den Hafen von Bandar Abbas. CENTCOM erklärte, die Angriffe seien auf ausdrückliche Weisung von Präsident Trump erfolgt, als Reaktion auf Irans „ungerechtfertigte und anhaltende Aggression". Gegen 04:00 Uhr UTC teilte CENTCOM mit, die Angriffe seien abgeschlossen.

Zivilinfrastruktur als Kriegsziel

Der Treffer auf Sirik hat die schärfste internationale Reaktion ausgelöst. Laut iranischen Staatsmedien wurden im Stadtbezirk Bamani zwei Wassertanks getroffen; die Trinkwasserversorgung wurde unterbrochen. Rund 20.000 Menschen sind seitdem ohne Zugang zu sauberem Wasser, in einer Region, in der die Temperaturen derzeit zwischen 45 und 50 Grad Celsius liegen. Das iranische Außenministerium bezeichnete den Angriff als „berechnetes Kriegsverbrechen und flagrante Verletzung des humanitären Völkerrechts".

Das humanitäre Völkerrecht verbietet Angriffe auf Objekte, die für das Überleben der Zivilbevölkerung unentbehrlich sind. Wasserversorgungsanlagen fallen ausdrücklich darunter. Washington bestreitet einen gezielten Angriff: Die Schläge hätten sich gegen militärische Infrastruktur gerichtet, darunter Luftabwehrsysteme und Radaranlagen nahe der Hormusstraße. Ob die Wasserreservoirs absichtlich oder als Kollateralschaden getroffen wurden, blieb zunächst ungeklärt.

Parallel feuerte die IRGC-Marine in der Nacht Drohnen auf US-Militärbasen: den Luftwaffenstützpunkt Scheich Issa in Bahrain sowie die Basen Ali Al Salem und Ahmad Al-Jaber in Kuwait. Jordanien gab an, fünf anfliegende Raketen abgefangen zu haben. CENTCOM bestätigte, keine seiner Kriegsschiffe sei getroffen worden. Die IRGC erließ eine weitreichende Warnung: Kein Schiff dürfe seinen Ankerplatz im Persischen Golf oder im Golf von Oman verlassen. Wer sich der Hormusstraße nähere, werde als Kooperationspartner des Feindes betrachtet und angegriffen.

Ölpreis springt, Tankerversicherer in Alarmstellung

Durch die Straße von Hormus fließen täglich rund 20 Millionen Barrel Öl, ein Fünftel des weltweiten Angebots. Zwei Öltanker, die nach Ausrufung der Sperrung noch zu passieren versuchten, wurden nach Angaben der IRGC beschossen. Das US-Zentralkommando bestritt, dass die Meerenge tatsächlich geschlossen sei und erklärte, der Schiffsverkehr laufe weiter. In der Praxis ist er auf ein Minimum gesunken: Die Versicherungsprämien für Schiffe im Persischen Golf hatten bereits nach dem ersten Schlagabtausch Rekordhöhen erreicht.

Die Schläge auf Sirik, Jask, Minab und Bandar Abbas folgen einer Logik, die auf die iranische Küstenverteidigung zielt. Sirik und Jask liegen unmittelbar am Eingang zur Hormusstraße und beherbergen nach US-Angaben Radarsysteme und Luftabwehrsysteme. Bandar Abbas ist der größte Handelshafen Irans und Heimatbasis der IRGC-Marine.

Katar hatte Unterhändler nach Teheran entsandt, um letzte Streitpunkte eines möglichen Waffenstillstands zu verhandeln. Welchen Spielraum die Delegation hat, ist offen.

Tankerverkehr eingefroren: Was die Sperrung kostet

Die praktischen Folgen der IRGC-Sperrung sind bereits messbar. Der Ölpreis der Sorte Brent sprang nach der Ankündigung um mehrere Prozent und liegt seitdem mehr als 40 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Reedereien, die den Weg durch Hormus noch wagten, bezahlen Kriegsrisikoaufschläge, die normale Versicherungsverträge um ein Vielfaches übersteigen; mehrere europäische Anbieter haben die Deckung komplett eingestellt. Erdgas-Tanker aus Katar, dem weltweit zweitgrößten LNG-Exporteur, stehen vor der Wahl zwischen dem Hormusweg und dem dreimal längeren Umweg ums Kap der Guten Hoffnung.

Trump stoppte die Angriffe in den frühen Morgenstunden und erklärte, die Meerenge würde bei einer Einigung „sofort" wieder freigegeben. Die Schäden an der Wasserversorgung von Sirik sind damit kurzfristig nicht repariert: In einer Region, in der Temperaturen von 50 Grad die Trinkwasserversorgung zur lebensnotwendigen Infrastruktur machen, braucht der Wiederaufbau Wochen.

Update 11. Juni, 13:06 Uhr: Der US-Angriff auf den Tanker MT Settebello am 9. Juni hat inzwischen Todesopfer aus einem Drittland gefordert. Das unter palauanischer Flagge fahrende Schiff wurde von CENTCOM im Golf von Oman mit Präzisionsmunition beschossen, da es laut US-Angaben iranisches Öl transportierte. Von den 24 indischen Besatzungsmitgliedern wurden 21 gerettet; drei kamen ums Leben, darunter der Chefingenieur. Indien bestellte US-Geschäftsträger Jason Meeks ein und forderte ein Ende der Angriffe auf Handelsschiffe sowie die Wiederherstellung der Schifffahrtsfreiheit in internationalen Gewässern. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO verurteilte den Angriff ebenfalls. Es sind die ersten bestätigten Todesopfer aus einem Drittland seit Beginn des Hormus-Konflikts.

Quellen (18)

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