DAX
S&P 500
NASDAQ
Dow Jones
MSCI World
Gold
Silber
Brent
BTC
Apple
Microsoft
NVIDIA
Amazon
Alphabet
Meta
Berkshire
Broadcom
Tesla
TSMC
← Zurück zur Übersicht
Wirtschaft
Lufthansa-Kabinenpersonal streikt am Freitag: UFO legt Flugbetrieb lahm

Lufthansa-Kabinenpersonal streikt am Freitag: UFO legt Flugbetrieb lahm

Die Gewerkschaft UFO ruft das Kabinenpersonal von Lufthansa und Cityline am Freitag zu einem ganztägigen Streik auf. Betroffen sind Abflüge von neun deutschen Flughäfen, darunter Berlin-Brandenburg.

8. April 2026, 20:45 Uhr 618 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat das Kabinenpersonal der Deutschen Lufthansa AG und ihrer Regionaltochter Cityline für Freitag zum Streik aufgerufen. Der Ausstand soll von 00:01 Uhr bis 22:00 Uhr dauern und den Flugbetrieb an den wichtigsten deutschen Drehkreuzen erheblich beeinträchtigen. Für Zehntausende Passagiere bedeutet das einen Tag voller Ungewißheit, Umbuchungen und gestrichener Verbindungen.

Umfang des Ausstands

Bei der Kerngesellschaft Lufthansa werden sämtliche Abflüge von den Drehkreuzen Frankfurt und München bestreikt. Das allein betrifft einen Großteil des innerdeutschen und europäischen Streckennetzes. Noch breiter fällt der Streik bei Cityline aus: Dort sind Abflüge von insgesamt neun Flughäfen betroffen, namentlich Frankfurt, München, Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Berlin und Hannover.

Für den Flughafen Berlin-Brandenburg bedeutet das empfindliche Einschnitte. Bereits beim Pilotenstreik Mitte März fielen am BER dutzende Verbindungen aus. Nun drohen erneut zahlreiche Annullierungen, vor allem auf innerdeutschen Strecken nach Frankfurt und München.

Hintergründe des Tarifkonflikts

Die Urabstimmung unter den UFO-Mitgliedern fiel ungewöhnlich deutlich aus. Bei der Kerngesellschaft stimmten rund 94 Prozent für den Arbeitskampf, bei Cityline sogar knapp 99 Prozent. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen zwei unterschiedliche Konfliktherde.

Bei der Hauptgesellschaft geht es um den laufenden Tarifvertrag. Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter fordern zuverlässigere Dienstpläne und längere Vorankündigungsfristen für Änderungen im Einsatzplan. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten und kurzfristigen Umplanungen seien eine dauerhafte Belastung für das Personal, argumentiert UFO.

Bei Cityline liegt der Konflikt tiefer. Hier geht es nicht nur um einen regulären Tarifvertrag, sondern um die grundsätzliche Weigerung des Unternehmens, über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Betroffen sind rund 800 Beschäftigte der Regionalfluggesellschaft, die sich in einer strukturell schwierigeren Position befinden als ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Muttergesellschaft.

Dritter Arbeitskampf in wenigen Wochen

Der Freitagsstreik reiht sich in eine Serie von Arbeitskampfmaßnahmen bei Deutschlands größter Fluggesellschaft ein. Im März hatte bereits die Pilotenvereinigung Cockpit einen zweitägigen Ausstand durchgesetzt, der am 12. und 13. März den Flugbetrieb bei Lufthansa Passage, Lufthansa Cargo und zeitweise auch Cityline zum Erliegen brachte.

Dass nun eine zweite Berufsgruppe innerhalb weniger Wochen zum Streik greift, ist ein Warnsignal für die Konzernführung. Es deutet auf grundsätzliche Unzufriedenheit im operativen Bereich hin, die über einzelne Tarifdetails hinausgeht. Die Personaldecke ist nach den Entlassungswellen der Pandemiejahre dünn geblieben, während das Flugaufkommen längst wieder auf Vorkrisen-Niveau liegt.

Auswirkungen für Reisende

Lufthansa hat angekündigt, einen Sonderflugplan aufzulegen, um möglichst viele Passagiere dennoch an ihr Ziel zu bringen. Betroffene Fluggäste können kostenlos umbuchen oder erhalten den Ticketpreis erstattet. Dennoch ist mit erheblichen Störungen zu rechnen, insbesondere auf den besonders frequentierten Routen zwischen den Drehkreuzen.

Reisende sollten den Flugstatus ihrer Verbindung rechtzeitig prüfen. Wer ab einem der neun bestreikten Cityline-Standorte fliegt, muss mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Ausfällen rechnen. Für Verbindungen anderer Lufthansa-Tochtergesellschaften wie Eurowings, Swiss oder Austrian gilt der Streikaufruf nicht.

Einordnung und Ausblick

Der aktuelle Tarifkonflikt spiegelt eine branchenweite Problematik wider. Nach der Corona-Krise kämpfen Airlines europaweit mit Personalmangel und gleichzeitig steigenden Erwartungen der Beschäftigten an Arbeitszeiten und Planbarkeit. Der Luftfahrtsektor muss sich die Frage stellen, ob das betriebswirtschaftliche Modell der maximalen Flexibilität langfristig tragfähig ist, wenn es auf immer massiveren Widerstand der Belegschaft trifft.

Ob der Freitagsstreik den Druck ausreichend erhöht, um die Lufthansa-Führung zurück an den Verhandlungstisch zu bringen, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung zeigt, dass eintägige Ausstande selten ausreichen, um grundlegende Zugeständnisse zu erzwingen. Sollte keine Bewegung entstehen, dürfte UFO weitere Eskalationsschritte vorbereiten.

KI-gestützt erstellt

Weitere Artikel

International

Drei Jahre Krieg, eine Konferenz: Berlin ringt um Hilfe für Sudans vergessene Katastrophe

Genau drei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs im Sudan treffen sich in Berlin Vertreter aus mehr als 50 Staaten zur dritten internationalen Sudankonferenz. Fast 34 Millionen Menschen benötigen Nothilfe, der internationale Hilfsplan 2026 ist zu 84 Prozent nicht gedeckt.

8 Quellen 4 Min. Lesezeit
International Aktualisiert

Slowakei: Fico will Briefwahl aus dem Ausland abschaffen, 60.000 protestieren

Robert Fico plant, die Briefwahl für im Ausland lebende Slowaken abzuschaffen. Wer wählen will, soll künftig zur Botschaft reisen oder in die Slowakei zurückkehren. Die betroffene Wählergruppe, junge, gebildete Slowaken in der EU, wählt geschlossen pröuropäisch. 60.000 Menschen gingen dagegen auf die Straße.

7 Quellen 4 Min. Lesezeit
Wirtschaft

Fünf Tage Streik: Wie zwei Gewerkschaften Lufthansa gleichzeitig lahmlegen

Zum ersten Mal in der Geschichte der Lufthansa streiken Piloten und Kabinenpersonal an einem Tag gleichzeitig. Fünf aufeinanderfolgende Streiktage, zwei unabhängige Gewerkschaften, keine Verhandlungstermine: Warum der Arbeitskampf strukturell nicht enden kann.

10 Quellen 4 Min. Lesezeit
Gesellschaft

PKS 2024: 13.320 Vergewaltigungen und Rekordhoch bei politischer Gewalt

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 zeigt zwei Rekordwerte: Sexualübergriffe erreichten mit 13.320 erfassten Fällen den sechsten Höchststand in Folge, politisch motivierte Straftaten stiegen um 40 Prozent auf den höchsten Stand seit 2001. Die angekündigten Gesetze greifen an anderer Stelle als die größten Problemfelder.

7 Quellen 4 Min. Lesezeit
International Aktualisiert

Ungarn vor der Wahl: Journalisten unter Druck, Vance stützt Orban

Wenige Tage vor der ungarischen Parlamentswahl am 12. April verschärft sich der Druck auf unabhängige Medien. US-Vizepräsident Vance wirft der EU Wahleinmischung vor, die Bundesregierung kontert scharf.

16 Quellen 4 Min. Lesezeit
Unterstütze uns!