Irans Friedensplan: Trump lehnte ihn ungelesen ab
29 Milliarden Dollar Kriegskosten, ein Benzinpreis von 4,50 Dollar pro Gallone und ein Zustimmungswert von 34 Prozent: Sechs Wochen Irankonflikt haben ihre Spuren in Washington hinterlassen. Dennoch lehnte Donald Trump am 13. Mai den iranischen Friedensvorschlag ab. Nach eigenem Eingeständnis hatte er ihn kaum gelesen.
Was Teheran im Mai vorschlug
Der Kern des iranischen 14-Punkte-Plans enthält neun konkrete Forderungen: vollständiger Abzug amerikanischer Streitkräfte aus dem iranischen Umfeld, Ende der Seeblockade durch die USA und Israel, Aufhebung aller Sanktionen, Freigabe eingefrorener Vermögenswerte von sechs Milliarden Dollar sowie Reparationszahlungen. Erst in einer zweiten Phase will Teheran über sein Atomprogramm verhandeln. Als Kompromissangebot bietet Iran an, die Urananreicherung für 15 Jahre auf 3,6 Prozent zu begrenzen. Den amerikanischen Kernpunkt jedoch, den vollständigen Abbau der Atominfrastruktur, lehnt Teheran ab.
Die USA hatten einen schrittweisen Ansatz vorgeschlagen: Sanktionslockerungen nur im Gegenzug für nachprüfbare Fortschritte beim Atomdossier. Iran besteht dagegen auf einem Gesamtpaket. Wer zuerst Vorleistungen erbringt, ist die ungelöste Grundfrage aller Verhandlungen seit Februar 2026.
Trumps Ablehnung und was dahintersteckt
Trumps Reaktion war öffentlich und vernichtend. "I would say the ceasefire is on massive life support where the doctor walks in and says, 'Sir, your loved one has approximately a 1% chance of living'", sagte er am 13. Mai. Den Plan selbst bezeichnete er als "totally unacceptable" und gestand, ihn kaum gelesen zu haben.
Hinter der Frustration stehen Zahlen, die für sich sprechen. Der Krieg hat die USA nach offiziellen Angaben mehr als 29 Milliarden Dollar gekostet. Der Benzinpreis liegt bei durchschnittlich 4,50 Dollar pro Gallone, 50 Prozent mehr als vor der Eskalation im Februar. Trumps Zustimmungswert ist auf 34 Prozent gesunken.
Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner, die beim ersten Islamabad-Treffen am 11. und 12. April die amerikanische Seite vertraten, sollen nun eine neue Gesprächsrunde leiten. Ihre Qualifikation ist in Washington umstritten. General John Kelly, früherer Stabschef im Weißen Haus, nannte es unverantwortlich, zwei Immobilienentwickler zu den Verhandlungen zu entsenden. Ein Golfdiplomat warf Witkoff und Kushner vor, in israelischen Interessen zu handeln und die USA tiefer in eine militärische Konfrontation zu führen.
Pakistan als Rettungsanker
Islamabad steckt in einer strategisch heiklen Position. Pakistan grenzt an Iran, ist auf amerikanisches Kapital angewiesen und hat seit Februar alle Interessen abgewogen. Das erste Vermittlungsergebnis, der zweiwöchige Waffenstillstand vom 8. April, galt als diplomatischer Erfolg. Außenminister Mohammad Ishaq Dar arbeitet seither an einem sogenannten Islamabad Accord, einem Rahmen, der beiden Seiten einen gesichtswahrenden Ausweg bieten soll.
Am 12. Mai berichtete Al Jazeera, Pakistan kämpfe darum, die Diplomatie zu retten, während die Waffenruhe vor dem Kollaps stehe. Der Waffenstillstand wird technisch eingehalten, ist aber politisch am Zerbrechen. Sowohl die USA als auch Iran haben ihn bereits verletzt.
In Berlin gibt es derweil einen seltenen parteiübergreifenden Moment. CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt erklärte im Deutschlandfunk, eine Lockerung der EU-Sanktionen gegen Teheran sei unter bestimmten Bedingungen denkbar, sofern der Iran Zugeständnisse mache. Bundeskanzler Merz hatte sich zuvor ähnlich geäußert. CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter sieht einen Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus dagegen skeptisch: Man solle sich nicht davon ablenken lassen, dass Europa hybrid und kognitiv von Russland angegriffen werde.
Irans internationale Rückendeckung
Parallel zur Krise der Islamabad-Diplomatie sucht Araghchi internationale Unterstützung. Beim BRICS-Außenministertreffen in Neu-Delhi, das am 14. Mai begann, versucht Teheran, China und Russland als Gegengewicht zu Washington zu positionieren. Dieses Kalkül ist riskant. China hat sich offiziell neutral gehalten, aber seine Geduld mit Teheran nimmt ab. Die Hormussperre hat Chinas Ölimporte um mehr als ein Fünftel verteuert, ein Preis, den Peking zahlt, ohne direkten Einfluss auf die Verhandlungen zu haben.
Beim Trump-Xi-Gipfel, der gleichzeitig in Peking stattfindet, ist der Iran eines der Hauptthemen. Washington will Peking als wirtschaftlichen Hebel auf Teheran einsetzen. Chinas Antwort auf diese Erwartung wird mitentscheiden, ob Pakete auf dem Verhandlungstisch bleiben oder nicht.
Ohne neues Mandat in die nächste Runde
Der Waffenstillstand hat kein festgelegtes Ende. Er lebt von politischem Willen. Wenn Witkoff und Kushner in den kommenden Tagen zu einer neuen Runde nach Pakistan reisen, kommen sie ohne neues Mandat. Trump hat Irans Gegenvorschlag öffentlich verworfen, ohne einen eigenen Gegenentwurf vorzulegen. Pakistan kann Gesprächskanäle offenhalten, aber keinen Frieden erzwingen.
Die entscheidende Frage ist nicht, was Iran anbietet oder Pakistan vermittelt. Sie ist, ob Washington bereit ist, einen Frieden zu verhandeln, der nicht wie ein vollständiger Sieg aussieht. Oder ob der Krieg weiterläuft, bis einer der Beteiligten politisch nicht mehr kann.
Aktualisierungen
Update 14. Mai, 11:08 Uhr: Laut einem NYT-Bericht vom 12. Mai zeigen Erkenntnisse von US-Geheimdiensten aus Anfang Mai, dass Iran noch etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen sowie rund 70 Prozent seines Raketenarsenals besitzt. 30 der 33 Raketenstellungen entlang der Straße von Hormus seien wiederhergestellt worden. Das widerspricht direkt Trumps Aussage vom 9. März, Irans Raketen seien auf zerstreute Überreste reduziert und Verteidigungsminister Hegseths Behauptung aus dem April, die Operation Epic Fury habe Irans Militär für Jahre kampfunfähig gemacht. Trump bezeichnete die Berichte als Verrat. Die Zahlen erklären, warum Teheran in den Verhandlungen unnachgiebig bleibt: Das militärische Druckmittel, das Iran in der Waffenruhediplomatie einsetzt, ist in wesentlichen Teilen noch intakt.
Kommentare