Killerzellen gegen Krebs: Forscher knacken Tumorabwehr
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Killerzellen gegen Krebs: Forscher knacken Tumorabwehr

Forscher der McGill University haben natürliche Killerzellen mit kleinen Molekülen gegen die Immunblockade von Tumoren aktiviert. Die Methode wirkte in präklinischen Tests gegen vier aggressive Krebsarten, darunter Glioblastom und dreifach-negatives Brustkrebs.

27. Mai 2026, 8:44 Uhr 698 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Natürliche Killerzellen des Immunsystems sind eigentlich auf die Jagd nach Krebszellen ausgelegt. Das Problem: Solide Tumoren schirmen sich durch ein Geflecht immunsuppressiver Signalmoleküle ab und neutralisieren genau diese Zellen. Forscher des Rosalind and Morris Goodman Cancer Institute der McGill University haben nun einen Weg gefunden, diese Blockade mit kleinen Molekülen aufzuheben.

Warum das Immunsystem gegen Krebs oft nicht genug leistet

Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) patrouillieren im Blutkreislauf und erkennen abnormale Zellen durch fehlende oder veränderte Oberflächenmerkmale. Sie brauchen dabei keine vorangegangene Sensibilisierung, anders als T-Zellen. In gesundem Gewebe töten sie effizient. Im Tumorgewebe aber schütten Krebszellen Signalmoleküle aus, die NK-Zellen regelrecht einschläfern. Besonders wirksam ist dabei Transforming Growth Factor Beta 1 (TGFβ-1), ein Molekül, das auch für die Wundheilung bekannt ist und das Immunsystem im Tumorumfeld systematisch unterdrückt.

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Mehrere Pharmaunternehmen haben versucht, TGFβ-1 direkt zu blockieren. Die Ergebnisse waren bisher enttäuschend, unter anderem weil das Molekül viele physiologische Funktionen hat und eine Blockade Nebenwirkungen an anderen Organen auslöste.

Der neue Ansatz: Zwei Proteine in den Killerzellen ausschalten

Das McGill-Team, dessen Ergebnisse im April 2026 in EMBO Reports erschienen, verfolgte eine andere Strategie. Statt TGFβ-1 selbst zu blockieren, hemmten die Forscher zwei Proteine in den NK-Zellen selbst: PTPN1 und PTPN2. Diese Protein-Tyrosin-Phosphatasen sind intrazelluläre Signalbremsen, die Aktivität von NK-Zellen herunterregeln. Wenn sie gehemmt sind, reagieren NK-Zellen empfindlicher auf Aktivierungssignale und produzieren mehr des Cytokins Interleukin-2, was ihre Kampfkraft steigert.

Entscheidend: Das Team verwendete dafür reversible small-molecule inhibitors, keine permanente Genveränderung. NK-Zellen können nach der Behandlung also wieder in ihren Ausgangszustand zurückkehren. Das ist ein erheblicher praktischer Vorteil gegenüber Ansätzen, die zelluläre Erbinformation dauerhaft verändern.

Vier Krebsarten, ein Mechanismus

Die aktivierten NK-Zellen wurden gegen vier verschiedene Krebsarten getestet: akute myeloische Leukämie, Glioblastom (ein aggressiver Hirntumor), Nierenkarzinom und dreifach-negatives Brustkrebs, eine besonders schwer behandelbare Unterform. In allen vier Modellen zeigten die behandelten NK-Zellen signifikant erhöhte Tötungsraten. Das Team berichtet, dass die aktivierten NK-Zellen auch dem Standardimmunsuppressor TGFβ-1 widerstanden, der sie normalerweise vollständig lahmlegt.

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Dreifach-negatives Brustkrebs ist dabei besonders hervorzuheben: Diese Unterform spricht auf Hormontherapien nicht an und ist für Checkpoint-Inhibitoren nur begrenzt zugänglich. Neue Therapieansätze werden hier besonders dringend gesucht.

Im Vergleich: Was andere Immuntherapien leisten

NK-Zellen als Therapieinstrument haben gegenüber anderen Immuntherapieformen einen strukturellen Vorteil: Sie können aus Fremdspenderblut gewonnen und in großen Mengen produziert werden, ohne dass sie auf den spezifischen Patienten zugeschnitten sein müssen. Das unterscheidet sie grundlegend von CAR-T-Zellen, die 2017 erste Zulassungen erhielten. Bei CAR-T müssen Zellen des Patienten selbst entnommen, genetisch umprogrammiert und wieder infundiert werden. Der Prozess dauert Wochen und kostet mehrere Hunderttausend Dollar, was die Zugänglichkeit stark einschränkt.

Checkpoint-Inhibitoren, die seit 2014 klinisch eingesetzt werden und PD-1 oder PD-L1 blockieren, erzielen bei manchen Krebsarten beeindruckende Langzeitremissionen. Ihr Wirkprinzip setzt jedoch voraus, dass T-Zellen funktionsfähig und zahlreich genug im Tumor vorhanden sind. Glioblastome und Nierenkarzinome sind bekannt dafür, dass sie dies oft verhindern. Hier könnte die NK-Zell-Route eine Ergänzung oder Alternative bieten.

Der Weg zur Klinik: Akute Leukämie steht zuerst an

Akute myeloische Leukämie (AML) hat das McGill-Team als erste Krebsart für künftige klinische Studien benannt. Das ergibt therapeutische Logik: Bei AML zirkulieren Krebszellen im Blut und sind für infundierte NK-Zellen gut erreichbar. Solide Tumoren wie das Glioblastom stellen eine höhere mechanistische Hürde dar, weil NK-Zellen erst in das Tumorgewebe eindringen müssen.

Der typische Weg von präklinischen Daten bis zur Marktzulassung dauert in der Onkologie zehn bis fünfzehn Jahre. Wenn die geplanten Phase-I-Studien in den nächsten zwei bis drei Jahren starten und positive Sicherheitsdaten liefern, könnten frühestens in der ersten Hälfte der 2030er Jahre erste Patienten außerhalb von Studien Zugang bekommen. Für Krebspatienten, die heute an AML erkranken, ist das keine schnelle Hilfe. Es ist aber die Art von grundlegender Mechanismusforschung, auf der alle künftigen NK-Zell-Therapien aufbauen werden.

Quellen (5)

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