Projekt Gepard: Zweite Generation in Kuno geboren
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Projekt Gepard: Zweite Generation in Kuno geboren

In Indiens Kuno National Park hat eine in Indien geborene Gepardenmutter im April 2026 vier Junge zur Welt gebracht. Damit erreicht Project Cheetah nach vier Jahren einen entscheidenden Meilenstein: Die zweite Generation beweist, dass die wiederangesiedelte Population dauerhaft in der Wildnis reproduziert.

13. Mai 2026, 17:00 Uhr 623 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Über sieben Jahrzehnte lang gab es in Indien keinen einzigen wildlebenden Geparden. Im April 2026 brachte KGP-12 vier Junge zur Welt, in Kuno National Park in Madhya Pradesh. Das macht diesen Wurf besonders: KGP-12 selbst ist in Indien geboren, ein Nachkomme der ursprünglichen Wiederansiedlung von 2022. Für Project Cheetah ist das mehr als ein Zählerfolg. 57 Tiere leben heute in zwei indischen Schutzgebieten, die Population wächst aus sich heraus.

Ausgestorben seit 1952

Indiens letzte drei Geparden wurden 1947 vom Maharadscha von Koriya erschossen. Fünf Jahre später erklärte die indische Regierung die Art im Land für offiziell ausgestorben. Über sieben Jahrzehnte lang war einer der schnellsten Landraubtiere der Erde auf dem Subkontinent verschwunden.

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Dabei hatte Indien eine jahrhundertelange Geschichte mit der Art: Mughal-Kaiser Akbar soll im 16. Jahrhundert über tausend Geparden zur Beizjagd gehalten haben. Wiederholt diskutierten Naturschutzexperten eine Rückkehr, doch es dauerte Jahrzehnte. Erst im September 2022 landeten acht Geparden aus Namibia auf einem Flughafen nahe Kuno National Park. 2023 kamen zwölf weitere Tiere aus Botswana hinzu. Project Cheetah war gestartet.

Von 20 auf 57 Tiere in vier Jahren

Der Start war holprig. In den ersten Monaten starben mehrere Geparden an Infektionskrankheiten und Verletzungen durch Revierkämpfe. Tierschutzorganisationen dokumentierten die Todesfälle, indische Medien stellten die gesamte Initiative infrage. Die Regierung geriet unter Druck.

Doch die Population stabilisierte sich. Im Jahr 2023 wurden die ersten in Indien geborenen Jungtiere gemeldet. Heute registriert das Programm 57 Geparden: 54 in Kuno National Park und drei im Gandhi Sagar Wildlife Sanctuary, einem zweiten Schutzgebiet rund 300 Kilometer entfernt. Aus elf dokumentierten Würfen stammen 49 Jungtiere, von denen 37 die ersten Wochen überlebten.

Den symbolischen Wendepunkt setzte Mukhi: Die erste auf indischem Boden geborene Gepardenmutter gebar im November 2025 fünf Junge. Im April 2026 folgte KGP-12, ebenfalls in Indien geboren, mit vier weiteren. Diese Tiere wurden nicht bestellt, transportiert oder angesiedelt. Sie wurden in Indien geboren, von Müttern, die selbst auf dem Subkontinent zur Welt kamen.

Was der Iberische Luchs und der Wisent zeigen

Project Cheetah ist nicht das erste Programm, das mit einer kleinen importierten Gründerpopulation beginnt und auf natürliche Fortpflanzung setzt. Der Iberische Luchs (Lynx pardinus) galt 2002 mit unter 100 wildlebenden Tieren als die am stärksten bedrohte Katzenart der Welt. Durch Schutzgebiete, Zuchtprogramme und gezielte Wiederansiedlungen in Spanien und Portugal wuchs die Population bis 2024 laut der Weltnaturschutzunion IUCN auf über 2.000 Tiere. Entscheidend war, dass sich die Tiere dauerhaft in freier Wildbahn fortpflanzten.

artenschutz

Beim Europäischen Wisent zeigt sich, wie lang ein solcher Weg sein kann: In freier Wildbahn 1925 ausgerottet, wurden die letzten Tiere in Zoos gehalten. Erst durch jahrzehntelange Auswilderungen leben heute mehr als 7.000 Wisente in Europa wieder frei, der Großteil im Bialowieza-Urwald an der polnisch-belarussischen Grenze. In beiden Fällen war die zweite, in der Wildnis geborene Generation der Moment, an dem die Wiederansiedlung glaubwürdig wurde. Kuno erlebt diesen Moment jetzt.

Die drei offenen Risiken für Kuno

Die zweite Generation ist ein Signal, kein Schlusswort. Drei strukturelle Risiken bleiben bestehen.

Erstens die genetische Verarmung: 57 Tiere, die von einer Handvoll Gründerpaare abstammen, bilden eine genetisch enge Population. Ohne zusätzlichen Import von Tieren aus anderen Beständen droht langfristig Inzucht mit sinkender Reproduktionsrate und höherer Krankheitsanfälligkeit. Das Indische Umweltministerium hat weitere Transfers aus dem südlichen Afrika angekündigt, ein konkreter Zeitplan fehlt bisher.

Zweitens die Habitatfragmentierung: Kuno und Gandhi Sagar sind voneinander getrennte Inseln im Meer der Agrarlandschaft. Geparden benötigen großräumige Territorien, um stabile Populationen aufzubauen und genetischen Austausch zu ermöglichen. Wildkorridore zwischen den beiden Gebieten sind bisher nicht umgesetzt.

Drittens die Krankheitsanfälligkeit: Geparden gelten unter Biologen als besonders empfänglich für Viruserkrankungen, teils bedingt durch ihre geringe genetische Diversität weltweit. Mehrere der frühen Todesfälle nach 2022 waren infektionsbedingt. Ein größerer Ausbruch in der noch kleinen Kuno-Population könnte die Fortschritte von vier Jahren in kurzer Zeit zunichtemachen.

Quellen (6)

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