PSG verteidigt CL-Titel: Elfmeterkrimi in Budapest
Als Gabriel Magalhães seinen Elfmeter über die Querlatte schoss, stand das Ergebnis fest: Paris Saint-Germain hat das Champions-League-Finale 2026 gegen den FC Arsenal gewonnen, 4:3 nach Elfmeterschießen in der Budapester Puskás-Aréna. Es war das zweite Finale in Folge, das PSG gewann und das zweite, das in einem Elfmeterkrimi entschieden wurde. Was auf dem Platz eine historische Leistung war, endete auf den Straßen von Paris in einer Sicherheitskrise.
Budapest, 30. Mai: Havertz trifft früh, Dembélé gleicht aus
Arsenal startete dominant in das Finale. Schon in der 6. Minute erzielte Kai Havertz das 1:0: Ein Klärungsversuch von Marquinhos landete über Arsenals Leandro Trossard bei Havertz, der links einschoss. Für den deutschen Nationalspieler war es das zweite Tor in einem Champions-League-Finale mit zwei verschiedenen Klubs: 2021 hatte er für den FC Chelsea gegen Manchester City getroffen. Dieses Kunststück gelang zuvor nur Cristiano Ronaldo und Mario Mandžukić.
PSG antwortete mit wachsendem Druck. In der 65. Minute verwandelte Ousmane Dembélé einen Elfmeter souverän: Arsenal-Keeper David Raya hechtete in die falsche Ecke. Der Ballon-d'Or-Träger des Jahres 2025 war auch in dieser Saison der entscheidende Mann in großen Momenten. Nach 90 Minuten und nach Verlängerung stand es weiter 1:1. Das Elfmeterschießen brachte die Entscheidung: Eberechi Eze und Gabriel Magalhães trafen für Arsenal nicht. Magalhães' abschließender Fehlschuss über die Querlatte besiegelte das Ergebnis. Rechtsverteidiger Achraf Hakimi erhielt mit 8 von 10 Punkten die beste Einzelbewertung des Abends.
Erster französischer Klub mit zwei CL-Titeln
Paris Saint-Germain hat in zwei Jahren eine historische Serie aufgebaut. Im Vorjahr schlug der Klub Inter Mailand im Finale in München mit 5:0 und holte den ersten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte. Die Titelverteidigung gelingt im modernen Wettbewerb nur selten: Zuletzt schaffte Real Madrid von 2016 bis 2018 dreimal hintereinander den Triumph. Für einen französischen Klub ist die Titelverteidigung eine Premiere: Marseilles Sieg von 1993 war der einzige französische CL-Triumph bis zu PSGs erstem Gewinn 2025.
Den Weg nach Budapest hatte PSG über den FC Bayern München gefunden, den der Klub im Halbfinale ausschaltete. Arsenal war als frischer Premier-League-Meister nach 22 Jahren ohne nationalen Titel ein ebenbürtiger Gegner. Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete PSG als Vorbild für Bayern München: Der Pariser Klub habe mit Geduld und klarer Strategie gezeigt, was möglich ist, wenn ein Verein eine langfristige Aufbauarbeit betreibt statt kurzfristig auf Starteinkäufe zu setzen.
780 Festnahmen: 45 Prozent mehr als nach dem Münchner Finale
Die Nacht zum 31. Mai verwandelte den Triumph in eine Sicherheitskrise. Auf dem Champs-Élysées versammelten sich rund 20.000 Menschen. Maskierte Gruppen griffen die Polizei mit Wurfgeschossen an, die Beamten setzten Tränengas ein. Innenminister Laurent Nunez meldete rund 780 Festnahmen landesweit, davon 457 in Polizeigewahrsam; allein in Paris wurden 283 Menschen festgenommen. 180 Polizisten wurden verletzt. 8.000 Beamte waren in der Hauptstadt eingesetzt, 22.000 im ganzen Land.
Besonders alarmierend ist der Vergleich mit dem Vorjahr: Nach dem Finale in Budapest lagen die Festnahmen rund 45 Prozent über dem Wert nach dem Finale in München. Die Sicherheitsbehörden haben die Polizeipräsenz deutlich ausgebaut, die Gewalt nimmt trotzdem zu. Nicht die Masse der Feiernden ist gewalttätig, sondern eine relativ kleine Gruppe, die das Durcheinander als Deckung nutzt. Mehr Polizisten einzusetzen und härtere Strafen anzudrohen hat das Grundproblem bislang nicht verändert.
Macron empfängt PSG im Élysée und sagt Straflosigkeit ab
Präsident Emmanuel Macron empfing die PSG-Mannschaft in der Nacht im Élysée-Palast und verurteilte die Ausschreitungen scharf. „Ich will mich nicht daran gewöhnen”, sagte Macron und kündigte harte Konsequenzen an: „Wir werden gegenüber denen, die erwischt wurden, kompromisslos sein.” Ob auf das Versprechen diesmal eine konsequente Strafverfolgung folgt, wird sich zeigen. Nach dem Finale in München 2025 gab es ähnliche Ankündigungen; die Festnahmen stiegen trotzdem.
Einen Tag nach den Krawallen, am 1. Juni, zeigte Paris, wie Fußballjubel auch aussehen kann: Hunderttausende feierten friedlich nahe dem Eiffelturm. Die gelenkte Parade verlief ohne Zwischenfälle. Der Kontrast zur Spontanversammlung auf dem Champs-Élysées stellt eine Frage, die Paris bislang nicht beantwortet hat: Wenn organisierte Feiern funktionieren, lässt sich das ungeplante Zusammenströmen auf einer der bekanntesten Straßen der Welt durch alternative Veranstaltungsformate verdrängen?
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